Quer gelesen
- Grosse Mengen der Ernte von 2025 müssen in die Folgekampagne 2026 / 27 überlagert werden.
- Eine hohe weltweite Weizenernte mit guten Qualitäten, aber verhaltener Nachfrage setzt die Preise in der EU unter Druck.
- Im Bio-Futtergetreide sorgen die höheren Inlandanteile für steigende Bio-Mischfutterpreise.
Die Erntemenge 2025 fällt über alle Kulturen deutlich besser aus als im Vorjahr. Nach dem schwachen 2024 steigen die Mengen markant: Mahlgetreide legt um 74 % zu, Futtergetreide um 35 % und Ölsaaten um 19 %. Neben den höheren Erträgen überzeugt auch die Qualität. Beim Mahlweizen liegen Hektolitergewicht und Proteingehalt klar über dem 5-Jahres-Mittel. Ein warmer, trockener Frühling und viele Sonnenstunden sorgten für eine hohe Photosyntheseleistung, was besonders den Winterkulturen zugutekam. Das trockene Wetter während der Blüte führte zudem zu einer geringen Mykotoxinbelastung. Der deutliche Unterschied zum Vorjahr unterstreicht, wie stark die Witterung die Ertragslage prägt. Die hohen Erwartungen nach 2024 wurden erfüllt – doch die Vermarktung bleibt angesichts einer angespannten Marktsituation und tiefen internationalen Preisen anspruchsvoll.
Ertrag und Absatz beim Mahlweizen
In der Schweizer Ernte 2025 wurden knapp 440 000 t Mahlgetreide eingefahren, rund 190 000 t mehr als 2024. Trotz dieser starken Menge bleibt die Marktsituation für die gesamte Wertschöpfungskette anspruchsvoll. Der Preisdruck auf inländisches Mahlgetreide hat weiter zugenommen. Zunehmende Importe von Halb- und Fertigprodukten sowie Teiglingen und eine Verlagerung von Produktionsvolumen ins Ausland reduzieren die Vermahlungsmengen der Mühlen. Gleichzeitig verschärfen der intensive Wettbewerb bei Brot- und Backwaren im Detailhandel und die grossen Preisunterschiede bei den Rohstoffen Getreide und Mehl im Import die Lage zusätzlich.
Die Folge: Grosse Mengen des Mahlgetreides aus der Kampagne 2025 / 26 müssen in die Folgekampagne 2026 / 27 überlagert werden. Das reduziert die verfügbaren Lagerkapazitäten zur Aufnahme der Ernte 2026 und verursacht Mehrkosten. Wie gut diese Überlagerungen vermarktet werden können, lässt sich erst nach Vorliegen der Ernteergebnisse 2026 zuverlässig beurteilen.
International tiefes Preisniveau für Mahlgetreide
Die globale Weizenernte fällt erneut sehr hoch aus und weist gute bis sehr gute Qualitäten in den Hauptanbauregionen auf. Doch die Nachfrage bleibt verhalten. Dies führt zu anhaltend tiefen Weltmarktpreisen, was sich direkt auf Europa auswirkt. Importpreise für vergleichbare Qualitäten liegen – inklusive Grenzschutz – rund 15 Fr./100 kg unter Schweizer Ware. Bei solchen Preisen ist für Produzentinnen und Produzenten im internationalen Umfeld die Wirtschaftlichkeit nicht mehr gegeben.
Anbaupotenzial bei Ölsaaten
Die nationale Rapsernte erreichte rund 83 400 t und lag damit deutlich über dem Vorjahr – trotz etwas kleinerer Fläche. Mit einer Rahmenvereinbarungsmenge von 106 000 t deckt die Inlandproduktion etwa 78 % des Bedarfs. Auch bei Sonnenblumen und Sojabohnen fielen die Erntemengen höher aus.
Die Rapsproduktion deckt 78 % des Bedarfs.
Die erfreulichen Ertemengen führen in der Kampagne 2025 / 26 zeitweise zu limitierten Verarbeitungskapazitäten und in begrenztem Umfang zu Überlagerungsmengen auf die Folgekampagne. Zur langfristigen Sicherung ausreichender Kapazitäten nimmt die Florin AG in Muttenz demnächst ein weiteres Presswerk in Betrieb. Ziel ist es, die zusätzlichen Kapazitäten ab der Ernte 2026 möglichst vollständig auszulasten. Damit wird klar: Eine Ausdehnung des Ölsaatenanbaus in der Schweiz ist erwünscht. Die Betriebe haben gute Gründe, die Anbauflächen gezielt zu erweitern und die inländische Wertschöpfung zu stärken.
Hohe Erträge im Futtergetreide bei ungenügendem Grenzschutz
Mit rund 470 000 t verzeichnet die Branche die höchste Futtergetreideernte der letzten fünf Jahre. Besonders Futterweizen und Körnermais trugen zu diesem Ergebnis bei; im 10-Jah-res-Vergleich handelt es sich um die zweitgrösste Ernte. Diese überdurchschnittlichen Mengen führen zu einer längeren Bedarfsdeckung an inländischen Energieträgern: Futterweizen deckt den Bedarf statt zwei nun drei Monate, Mais rund sieben statt fünf Monate ab. Auch beim Hafer steigt die Deckungsreichweite von zwei auf vier Monate. Aufgrund der insgesamt längeren Deckungsreichweite fallen die Lagerkosten in der Folge etwas höher aus als in den Vorjahren.
International sind die Preise in den meisten Kulturen tief – ein hohes Niveau beim Grenzschutz wäre nötig, insbesondere in einem Jahr mit grosser Inlandproduktion. Doch beim Weizen und Mais war der Grenzschutz in den vergangenen Monaten teilweise unzureichend, was den Wettbewerb für inländische Ware zusätzlich verschärfte.
Hohe Erträge beim Bio-Mahlgetreide und den Bio-Ölsaaten
Die Bio-Ernte 2025 brachte über alle Kulturen hinweg sehr hohe Mengen bei insgesamt guten Qualitäten hervor. Besonders im Bio-Mahlgetreidebereich sticht die Rekordernte an Knospe-Mahlweizen hervor, unterstützt durch überzeugende Proteinwerte und hohe Hektolitergewichte. Auch bei Bio-Ölsaaten konnten sehr hohe Erträge erzielt werden: Raps und Sonnenblumen erreichten Rekordmengen. Was aus produktionstechnischer Sicht erfreulich ist, stellt den Markt jedoch vor Herausforderungen. Die Vermarktung verläuft langsamer als in den Vorjahren, zusätzlich belasten Importbestände und teilweise rückläufige Verarbeitungsmengen den Markt. Entsprechend werden zur Ernte 2026 bedeutende Überlagerungsmengen erwartet.
Rekordernte bei Bio-Futtergetreide
Auch im Bio-Futtergetreide war 2025 ein aussergewöhnlich ertragsreiches Jahr. Die Erträge lagen gemäss Bio Suisse rund 52 % über dem Vorjahr, besonders stark beim Körnermais. Mit rund 21 400 t wurde eine Rekordmenge geerntet, rund 10 % über dem Jahresbedarf der Mischfutterbranche. Um den Markt zu stabilisieren, hat sich die Branche darauf geeinigt, überschüssige Mengen in die nächste Kampagne zu übertragen und einen Inlandanteil von 86 % im Mischfutter einzuhalten. Gleichzeitig stellen Lagerung und Vermarktung der Übermengen eine Herausforderung dar. Die höheren Inlandanteile führen zu steigenden Bio-Mischfutterpreisen. Den Produzentinnen und Produzenten wird empfohlen, Zurückhaltung beim Anbau von Körnermais zu wahren und vermehrt auf Bio-Körnerleguminosen wie Soja, Eiweisserbsen und Ackerbohnen zu setzen. Diese sind im Bio-Futtermarkt stark nachgefragt.
Maxi-Event 2026
An der Informationsveranstaltung vom 14. April 2026 in Solothurn informierte fenaco GOF die Maxi-Sammelstellen über die Vermarktung der zu Ende gehenden Kampagne, über die Marktsituation und Anbaupotenzial bei den Ölsaaten. Die Schlussabrechnungspreise finden sich hier.







