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Pflanzenbau

Richtig streuen statt teuer verlieren

Für eine gleichmässige Mineraldüngung muss die Technik korrekt eingestellt sein. Vom waagrecht angebauten Zentrifugalstreuer über verschleissfreie Wurfschaufeln bis zur passenden Einstellung für das jeweilige Düngergranulat greifen viele Stellschrauben ineinander.

Der rotierende Streuteller bestimmt Streubild und Wurfweite und entscheidet damit über die Gleichmässigkeit der Düngerverteilung. 

Der rotierende Streuteller bestimmt Streubild und Wurfweite und entscheidet damit über die Gleichmässigkeit der Düngerverteilung. 

(iStock)

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Produktmanager Landor

Wirtschaftlicher Pflanzenbau erfordert eine gleichmässige, bedarfsgerechte Mineraldüngung. Dafür müssen Traktor und Düngerstreuer korrekt eingestellt sein, damit der Dünger flächendeckend und in der richtigen Menge ausgebracht wird – ohne Überoder Unterversorgung.

Gängiger Zentrifugalstreuer

Im Schweizer Ackerbau werden meist Zentrifugalstreuer eingesetzt. Ihr Funktionsprinzip ist bei allen Herstellern ähnlich: Der Dünger fällt aus dem Vorratsbehälter durch eine Öffnung auf einen rotierenden Streuteller. Dieser dreht sich mit etwa 900 bis 1000 Umdrehungen pro Minute. Mehrere Wurfschaufeln schleudern die Körner mit hoher Geschwindigkeit über das Feld. Über die Drehzahl der Streuscheiben und den Auftreffpunkt des Düngers wird bestimmt, wie weit das Produkt verteilt wird.

Anbau am Traktor und Ausrichtung zum Boden

Der Düngerstreuer muss so angebaut werden, dass er sowohl in der Längs- als auch in der Querachse waagrecht steht. Das bedeutet: Die Hubstreben der Unterlenker müssen gleich lang sein, und der Oberlenker muss korrekt eingestellt sein. Entscheidend ist zudem, dass das Hubwerk den Streuer in der vom Hersteller vorgesehenen Arbeitshöhe hält und sich diese beim Leeren des Behälters nicht verändert. Je nach Gewichtskombination von Streuer und Traktor lohnt sich ein Blick auf den Reifendruck. Eine schwere Kombination verstärkt die Wirkung von falschem oder unterschiedlichem Reifendruck. Das führt dazu, dass der Streuer schräg steht und ungleichmässig streut.

Der Düngerstreuer muss sowohl in der Längs- als auch Querachse waagrecht stehen.

Kontrolle und Wartung Streuapparat

Streuscheiben und Wurfschaufeln unterliegen starkem Verschleiss. Besonders, weil viele Dünger salzhaltig sind und Korrosion begünstigen. Eine gründliche Reinigung nach jeder Anwendung verhindert Rost und Verkrustungen.

Wichtig sind zudem regelmässige Kontrollen: Streuscheiben dürfen keinen Höhenschlag aufweisen und abgenutzte oder verformte Wurfschaufeln müssen ersetzt werden. Abgerundete Kanten oder Verformungen (oft wellenartig oder sogar Löcher) auf den Wurfschaufeln verändern die Flugbahn der Körner und verfälschen das Streubild erheblich.

Einstellungen des Streuers

Die korrekte Einstellung hängt von der Art des Düngers ab. Streuerhersteller stellen dafür Datenbanken oder Apps zur Verfügung, in denen die verschiedenen Produkte der Düngerhersteller aufgelistet sind. Diese Empfehlungen basieren auf Prüfungen zu Fliessverhalten, Korngrösse, Kornform und Schüttgewicht.

Für die Praxis gilt: Diese Werte sind als Richtgrössen zu verstehen. Die physikalischen Eigenschaften eines Düngers können je nach Produktionscharge leicht variieren. Wer auf Nummer sicher gehen will, kontrolliert die Querverteilung mit Fangschalen und justiert bei Bedarf direkt auf dem Feld nach. Moderne Maschinen können diese Feinjustierung dank Wiegesystem, Sensoren zur Prüfung der Querverteilung und variablem Aufgabepunkt für den Fahrer übernehmen.

Einfluss von Wind und Gelände

Selbst bei optimal eingestellter Technik ist der Einfluss der Umwelt nicht zu unterschätzen. Wind, Hangneigung oder unregelmässige Parzellenformen können die Verteilung spürbar verändern.

Grundsätzlich gilt: Je leichter der Dünger, desto empfindlicher reagiert er auf Wind. Mittelschwere Produkte wie MgS-Ammonsalpeter können bis rund 5 m / s Windgeschwindigkeit gestreut werden. Leichte Dünger wie Sulfamid sollten schon ab 4 m / s in der Scheune bleiben, während schwere Produkte wie Terbona oder Triphoska auch 6 m / s noch knapp tolerieren. Bei Streubreiten über 30 Meter empfiehlt es sich, diese Werte um etwa 1 m / s zu reduzieren. Unter 20 Metern darf der Wind hingegen etwas kräftiger blasen.

Kupiertes Gelände oder unförmige Parzellen stellen ebenfalls Herausforderungen dar, auf die in der Regel kein Einfluss genommen werden kann.

Mit einem Kompromiss zum Ziel

Auch wenn alles berücksichtigt wird: Düngerstreuen ist keine exakte Wissenschaft – und das muss es auch nicht sein. Dank der Wurzelsysteme der Pflanzen, der Mobilität vieler Nährstoffe und der guten Struktur der Schweizer Ackerböden kann die Natur leichte Abweichungen von der Idealverteilung gut ausgleichen. Entscheidend ist, das System als Ganzes zu verstehen. 

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