Wann sollte Gülle ausgebracht werden, um die beste Verwertung für Grasland und Kulturen zu erzielen?
Die Entscheidung, Gülle oder Jauche auszubringen, ist eine Gleichung mit mehreren Parametern. Die beste Wirkung wird erzielt, wenn der Boden genügend feucht ist, damit die Gülle rasch im Boden versickert, aber dennoch tragfähig genug ist, um Verdichtungen zu vermeiden. Windstille begrenzt Verluste, während kühle Luft die Verdunstung verringert. Die besten Bedingungen herrschen häufig Ende Winter und können punktuell bis Ende Frühling auftreten. In der übrigen Zeit ist die Wirkung der Gülle eher ungewiss.
Was ist beim Ausbringen von Gülle mit einem Schleppschlauch zu beachten?
Die zuvor genannten Bedingungen gelten immer und es spielt letztendlich keine Rolle, ob die Gülle mit einem Schleppschlauch, einem Injektor oder einem anderen Gerät ausgeführt wird. Zu berücksichtigen sind auch die Grashöhe, das Wachstumsstadium und die Bedürfnisse der Wiese. Bei Frost ist eine Bodenprüfung mit einem Schraubendreher Nr. 5 nach wie vor unerlässlich. Um die Umwelt zu schonen, muss der Abstand zu Oberflächengewässern und anderen natürlichen Elementen eingehalten werden. Was die Arbeitsorganisation betrifft, muss die Verfügbarkeit des Güllefasses im Voraus geplant werden. Zudem vermeidet das Ausbringen an Wochentagen unangenehme Gerüche, welche die Nachbarn stören könnten.
Welches sind Ihrer Einschätzung nach die Vor- und Nachteile der Gülleseparation?
Die Trennung verringert die Gefahr für Verschmutzungen, da das Versickern der Gülle in den Boden optimiert wird. Zudem wird die Bildung der berüchtigten Güllestreifen hinter den Schleppschläuchen verhindert. Dies ist von Vorteil, da derartige Güllestreifen sich negativ auf das Futter und die Tiergesundheit auswirken.
Allerdings ist die Gülleseparation relativ kostspielig. Und entgegen der weitverbreiteten Annahme führt ein verbessertes Versickern der Gülle nicht zu weniger Stickstoffverlusten, da auch bei der Gülletrennung Stickstoff verloren geht. Ausserdem kommt es meist nicht zu einer Senkung der Lagerkosten, da die Grube unverändert bleibt. Gelegentlich ist sogar ein Bereich für die Festphase einzurichten. Finanziell lohnt es sich nur, wenn der feste Anteil die Stroh-Einstreu ersetzt – und dies auch nur dann, wenn es die Branche oder das Label genehmigt.
In jedem Fall sollte man, bevor man eine Trennung in Betracht zieht, zunächst die Fliessfähigkeit der Gülle verbessern: verdünnen, die Einstreu zerkleinern oder eine feinere Einstreu verwenden, die von den Tieren schlecht verdauliche Futterration überarbeiten oder sogar Zusatzstoffe einsetzen. Und zweitens muss die Gülle wirklich bodennah ausgebracht werden.
Interview: Jean-Pierre Burri







