Das Herzstück moderner Pflanzenschutzstrategien ist die Unkrautund Krankheitserkennung. Kamerabasierte Systeme, montiert an Drohnen, angebaut an Anbaugeräten oder als Teil von Feldrobotern, sind in der Lage, Pflanzen oder Krankheiten zu erkennen. Die Erkennung basiert auf Algorithmen mit künstlicher Intelligenz. Dabei werden Modelle darauf trainiert, Pflanzen oder Krankheiten zu bestimmen. Später analysieren diese Modelle die Kamerabilder in Echtzeit und unterscheiden beispielsweise die Kulturpflanzen von den Unkräutern. Chemische Applikatoren besprühen daraufhin exakt die Unkräuter, sogenanntes Spot Spraying.
Eine Anwendung dieser Technologie ist beispielsweise die Blackenbekämpfung im Grünland. Da dabei nur das Unkraut mit einem Herbizid behandelt wird, lässt sich der PSM-Einsatz deutlich reduzieren. Beim mechanischen Pflanzenschutz werden die Hackschare gezielt um die Nutzpflanzen herum ausgeschwenkt. Besonders im Son-derkultur- und Gemüseanbau reduzieren KI-Hackgeräte den Aufwand für das händische Hacken und den Herbizideinsatz. Aber auch im klassischen Ackerbau kommen solche Technologien zum Einsatz.
Prognosemodelle und datenbasierte Entscheidungen
Prognosesysteme sind digitale Werkzeuge, die dank ausgewählter Daten und Berechnungen bei der Entscheidung unterstützen, ob und wann eine Pflanzenschutzmassnahme erforderlich ist. Sie basieren auf komplexen mathematischen Modellen, die das Risiko eines Befalls durch Schaderreger (wie Pilzkrankheiten oder Insekten) berechnen. Die Systeme nutzen eine Vielzahl von Parametern, um präzise Vorhersagen zu treffen: Wetterdaten (Temperatur, Niederschlag, Luftfeuchtigkeit und die für Pilzinfektionen kritische Blattnässe), den aktuellen Entwicklungsstand der Kulturpflanze und die Biologie der Schaderreger (spezifischer Lebenszyklus oder optimale Vermehrungsbedingungen bei Pilzkrankheiten).
Prognosesysteme unterstützen den Landwirt bei der Entscheidung.
Der Einsatz von Prognosesystemen soll nicht nur zu einem geringeren Einsatz von Pflanzenschutzmitteln führen, sondern durch die Anwendung zum optimalen Zeitpunkt auch eine gute Wirkung erzielen. Agrardrohnen haben sich zur Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln etabliert. Besonders in Hanglagen oder bei nassen Bodenverhältnissen, wo ein Befahren mit schweren Maschinen nicht möglich ist, spielen sie ihre Vorteile aus. Sie ermöglichen eine gezielte Ausbringung, etwa von Pflanzenschutzmitteln im Weinbau. Zudem werden Drohnen zur Ausbringung von Nützlingen, beispielsweise Schlupfwespen gegen den Maiszünsler, eingesetzt, was den biologischen Pflanzenschutz fördert.
Jäten zukünftig die Roboter?
Erste Feldroboter kommen auf den Feldern zum Einsatz. Im Gegensatz zu an Traktoren angebauten Geräten sind sie autonom auf dem Feld unterwegs. Sie verbinden meist eine Navigation mit RTK-GNSS mit optischen Sensoren zur Unterscheidung zwischen Unkräutern und Nutzpflanzen. Das Haupteinsatzgebiet bisher verfügbarer Feldroboter ist die herbizidfreie Unkrautbekämpfung, bei der die Hackroboter die Unkräuter gezielt mechanisch oder mit anderen Verfahren wie Laser bekämpfen. Ein Vorteil von Feldrobotern ist ihre leichte Bauweise gegenüber Traktoren. Dadurch verringert sich die Bodenbelastung. Auch der Einsatz mehrerer Roboter als sogenannter Schwarm ist möglich. Dabei teilen sich die Roboter die Arbeit auf dem Feld auf.
Förderung digitaler Technologien
Da die Einsparung von Pflanzenschutzmitteln ein übergeordnetes Ziel ist, können Fördergelder für digitale Technologien zur Einsparung des PSM-Einsatzes beantragt werden. Wichtig: Die Förderzusage muss vor dem Kauf vorliegen.
Gefördert werden
– Geräte zur detektorbasierten Einzelpflanzenerkennung
– Geräte, welche durch Sensorik (Kamerasysteme) einzelne Pflanzen detektieren können und diese gezielt behandeln.
– Feld- und Gerätespritzen mit Sensorsystemen zur Applikation auf Teilflächen
– Bei Feld- und Gebläsespritzen, welche mittels Sensortechnik eine Applikation auf Teilflächen ermöglichen, wird eine Förderung auf die Mehrkosten dieser Technik ausgezahlt.
– Hackgeräte innerhalb der Reihe. In diese Kategorie fallen Hackgeräte, welche mittels Sensoren eine gezielte Bearbeitung innerhalb der Pflanzenreihe erlauben.
– Autonome Feldroboter, welche autonom auf den Feldern betrieben werden können. Der Einsatz der Fahrzeuge muss eine Einsparung von mindestens 20 % an Pflanzenschutzmitteln ermöglichen.
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