Als Betriebsleiterin oder Betriebsleiter kennt man diesen Moment: Die Zahlen des vergangenen Jahres liegen vor und werden für die Steuererklärung aufbereitet. Oft endet die Beschäftigung mit der Buchhaltung an diesem Punkt.
Quer gelesen
- Buchhaltungszahlen zeigen früh, ob ein Landwirtschaftsbetrieb wirtschaftlich unter Druck gerät.
- Betrieb, Privatbereich und Nebeneinkünfte sind getrennt zu betrachten, damit die Lage des Betriebs sichtbar bleibt.
- Bei auffälligen Werten lohnt sich der Blick auf die Ursachen, bevor Massnahmen ergriffen werden.
Für die Betriebsführung beginnt sie jedoch erst hier. Denn die Zahlen zeigen nicht nur, was war, sondern auch, was kommen kann und wo genauer hingeschaut werden muss.
Was alles hinter den Zahlen steckt
Die landwirtschaftliche Buchhaltung umfasst drei eigenständige Bereiche: den Betrieb, die Nebeneinkünfte und das Privatvermögen (siehe Grafik).
Jeder Bereich folgt seiner eigenen Logik und sollte getrennt betrachtet werden. Für die Betriebsführung ist entscheidend, ob der Landwirtschaftsbetrieb aus eigener Kraft wirtschaftlich ist oder ob Defizite durch Nebeneinkünfte oder Privatvermögen verdeckt werden.
Die drei Säulen der wirtschaftlichen Nachhaltigkeit
Jeder Betrieb hat das Ziel, langfristig zu bestehen und wirtschaftlich nachhaltig zu sein. Diese wirtschaftliche Nachhaltigkeit stützt sich auf drei voneinander abhängige Säulen: Rentabilität, Liquidität und Stabilität.
- Rentabilität. Sie misst das Verhältnis zwischen Gewinn und eingesetzten Ressourcen (Kapital) wie Arbeit, landwirtschaftliche Nutzfläche oder investiertes Geld. Sie zeigt den wirtschaftlichen Erfolg eines Betriebs und verdeutlicht, wie effizient die vorhandenen Ressourcen genutzt werden. Sie bildet die Grundlage jeder wirtschaftlichen Nachhaltigkeit.
- Liquidität. Die Liquidität – auch Zahlungsfähigkeit genannt – ist die Fähigkeit, Rechnungen und Schulden rechtzeitig zu begleichen. In der Landwirtschaft ist sie besonders anspruchsvoll für Ackerbau- und Gemüsebaubetriebe, wo die Einnahmen oft erst mehrere Monate nach den Ausgaben für Betriebsmittel eintreffen.
- Stabilität. Sie steht für die Fähigkeit des Betriebs, schwierige Jahre dank ausreichendem Eigenkapital zu überbrücken. In der Landwirtschaft können Wetterextreme, schwankende Märkte oder Probleme mit der Tiergesundheit das Jahresergebnis stark beeinflussen. Umso wichtiger ist ein Polster, das solche Schwankungen abfedert und dem Betrieb Handlungsspielraum gibt.
Rote Werte richtig einordnen
In einem unrentablen Betrieb geraten Liquidität und Stabilität auf Dauer unter Druck. Wie stark sich das auswirkt, hängt auch davon ab, wie Investitionen, Kosten, Privatbezüge und Schulden gesteuert werden. Um Warnsignale rechtzeitig einzuordnen, lassen sich die wichtigsten Kennzahlen mit einem einfachen Ampelsystem beurteilen (siehe Tabelle).
Grün zeigt an, dass sich ein Wert im unkritischen Bereich bewegt. Orange weist auf eine Entwicklung hin, die beobachtet werden sollte. Ein roter Wert ist kein Urteil, sondern ein Signal.
Den Blick aufs Gesamtsystem behalten
Wer nur auf den Milchpreis, die Kraftfutterkosten oder den Ertrag einer einzelnen Parzelle schaut, übersieht leicht das Gesamtbild. Entscheidend ist jedoch, wie sich Einnahmen, Kosten, Schulden, Investitionen und Privatbezüge zusammen auswirken. Erst dieser Gesamtblick zeigt, wie tragfähig ein Landwirtschaftsbetrieb wirtschaftlich ist. Das Ampelsystem ordnet ausgewählte Kennzahlen ein und hilft, auffällige Werte rasch zu erkennen. Wie sie zu beurteilen sind, hängt vom einzelnen Betrieb und von der finanziellen Ausgangslage ab. Der Online-Leitfaden zur Buchhaltungsanalyse und die Treuhandstelle helfen, rote oder orange Werte richtig einzuordnen.
Betriebswirtschaft kompakt
Dieser Beitrag ist Teil einer fünfteiligen Artikelserie, die 2026 in der UFA-Revue zu betriebswirtschaftlichen Themen erscheint. Die Inhalte vermitteln betriebswirtschaftliche Grundlagen für das Führen eines Landwirtschaftsbetriebs und sind Bestandteil der Lehre an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL in verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen. www.bfh.ch







