Management

Junglandwirte wappnen sich für Zukunft

Die Anforderungen an die Landwirtschaft steigen. Immer mehr junge Landwirtinnen und Landwirte entscheiden sich deshalb für eine Weiterbildung zum Agrotechniker oder zum Agrokaufmann. Der Abschluss erhöht nicht nur die Kompetenzen im eigenen Betrieb. Er bietet den Betroffenen mehr Sicherheit in einer Branche, die vor grossen Umbrüchen steht.

Meisterlandwirt Roger Hämmerli profitiert von seiner Weiterbildung als Betriebsleiter und will sich als Agrotechniker zusätzlich ausserhalb beruflich vernetzen.

(Bild: Reger Hämmerli)

Publiziert am

Aktualisiert am

Redaktor UFA-Revue

Schweizer Landwirtinnen und Landwirte stehen vor immer grösseren Herausforderungen. Wer sein Einkommen auch künftig mit dem eigenen Betrieb erzielen möchte, braucht Fähigkeiten, für die eine landwirtschaftliche Grundausbildung oft nicht mehr ausreicht. Landwirte sind heute Unternehmer, Kommunikatoren und Verkaufsprofis in einem und müssen mit der Entwicklung Schritt halten.

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Quereinsteigerin Eliane Berner hat dank HF-Weiterbildung zur Agrotechnikerin auch ohne eigenen Betrieb «Land» in Sicht.

(Bild: Eliane Berner)

Weiterbildung als berufliche Sicherheit

Zu dieser Erkenntnis ist auch Josua Neuhaus (30) gelangt. Seit Sommer 2017 drückt er zwei- bis dreimal die Woche die Schulbank am Berufsund Weiterbildungszentrum Buchs (BZB) Rheinhof in Salez im St.Galler Rheintal oder im Arenenberg, Kanton Thurgau. Daneben arbeitet er Teilzeit auf dem Milchwirtschaftsbetrieb seines Onkels in Opfershofen (TG) bei Weinfelden, den er Anfang 2021 mit seiner Partnerin übernehmen wird: «Da unser Betrieb mitten im Dorf liegt, machen wir uns oft Gedanken über die Direktvermarktung», sagt er und weiss, dass dies nicht ohne direkte Kommunikation im Kundenkontakt und nicht ohne Marketing funktioniert. Neben dem erweiterten Fachwissen, das ihm die Betriebsführung unmittelbar erleichtern wird, standen aber noch weitere Überlegungen hinter dem Entscheid, erneut Zeit in die Weiterbildung zu stecken: «Mit dem Abschluss als Agrotechniker will ich mich auch beruflich absichern, um nötigenfalls ein zweites Standbein aufzubauen», sagt er. Eine Möglichkeit wäre für ihn, eine pädagogische Weiterbildung anzuhängen, um als Teilzeit-Lehrkraft an einer Landwirtschaftsschule sein Wissen weiterzugeben.

Ähnliche Gründe bewegten auch Roger Hämmerli (33) zu einer HF-Weiterbildung in Salez. Er arbeitet seit zwölf Jahren Vollzeit auf dem elterlichen Zuchtschwein- und Milchwirtschaftsbetrieb in Oberbüren (SG) und hat diesen vor sechs Jahren übernommen. Nach seiner Grundausbildung zum Landwirt hat er zuerst den «Meister» gemacht. «Für mich war es naheliegend, auch noch die HF-Ausbildung zum Agrotechniker anzuhängen, da ich bereits einen grossen Teil der Ausbildung im Rahmen der Betriebsleiterschule 2 abgeschlossen habe», sagt er. «Die Weiterbildung hat mich vor allem als Betriebsleiter weitergebracht». Für Hämmerli ist es aber auch wichtig, sich breit zu vernetzen, weshalb er künftig eine zusätzliche Aufgabe ausserhalb des Betriebs übernehmen will. «Es ist immer gut, auch etwas in der Hinterhand zu haben», sagt er im Hinblick auf die Herausforderungen, welche auf die Schweizer Landwirtschaft zukommen.

Gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt

Tatsächlich sind für Agrokaufleute oder Agrotechniker die beruflichen Möglichkeiten nach erfolgreichem Abschluss breit. Der Grund liegt nicht zuletzt darin, dass HF-Absolventinnen und -Absolventen Menschen sind, die ihresgleichen praxisnah begegnen. «HF-Absolventinnen und -Absolventen sind in der Regel gelernte Landwirte und verfügen über die nötige Basis in der Branche», sagt Robert Wirz, Leiter Human Resources fenaco Ostschweiz. Kombiniert mit dem betriebswirtschaftlichen oder produktionstechnischen Wissen aus ihrer Weiterbildung gäbe es in den Bereichen Agrar, Energie, Handel oder Finanzen viele Optionen. «Speziell in den Bereichen Pflanzenbau und in der Tierhaltung

sind gerne auch Teilzeitmitarbeitende gefragt, die parallel in der Landwirtschaft tätig sind», sagt Wirz weiter. «In dieser Kombination ist der erwünschte Praxisbezug immer gewährleistet». Ausgerichtet auf Absolventinnen und Absolventen einer HF sei aber auch das Führungstrainee-Programm der fenaco-LANDI Gruppe. Es bietet jungen Talenten die Chance, die Welt der fenaco und der LANDI fundiert kennen zu lernen und sich als zukünftige Führungskraft zu qualifizieren.

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Landwirt Josua Neuhaus steht kurz vor der Betriebsübernahme und will sich als Agrotechniker in der Berufsbildung ein zweites Standbein aufbauen. 

(Bild: Josua Neuhaus)

Berufsbegleitend oder Vollzeit

Die berufsbegleitende, dreijährige Ausbildung, macht vor allem für Landwirtinnen und Landwirte Sinn, die bereits einen Betrieb leiten oder dereinst übernehmen. Für Landwirtinnen und Landwirte ohne Aussichten auf einen eigenen Betrieb ist eine zweijährige Vollzeitausbildung oft sinnvoller. Ihnen bietet die Weiterbildung zum Agrartechniker oder Agrarkaufmann eine realistische Perspektive im Agrarsektor langfristig Fuss zu fassen.

Eliane Berner (24) gehört zu dieser Gruppe. Die Engelbergerin (OW) hat sich als Quereinsteigerin auf dem zweiten Bildungsweg am Strickhof in Lindau (ZH) zur Landwirtin ausbilden lassen. «Für mich war nach dem Abschluss klar, dass ich im landwirtschaftlichen Bereich bleiben möchte», sagt sie. Ihre Weiterbildung finanziert die amtierende Braunviehkönigin aus ihrem Ersparten und verschiedenen Nebenjobs. «Wohin es mich in zwei Jahren ziehen wird, weiss ich noch nicht», sagt sie. Ob Vollzeit oder berufsbegleitend: Wer den Agrotechniker oder Agrokaufmann HF in der Tasche hat, dem stehen nicht nur beruflich viele Türen offen. Durch das hinzugewonnene Wissen in den Bereichen Unternehmensführung, Marketing und Kommunikation hilft die Weiterbildung aufgeschlossenen Landwirtinnen und Landwirten, den eigenen Betrieb klar zu positionieren und mit Perspektive erfolgreich in eine herausfordernde Zukunft zu führen.

Standort

Feusi Bildungszentrum 
Bern (BE)

Institut Agricole
Grangeneuve (FR)

Inforama Rütti
 Zollikofen (BE)

Strickhof
Lindau (ZH)

LBBZ Schluechthof
Cham (ZG)

BZB Rheinhof
Salez (SG)

Ausbildung

Agrokaufmann HF

Agrotechniker HF
Agrokaufmann HF

Agrotechniker HF

Agrotechniker HF
Agrokaufmann HF

Agrotechniker HF

Agrotechniker HF

Spezifität

Berufsbegleitend
Samstag und Blockunterricht

Berufsbegleitend (französisch)

Berufsbegleitend

Vollzeit

Vollzeit oder berufsbegleitend als Weiterbildung nach der Meisterprüfung

Berufsbegleitend (beginnt zweijährlich)

Dauer

3 Jahre

3 Jahre

3 Jahre

2 Jahre

Vollzeit: 2 Jahre
Berufsbegleitend: 4 Jahre

3 Jahre

Ca. Kosten für ganze Ausbildung  inkl. Schulmaterial, Exkursionen, Studienreise; exkl. Verpflegung

Fr. 20 160.–

Fr. 5730.–
exkl. Schulmaterial, Exkusionen, Studienreise.

Fr. 11 500.–

 

Fr. 13 570.–

Internat (Vollpension):
Fr. 10 300.–

Fr. 13 600.–

Internat (Halbpension):

Fr. 3820.–

16 000.–

Anmeldeschluss

30.6.2020

30.4.2020

30.4.2020

15.8.2020

30.4.2020

15.5.2021

Kursbeginn

15.8.2020

24.8.2020

11.8.2020

19.10.2020

17.8.2020

Aug 2021

Kontakt

Patrick Kipfer
Feusi Bildungszentrum AG
3014 Bern
031 537 36 36
patrick.kipfer@feusi.ch
www.feusi.ch

Laurent Monney
IAG Grangeneuve
1725 Posieux
026 305  55 50
iagcftn@fr.ch
www.grangeneuve.ch

Ruth Kipfer
Inforama Rütti
3052 Zollikofen
031 636 41 17
ruth.kipfer@be.ch
www.inforama.ch

Gerd Mayer
Strickhof
8315 Lindau
058 105 99 16
gerd.mayer@strickhof.ch
www.strickhof.ch

Franz Müller
LBBZ Schluechthof Cham
6330 Cham
041 227 75 58
franz.mueller@zg.ch
www.schluechthof.ch

Koni Höhener
BZB Rheinhof
9465 Salez
058 228 24 16
koni.hoehener@lzsg.ch
www.bzbbuchs.ch

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