Der Mischanbau von schmalblättriger Lupine (Lupinus angustifolius) und Hafer (Avena sativa) verbindet Eigenschaften zweier Kulturen, die sich im Feld ergänzen. Die Lupine trägt durch ihre Fähigkeit zur Stickstofffixierung und zur Mobilisierung von Phosphor aus tieferen Bodenschichten zur Nährstoffversorgung bei und zeigt sich gleichzeitig trockenheitsresilient. Der Hafer wiederum schliesst den Bestand früh, was zur Unterdrückung von Unkräutern beiträgt, und ist eine wertvolle und robuste Zwischenkultur für Getreide.
Ein praktischer Aspekt dieser Kombination im Gegensatz zu vielen anderen Mischkulturen ist ihre vollständige Mechanisierbarkeit: Aussaat, Pflege und Ernte erfolgen mit gängiger landwirtschaftlicher Standardtechnik. Üblicherweise werden Lupinen mit 90 % der empfohlenen Saatstärke ausgebracht, der mittelhohe Sommerhafer mit 10 %. Die Schmalblättrige Lupine ist zudem die am häufigsten angebaute Lupinenart, unter anderem dank ihrer Toleranz gegen die Anthraknose, eine Pilzkrankheit, die bei anderen Lupinenarten zu grossen Ernteausfällen bis hin zum Totalausfall führen kann.
Diese Mischkultur ist vollständig mechanisierbar.
Weniger Pflanzenschutz und stabilere Bestände
In zweijährigen Schweizer Feldversuchen des EU-Projekts Cropdiva bei Agroscope Reckenholz reduzierte sich der Unkrautdruck im Hafer-Lupinen-Gemenge um bis zu 83 %. Auch der Befall mit Getreidehähnchen im Hafer sank, je nach Sortenkombination, um 41 bis 46 %. Gleichzeitig verbesserten sich der Proteingehalt (von 11 auf 14 %) und das Hektolitergewicht des Hafers (+2 kg / hl), wohingegen der Proteingehalt der Lupinen unverändert blieb. Strukturelle Parameter wie Pflanzenhöhe oder Reifezeitpunkt blieben weitgehend unverändert, sodass das Wachstum der Pflanzen in Monokultur eine gute Grundlage für die Sortenwahl im Gemenge darstellt. Ein europaweiter Feldversuch (fünf Standorte, drei Jahre) zeigte zudem: der Mischanbau erreicht im Mittel die Erträge der Monokulturen und stabilisiert die Erträge über die Jahre und Standorte hinweg. Die Stabilitätskennzahlen verbesserten sich spürbar, und dies trotz des geringen Haferanteils von 10 % der empfohlenen Aussaatstärke.
Qualität und Lebensmittelsicherheit
Bei Lupinen ist der Gehalt an Alkaloiden, giftige Inhaltsstoffe, ein zentrales Qualitätskriterium. Im Gemenge lag der Alkaloidgesamtgehalt um 16 – 46 % höher als im Lupinen-Reinbestand. Entscheidend ist dabei die Sortenwahl der Schmalblättrigen Lupine und des Hafers im Gemenge. Je tiefer der Alkaloidgehalt der Lupine in Reinkultur lag, desto besser schnitten die Lupinen in der Mischung ab. Besonders positiv fiel die Mischung Jowisz × Bison auf, in welcher Jowisz verglichen mit der Reinkultur lediglich eine Zunahme des Alkaloidgehaltes um 16 % aufwies. Für Lebens-mittel- und Premiumfuttermärkte ist diese Kombination derzeit die sicherste Empfehlung.
Auf den Alkaloidgehalt achten
Stabilität als Trumpf: Die Erträge blieben an allen getesteten Standorten und Anbaujahren erhalten. Besonders auf leichten Böden oder bei unsicherer Witterung wirkt der Mischanbau wie eine Ernteversicherung. Das Alkaloidmanagement hingegen ist Pflicht: Da Alkaloidgehalte im Gemenge mit Hafer steigen können, ist die gezielte Sortenwahl essenziell. Die Spannbreite reicht von unkritisch (Jowisz mit Bison) bis risikoreich (z. B. Lunabor mit Troll). Mit gezielten Alkaloidmessungen lassen sich die Vorteile dieser Mischung ohne Sicherheitsrisiko umsetzen.
Mischanbau erfolgreich umsetzen – 7 Praxisschritte
1. Lupinen beimpfen
Sollten in den letzten zehn Jahren keine Lupinen auf dem Schlag kultiviert worden sein, ist eine Inokulation mit Knöllchenbakterien notwendig. Diese sind spezifisch für Lupinen erhältlich. Frühestens 24 Stunden vor der Saat beimpfen und danach das Saatgut lichtgeschützt zwischenlagern.
2. Früh säen
Aussaat idealerweise im März. Eine frühe Saat fördert den Aufgang und sichert den Lupinenertrag (in unseren Versuchen: Saat Mitte Februar bis Mitte März, 420 und 520 m ü. M.).
3. Optimale Bestandesdichte wählen
Hafer nur mit 10 – 15 % der Reinsaatdichte (30 bis 45 Pflanzen / m 2 ) einsäen, um Erträge zu stabilisieren, ohne die Lupine zu verdrängen.
4. Sorten richtig kombinieren
– Hafer: mittelhohe, früh reifende Sommerhafersorten (z. B. Bison)
– Schmalblättrige Lupine: verzweigende Typen, süsse Sorten (z. B. Jowisz Synonym Jupiter)
5. Düngung und Pflege
Eine mineralische N-Düngung ist nicht notwendig. In der Regel genügt eine anfängliche mechanische Unkrautregulierung, da die Mischung eine gute Unkrautunterdrückung aufweist (stärker als Hülsenfrüchte in Reinkultur). Mechanische Unkrautregulierung am Nachmittag sonniger Tage durchführen, frühmorgens können die jungen Lupinen abbrechen.
6. Gemeinsam ernten, getrennt aufbereiten
Gemeinsamer Drusch der Kulturen, anschliessend Trennung per Standardreinigung (z. B. 6-mm-Sieb). Sicherstellen, dass die Lupinen nicht zu trocken geerntet werden, ansonsten können die gebrochenen Lupinenkörner nicht vom Hafer getrennt werden.
7. Freier Kalk und pH-Wert des Bodens
Die Schmalblättrige Lupine erträgt keinen freien Kalk (Salzsäuretest: darf nicht schäumen), der pH-Wert ist dabei weniger relevant. In der Schweiz gehen niedriger pH-Wert und tiefer Kalkgehalt meist Hand in Hand.
Weitere Informationen
Wissenschaftliche Publikationen von Agroscope zum Cropdiva-Projekt:
Website des Cropdiva-Projektes:







