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Pflanzenbau

Für einen Tag Mekka des Bioackerbaus

Ackerbau, Tierhaltung und Energiegewinnung – der Betrieb «Grand Champ» ist breit aufgestellt. Mit seinen grosszügigen Flächen ist er ein geeigneter Ort für den Schweizer Bio-Ackerbautag am 8. Juni 2017 in Cournillens FR. Gastgeber Frédéric Zosso stellt seinen Hof vor.

Auf dem Betrieb von Frédéric Zosso in Cournillens findet der Bio-Ackerbautag 2017 statt.

Auf dem Betrieb von Frédéric Zosso in Cournillens findet der Bio-Ackerbautag 2017 statt.

Publiziert am

Aktualisiert am

Redaktor, Bioaktuell

Leiter, Hilcona Agrar AG

Schweizer Bio-Ackerbautag

Wenn es jemanden gibt, der sich sicher nicht auf seinen Lorbeeren ausruht, dann ist das Frédéric Zosso. Milchproduktion, Ackerbau, Biogasanlage, Solarzellen, Hofladen, Gemüsebau, Vorstandsmitglied der Kooperative Progana: All das tut seinem Innovationsgeist noch lange keinen Abbruch. Schon beschäftigt er sich mit einem neuen Projekt – dem Bau eines Stalls für Legehennen, um Geschäfte und Restaurants zu beliefern.

Neue Berufsmotivation

Frédéric Zosso ist Betriebsleiter eines Hofs mit knapp 90 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche und einer Verkäsungsbewilligung für 500 000 Kilo. Im Jahr 2016 hat er auf Biolandbau umgestellt. Er erklärt: «Es hat verschiedene Gründe, dass ich den Schritt zu Bio gemacht habe. Mit der konventionellen Landwirtschaft hatte ich den Eindruck, am Ende angekommen zu sein und die Motivation für meinen Beruf zu verlieren». Zusätzlich zu diesen Motivationsgründen bietet der Biolandbau Frédéric Zosso viel mehr Perspektiven. «Bio ermöglicht noch eine Menge Projekte im Bereich der Produkteverarbeitung, wie etwa Bier oder Backwaren aus alten Getreidesorten. In Zukunft möchte ich auch meine Milch besser verwerten und daraus Käse oder Joghurt herstellen», stellt er fest. Frédéric Zosso hat beim Stallbau im Jahr 2005 einen Melkroboter eingerichtet. Aktuell liefert er seine ganze Milchproduktion in den konventionellen Kanal, erzielt jedoch für die verkäste Milch einen guten Preis.

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An den Feldposten erhalten Besucherinnen und Besucher praxisnahe  Informationen. 

Vielfalt an Kulturen

Bisher hat die Umstellung auf Bio keine grossen Probleme gebracht. Bis auf zwei Parzellen mit Blacken und einen Acker mit Klettenlabkraut ist alles unter Kontrolle. Das Klettenlabkraut musste von Hand beseitigt werden. «Während dieser Arbeit konnten mein Vater, mein Geschäftspartner und ich eine Woche lang über verschiedene Themen miteinander fachsimpeln und uns besser kennenlernen», meint Frédéric Zosso schmunzelnd.

Im Ackerbau setzt der Landwirt auf leistungsstarke Maschinen. Über 45 ha offene Ackerfläche sind nichts für Amateure. Im ersten Umstellungsjahr machte er seine Erfahrungen mit Mischkulturen (Erbsen-Gerste) und Raps mit Untersaat. Da er vor der Umstellung Rüben angebaut hatte, wird ihm die in diesem Jahr in Aussicht stehende Neueröffnung des Bio-Zuckerrübenmarktes neue Perspektiven bieten. 2016 hat er auch mit dem Gemüsebau begonnen und möchte damit vor allem seinen neu eingerichteten Hofladen versorgen.

Der Entscheid, dem Schweizer Bio-Ackerbautag als Gastgeber zur Verfügung zu stehen, war eher dem Zufall zu verdanken. Als der Vorschlag kam, hatte Frédéric Zosso zunächst einige Bedenken, obwohl er in der Organisation von «Tagen der offenen Türen» oder anderen Events viel Erfahrung hat. «Ich bin jetzt im zweiten Umstellungsjahr und möchte nicht, dass man mich für einen hält, der anderen zeigen will, wie es läuft», erklärt er. Schliesslich hat er doch eingewilligt, denn sein Betrieb ist genügend gross, gut gelegen und für eine solche Veranstaltung bestens geeignet. 

Bio-Ackerbautag 2017

Wann: Donnerstag, 8. Juni 2017  Wo: Betrieb «Grand Champ» in 1721 Cournillens FR, Eintritt frei

Für die Fachmesse des Bioackerbaus haben die Organisatoren ein reichhaltiges Programm zusammengestellt. Neben Maschinenvorführungen sind an verschiedenen Posten die unterschiedlichsten Themen vorgesehen.

Tagesprogramm

08.30 Uhr Eröffnung Ausstellerbereich und Festwirtschaft  09.00 Uhr Begrüssung und Gastreferat  09.30 Uhr Präsentation Feldposten  10.30 Uhr Maschinendemonstration  ab 11.30 Uhr Apero und Mittagessen  13.30 Uhr Präsentation Feldposten  15.30 Uhr Maschinendemonstration  17.00 Uhr Ende der Veranstaltung

Feldposten

Getreide: Sortenversuche Weizen, alternative Kulturen zu Weizen  Ölsaaten: Nährstoffversorgung, Untersaaten, Schädlingsbekämpfung  Kartoffeln: Pflanztechnik, Unkraut- und Krankheitsbekämpfung  Mischkulturen: Verschiedene Mischungspartner  Futterbau: Bio-Mischungen, Düngung  Frühlingskulturen: Anbautechnik und Markt; Karotten, Rüben, Linsen, Hirse, Quinoa Unkrautbekämpfung: Maschinendemonstration, Jätroboter  Bodenfruchtbarkeit: Struktur, organische Substanz, biologische Aktivität  Energie/Hofdünger: Energieproduktion auf dem Hof, Verwendung von Hofdüngern  Biodiversität: Massnahmen und deren Nutzen

Ungebremste Nachfrage nach Bio

2017 wird ein Rekordjahr für die Umstellung auf Biolandbau. Insbesondere sind unter den Umstellenden auch viele Betriebe mit einem grossen Anteil Ackerbau. Kann der Markt die angebauten Ackerfrüchte aufnehmen?

Die Nachfrage nach Schweizer Bio-Ackerprodukten steigt seit über zehn Jahren. Um dieses Wachstum und damit den Bedarf an Schweizer Bio-Rohwaren decken zu können, werden auch in Zukunft zusätzliche Bio-Ackerflächen benötigt. Beim Brotgetreide zum Beispiel liegt der Inlandanteil bei rund 35%. Weizen, Dinkel und Roggen bleiben gesucht.

Getreide und Ölsaaten

Auch die Märkte für tierische Bioprodukte wachsen nach wie vor. Im Vergleich zum Milchmarkt ist der Markt für Fleisch stark gestiegen. Der am weitesten entwickelte Bioeiermarkt zeigt weiterhin auch Wachstum. Der Bedarf an Mischfutter steigt entsprechend den gestiegenen Tierbeständen. Bereits im ersten Umstellungsjahr kann Futtergetreide zum Knospe-Richtpreis vermarktet werden. Bei Gerste und Hafer ist der inländische Bedarf gedeckt. In guten Erntejahren und bei einer zu starken Zunahme der Bio-Ackerfläche könnte es bei diesen Kulturen zu Überschüssen kommen, was einen Preisdruck auslösen könnte. Bei Biogerste und -hafer ist also Zurückhaltung geboten. Bei Futterweizen und Körnermais hingegen liegt der Inlandanteil unter 20%, damit sind diese Kulturen sehr gesucht.

Mit der letztjährigen Ernte konnte der Bedarf an inländischen Bio-Ölsaaten zum ersten Mal gedeckt werden. Trotz wachsender Märkte ist zurzeit das Interesse der Produzenten am Anbau von Ölsaaten grösser als die Absatzmöglichkeiten. Vor dem Anbau müssen zwingend Abnahmeverträge abgeschlossen werden.

Raus aus der Nische

Die Schweizer Zucker AG sucht eine Menge von 12 000 Tonnen Knospe-Zuckerrüben. Das entspricht einer Fläche von rund 200 Hektaren. Momentan liegen die Knospe-Zuckerrübenflächen noch unter 20 Hektaren. Mit einer Prämie von 30 Franken pro Tonne auf dem Basispreis unterstützt die Schweizer Zucker AG seit diesem Jahr den Bioanbau.

Neben Zuckerrüben erfahren auch andere Ackerkulturen eine Nachfragesteigerung und wachsen so aus ihrer Nische heraus. Zu diesen Kulturen zählen zum Beispiel Speisehafer, Hirse oder Ölkürbisse. 

AutorenChristian Hirschi, Redaktor «bioaktuell», 5070 Frick Andreas Messerli, Produktmanager Ackerkulturen BioSuisse, 4052 Basel

weitere Informationenbioackerbautag.ch

Dieser Artikel erschien im Februar in der Zeitschrift «bioaktuell»

Betriebsporträt

Talzone, 580 m über Meer

LN: 86 ha

Tiere: 70 Kühe (Holstein und Red Holstein), Kälberaufzucht, davon einige zur Weitermast; 2-3 Schweine; 25 Hühner; Bienen

Acker- und Gemüsebau: Weizen 20 ha; Körnermais 8 ha; Saatkartoffeln 4.5 ha; Futterbau 9 ha (Erbsen-Gerste, Ackerbohnen, Triticale). Gemüsebau als Zwischenkultur ca. 9 ha (Brokkoli, Fenchel, Chinakohl, Salat)

Futterbau: ca. 45 ha Grasland und Kunstwiese

Energie: Biogasanlage mit 120 kW; 2000 m 2 Sonnenkollektoren, thermische Sonnenkollektoren für Trocknungs anlage.

Weitere Aktivitäten: Hofladen, Vorstandsmitglied Kooperative Progana.

Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Vater des Betriebsleiters, Geschäftspartner, Lernender

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