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Nutztiere

Proteinträger selber produzieren

Die Änderungen der Bio Suisse Richtlinien fordern die meisten Milchviehhalter und die Mischfutterindustrie enorm. Die inländische Eiweiss-Produktion muss stark erhöht werden. 2022 ist bald und die Betroffenen müssen sich bereits heute damit auseinandersetzen.

Zugekauftes Futter

Zugekauftes Futter muss ab 2022 ausschliesslich von Schweizer Herkunft sein. 

(Bild: UFA-Revue)

Publiziert am

Aktualisiert am

Leiter Ressort Bio-Rohprodukte, fenaco GOF

Ehem. Mitarbeiter, UFA AG

Die Bio Suisse Richtlinien für die Wiederkäuerfütterung tolerieren ab 2022 nur noch maximal fünf Prozent Kraftfutter wie Getreide- und Eiweisskomponenten in der Ration. Das zugeführte Futter soll zudem 100 Prozent aus Schweizer Knospe-Produktion stammen. Die Anpassungen erfolgen schrittweise mit einer Zwischenstufe ab 2020 (siehe Kasten). Grund für die Richtlinien-Änderungen ist, dass die Fütterung der Nutztiere die menschliche Ernährung nicht konkurrenzieren soll. Zudem ist es das Ziel, dass die Grundfutterproduktion der einzelnen Betriebe gestärkt wird.

Inlandversorgung von Energie und Eiweiss

Futtergetreide und Körnerleguminosen (Erbsen, Ackerbohnen) machen rund die Hälfte der Bio-Mischfutterkomponenten aus. Davon wurden 2018 rund 13 000 t importiert, was etwa 30 Prozent des Bedarfs der Bio-Mischfutterhersteller entspricht. Über ein Drittel, ungefähr 4500 t, gelangt in die Fütterung von Bio-Wiederkäuern. Die zweite Hälfte im Bio-Mischfutter besteht aus Proteinträgern wie Sojakuchen, Rapskuchen, Sonnenblumenkuchen, sowie Mühlennebenprodukten und weiteren Komponenten. Soja ist der wichtigste Proteinträger und wird im Gegensatz zum Getreide fast komplett importiert. Jährlich werden für die gesamte Bio-Mischfutterherstellung insgesamt mindestens 15 000 t Sojakuchen und Sojabohnen importiert. Etwa 6000 t, also ein beträchtlicher Anteil davon, gehen in die Herstellung von Bio-Wiederkäuerfutter. Im Vergleich wurden in der Schweiz in der Ernte 2018 nur 120 t Futtersoja geerntet.

Kraftfuttereinsatz im Bio-Betrieb

In einer aktuellen Studie untersuchte Agroscope den Kraftfuttereinsatz in Schweizer Bio-Milchviehbetrieben. 45 Prozent der Verkehrsmilchproduzenten füttern weniger als fünf Prozent Kraftfutter. Die Hügel- und Bergbetriebe setzen mehr Kraftfutter ein als Talbetriebe. Mit der Grösse des Milchkuhbestandes sowie mit steigender Milchleistung stieg der Kraftfutteranteil an. Die Studie ergab, dass mit der Reduktion des Kraftfutteranteils von zehn auf fünf Prozent, rund die Hälfte der Milchviehbetriebe die Fütterung anpassen müssen.

Luzerne-Import

Es wird angenommen, dass viele Bio-Betriebe Raufutter zukaufen. Ist der Kraftfutteranteil in der Ration tief, werden der Grundfutterration möglicherweise importierte Raufutter mit höherem Eiweissgehalt, in Form von Luzerneheu, -pellets oder Kleegraspellets, zugeführt. Dies, um ein möglichst ausgeglichenes Energie-Eiweissverhältnis in der Fütterung zu erreichen.

Konsequenzen Grundfutter

Die Richtlinien-Änderungen 2020 mit mindestens 90 Prozent der Futterration aus der Schweiz werden noch keine starken Veränderungen bewirken. Einzig Betriebe, welche zurzeit grosse Mengen importierte Knospe-Raufutter einsetzen, müssen die Betroffenheit abklären. Wenn aber ab 2022 die gesamten Futterkomponenten aus der Schweiz stammen müssen, gibt es für all jene Betriebe, welche heute Raufutterprodukte importieren, starke Veränderungen. Diese Betriebe müssen entweder ihre Futterkomponenten anpassen oder die Produkte aus dem Inland beziehen. Wenn diese Produkte nicht in genügender Menge und bezahlbar erhältlich sind, muss der eigene Futterbau, zulasten der Ackerfläche, darauf ausgerichtet werden. Ist dies nicht möglich, muss gar der Tierbestand reduziert werden.

Konsequenzen Kraftfutter

Ab 2022 werden gemäss Studie der Agroscope rund 50 Prozent der Bio-Milchviehbetriebe ihren Kraftfuttereinsatz reduzieren müssen. Dies erhöht die Nachfrage nach konzentrierteren Kraftfuttermitteln und die Kraftfutterpreise werden aufgrund der knappen Rohstoffverfügbarkeit steigen. Zudem wird der Bedarf an Schweizer Bio-Futtersoja, Leguminosen und Ölsaaten stark steigen. Damit vermehrt Bio-Soja in die Fruchtfolgen der Bio-Ackerbaubetriebe eingegliedert wird, wurde der Richtpreis für die Ernte 2019 um fünf Franken auf 105 Fr./dt erhöht. Zudem wird der einheimische Anbau von Futtersoja von Bio Suisse mit 35 Fr./dt gefördert, was eine Steigerung von 15 Fr. gegenüber der Ernte 2018 ist. Dieser Preis (140.–/dt) gilt auch für Umstellbetriebe, weshalb der Soja-Anbau auch für diese eine sehr interessante Lösung ist.

Tiefere Leistungen
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Die Produktionsfläche von Schweizer Bio-Soja muss um ein Vielfaches gesteigert werden.

(Bild: fenaco GOF)

Die Richtlinien-Änderungen bringen grosse Veränderungen für jeden einzelnen Milchviehbetrieb und natürlich auch für Schaf- und Ziegenhalter. Sie führen zum Umdenken und die Produzenten müssen die Leistungen auf ein standortgerechtes Niveau anpassen. Die Kraftfutterreduktion führt dazu, dass die schwankenden Futtergehalte weniger gut ausgeglichen werden können, weshalb die Flexibilität der Tiere wichtiger wird. Zweinutzungsrassen sind flexibler und besser geeignet als leistungsbetonte Milchviehrassen. Die Grundfutterqualität zu optimieren ist auch relevant, um starke Schwankungen zu verhindern. 

Futtersojaproduzenten gesucht!

Die schrittweise Steigerung des inländischen Bio-Futtersojaanbaus hat bereits begonnen. Die fenaco Genossenschaft möchte die Betriebsleiterinnen und Betriebsleiter ermuntern, Futtersoja anzubauen. Der aktuelle Richtpreis bringt einen guten Deckungsbeitrag und Soja funktioniert als Hackfrucht an allen Körnermaisstandorten. Auch Umstel-lungs-Futtersoja ist sehr willkommen und erhält für die Ernte 2020 den gleichen Auszahlungspreis. Landwirte werden gebeten, andere Berufskollegen ebenfalls zu animieren, in den Futtersojaanbau einzusteigen. Die Konditionen der Übernahme werden am besten direkt mit der Getreidesammelstelle abgesprochen. Eine aktuelle Liste aller Getreidesammel stellen des Maxi-Netzwerks ist unter https://www.fenaco-gof.ch/de/service/downloads zu finden.

Das FiBL stellt unter www.bioaktuell.ch einen nützlichen Deckungsbeitragsrechner für Soja und eine Vielzahl an Anbauratschlägen, insbesondere zur Unkrautbekämpfung, zur Verfügung. Schon sehr bald sollen biovermehrte, ertragsstarke Futtersojasorten das jetzige Sortenspektrum ergänzen. UFA-Samen engagiert sich in der Auswahl und Beschaffung der Sorten und wird dazu in nächster Zeit noch breiter informieren.

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