Pflanzenbau

Mahlgetreide ist weiterhin gesucht

Bioweizen, ob für Brot oder Futter, bleibt für die Ernte 2018 gefragt. Ebenso gesucht ist Mais. Für die Futtergetreide Gerste, Triticale und Hafer besteht das Risiko einer inländischen Überversorgung. Neue Hoffnungstreifen am Markthorizont sind bei den Ölsaaten zu erkennen.

Die Aussichten stehen gut für die Ausdehnung der Vertragsproduktion von Bio-Raps. 

Publiziert am

Leiter Ressort Bio-Rohprodukte, fenaco GOF

Anbauempfehlungen Ernte 2018

Bezüglich Quantität war die Bio Weizenernte 2016 zwar mager, dafür hat sie aber bei der Qualität eine sehr hohe Latte gesetzt. Das ist erfreulich, zumal in der vergangenen Ernte auch erstmals das von der Branche beschlossene Proteinzahlungsschema zur Anwendung kam. Der durchschnittliche Proteingehalt des Mahlweizens lag bei fast 13.4% (Grundlage sind 220 Datensätze aus sechs Sammelstellen mit NIR-Messung). Das ist ein absoluter Spitzenwert im Vergleich zu den fünf Vorjahren, wo die Werte zwischen 11.6% und 13.1% lagen.

Bei den Ölsaaten waren die Erträge durchs Band gut, beim Raps und bei den Sojabohnen sogar überdurchschnittlich hoch.

Vielerorts war man im Lauf des Sommers skeptisch, ob der Mais den langsamen und späten Start noch zu kompensieren vermag und war dann positiv überrascht, dass am Ende doch noch akzeptable Mengen zu dreschen waren. Die Marktversorgung mit inländischem Futtergetreide inklusive der Körnerleguminosen liegt gemäss Bio Suisse bei 39.6%. Mit einem eindrücklichen Umstellungsschub steigert sich die bewirtschaftete Fläche per 2017 auf rund 140 000 Hektar. Das entspricht einem Anteil von 13.4% an der gesamten Nutzfläche.

Raps oder Sonnenblume – Auch eine Option für Ihren Betrieb?

Sollten sich verschiedene, frittierende Lebensmittelverarbeiter für den Wechsel zum inländischen Rohstoff entscheiden, würde dies schon in der kommenden Saison viel zusätzliche Vertragsfläche benötigen. Im Fokus stehen die Kulturen HOLL-Raps (Rapstyp mit besonderem Fettsäuremuster für die warme Küche) sowie HO-Sonnenblumen (hoher Gehalt an Ölsäure). fenaco GOF bittet die Bio-Produzentinnen und -Produzenten sich die Überlegung zu machen, ob Interesse besteht, Raps oder Sonnenblume in die eigene Fruchtfolge einzubauen. Interessentinnen und Interessenten sollten sich aktiv bei ihrer nächstgelegenen, bereits Bio Ölsaaten übernehmenden Maxi-Sammelstelle melden, damit ab sofort eine Liste der interessierten Betriebe gesammelt werden kann. Auf diese Betriebe werden die Sammelstellen beim allfälligen Ausbau der Vertragsproduktion zugehen.

Vermarktung 2016/17

Die Getreidemengen, welche in der letzten Saison über den Maxi-Verbund vermarktet wurden, fielen mengenmässig deutlich schwächer aus als in den Vorjahren. Alleine beim Bio Mahlweizen lag die Erntemenge etwa 15 Prozent unter dem Vorjahr. Die Sammelstellen im Maxi-Verbund der fenaco GOF erhielten in der Endauszahlung durchschnittlich CHF 107.50/100 kg für den Bio Mahlweizen, CHF 97.00/100 kg für den Bio Mahlroggen und CHF 116.00/100 kg für den Bio Dinkel. Im mengenmässig limitierten Anbauprojekt Mahlweizen «Umstellungsknospe» hat eine Prämie von CHF 6.00/100 kg über dem Futterweizenrichtpreis resultiert.

Die Auszahlungspreise für das Futtergetreide entsprechen den geltenden Bio Suisse Richtpreisen. Bemerkenswert war unter anderem eine deutliche Mengenzunahme beim Umstellungs-Futterweizen, der von den Mischfutterherstellern gerne eingesetzt wird.

Durch den Wegfall eines wichtigen Absatzkanals der Biofarm Genossenschaft ist letzten Sommer ein grosses Überangebot auf dem Bio Rapsmarkt entstanden. Dank dem starken Bekenntnis von Coop für den Inlandanbau und der Intervention seitens fenaco GOF konnte dieses Überangebot reduziert werden. Resultiert hat ein Auszahlungspreis an die Sammelstellen von CHF 205.00/100 kg für Knospe Raps und CHF 145.00/100 kg für Umstellungsraps.

Empfehlung Mahlgetreide

Der inländische Bedarf liegt bei den drei Mahlgetreidearten Weizen, Dinkel und Roggen weit über dem verfügbaren Angebot.

Bei Mahlweizen «Umstellungsknospe» besteht Anbauvertragspflicht. Das heisst, nur für Mengen, die im Rahmen eines Anbauvertrags mit einer Maxi-Sammelstelle produziert werden, besteht ein Anspruch auf eine Prämie über dem Futterweizenpreis.

Die Wahl der passenden Sorte mit hohem Qualitätspotential bleibt wichtig. Als Messlatte gilt weiterhin die Sorte «Wiwa». «Pizza» ist im Vergleich etwas ertragreicher, liefert aber unter extensiven Bedingungen eine schwache Backqualität. Aus der Züchtung von Agroscope/DSP ist die kurzstrohige Sorte «Lorenzo» zu empfehlen. Sie hat gute Resistenzeigenschaften, eine hohe Backqualität, zeigt sich standfest und eignet sich für Standorte mit guter Stickstoffversorgung. Die begrannte Sorte «Molinera» ist für frühe Weizenlagen geeignet und hat eine hervorragende Backqualität. Als Sommerweizen angebaut, hat sich die Sorte «Fiorina» bewährt.

Empfehlung Futtergetreide

In den nächsten Jahren ist beim Futtergetreide aus Umstellungsbetrieben mit weiteren Mengenzunahmen zu rechnen. Der Anbau von Futtergetreide und Körnerleguminosen ist für die Umstellungsbetriebe interessant, weil schon für Umstellungsware der volle Knospe Richtpreis in Aussicht gestellt wird. Gerste, Triticale und Futterhafer dürften als erste Kulturen den inländischen Bedarf übersteigen. Für den Futterweizenanbau stehen die Sorten «Ludwig», «Ataro» und «Bockris» zur Auswahl, wobei «Bockris» aufgrund der starken Gelbrostanfälligkeit nicht mehr stark vermehrt wird. Nebst Futterweizen ist auch Mais sehr gesucht.

Vom Anbau von Futterhafer, besonders in Mischkultur, ist aus Sicht der Vermarktung abzuraten, obwohl die Kultur eine wertvolle Stellung in der Fruchtfolge einnehmen kann. Die Körnerleguminosen Eiweisserbsen, Ackerbohnen und Süsslupinen werden bisher gut vom Markt aufgenommen und erhalten zusätzliche Beiträge aus dem Förderpool des Verbandes.

Empfehlung Ölsaaten und Soja

Ab der Ernte 2017 bestehen keine Möglichkeiten mehr für Umstellungsbetriebe, Ölsaaten in den Biokanal zu liefern, weder bei Sonnenblumen, noch bei Raps oder Sojabohnen. Ausnahmen bestehen im Futterbereich und sind mit dem Vermarkter zu diskutieren. Für alle Ölsaaten gilt eine strenge Anbauvertragspflicht mit den Sammelstellen. Nur ausgewählte Sammelstellen im Maxi-Verbund erhalten eine Zuteilungsmenge und vergeben Anbauverträge.

Eine Ausdehnung der Vertragsflächen für die Tofu-Sojaproduktion ist vom Absatz her nicht möglich. Der Schwerpunkt liegt vorerst in der Verbesserung der Anbau- und Erntetechnik. Wertvolle Erkenntnisse liefert ein mehrjähriges FiBL Projekt (www.bioaktuell.ch Pflanzenbau Ackerbau Körnerleguminosen). Die Wahl einer proteinreichen Speisesorte mit farblosem Nabel ist obligatorisch für einen Anbauvertrag, bisher bevorzugt waren die Sorten «Protéix» und «Aveline».

Der Absatzmarkt der klassischen Ölsaaten Raps und Sonnenblumen beschränkte sich bisher mehrheitlich auf das Konsumöl für den Verkauf im Detailhandel. Derzeit sind seitens fenaco Abklärungen im Gange, um einen inländischen Vertragsanbau auch für die Verarbeitungsindustrie zu etablieren (siehe Kasten).Die Aussichten für eine Ausdehnung der Raps- und Sonnenblumenflächen per Ernte 2018 stehen gut. 

AutorAndreas Rohner, fenaco GOF, 8401 Winterthur, Tel. 058 433 64 91. Ansprechpartner für die Westschweiz: Didier Kunkler, Tel. 058 433 64 01.

Weitere Informationen zum Anbau und zur Vermarktung der Kulturen unter www.fenaco-gof.ch Bio-Rohprodukte

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