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Pflanzenbau

Nulltoleranz für Problemunkräuter

Der Weg zu zertifiziertem Biosaatgut ist streng. Die grössten Gegner, die sich dabei in den Weg stellen, sind Unkräuter, zu tiefe Keimfähigkeit und samenbürtige Krankheiten. Denn schlussendlich kommt nur das Saatgut erfolgreich durch die Prüfung, welches die hohen Qualitätsstandards erfüllt.

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Die Verwendung von zertifiziertem Saatgut garantiert dem Landwirt hohe Qualität bezüglich Keimfähigkeit, Gesundheit und Fremdbesatz. Um dieses Gütesiegel zu erhalten, muss das Z-Saatgut durch strenge Kontrollen gehen. Wo die Herausforderungen in der Saatgutproduktion liegen und wie sich die biologische von der konventionellen Vermehrung unterscheidet, erklärt Biolandwirt und Saatgutproduzent David Werner im Gespräch mit der UFA-Revue.

UFA-Revue: Herr Werner, welche Pflanzenarten vermehren Sie auf IhremBiobetrieb?

David Werner: Die Getreidearten, die wir vermehren, sind Weizen und Dinkel. Bei den Futterpflanzen sind es englisches Raygras und Mattenklee sowie seit diesem Jahr Wiesenfuchsschwanz. Schweizweit ist dies überhaupt die erste Wiesenfuchsschwanzvermehrung in Bio-Qualität. Zudem vermehren wir noch Gräser und Blumen für artenreiche Wildblumenwiesen. Dazu gehören Flaumhafer, Skabiosen-Flockenblume und Tauben-Skabiose. 

Was ist für Sie die grösste Herausforderung bei der Saatgutproduktion?

Im Bioanbau ist die Unkrautkontrolle generell eine Herausforderung. Bei der Saatgutvermehrung gibt es zusätzliche Problemunkräuter, die man in den Griff bekommen muss. Für diese Unkräuter gilt für mich die Nulltoleranz in allen Kulturen auf meinem Betrieb. Ein Beispiel dafür sind Klebern. Diese können aufgrund ihrer Samengrösse bei der Saatgutreinigung nicht zu 100 Prozent vom Getreide abgeschieden werden. Daher beseitige ich Klebernpflanzen bereits auf dem Feld. Das gleiche gilt für Blacken. Diese sind in der Kleeund Grassamenproduktion ein Problem. Auch beim Ackerfuchsschwanz ist die Nulltoleranz gesetzt. Eine Parzelle, die ich vor einigen Jahren übernommen habe, hat enorm viel Ackerfuchsschwanz. Hier werde ich wahrscheinlich nie eine Grasvermehrung machen können. Der Zwischenfutterbau ist auch problematisch: Da bei einer Saat nicht immer alle Samen keimen, hatte ich bei einer englisch Raygrasvermehrung auch schon Durchwuchs von italienischem Raygras, dass mühsam von Hand entfernt werden musste. Ein selektiver Herbizideinsatz ist im Bio nicht möglich. Insgesamt hatte ich aber das Glück, von meinem Vater sehr saubere Felder übernehmen zu dürfen.

Welche weiteren Punkte gibt es bei der Vermehrung zubeachten?

Die Gestaltung einer regelmässigen Fruchtfolge ist sehr anspruchsvoll. Bei der Samenernte gibt es natürlicherweise viel Ausfallsamen. Daher kann ich auf einer Parzelle, wo ich zum Beispiel englisches Raygras anbaue, nie italienisches Raygras oder Wiesenfuchsschwanz vermehren. Dort, wo Ackerfuchsschwanz auftritt, kann ich zwar Rotklee vermehren, aber keine Gräser. Durch solche Faktoren habe ich keine geregelte Fruchtfolge. Bei der Ernte ist die Herausforderung, den richtigen Zeitpunkt zum Dreschen zu finden. Situativ muss entschieden werden, ob Schwaddrusch oder Standdrusch gemacht werden soll, um vor allem bei schlechtem Wetter die Ernteverluste zu minimieren. Nach der Ernte muss das Erntegut sofort getrocknet werden. Zudem muss das Saatgut bis Ende Jahr auf dem Betrieb gelagert werden, bis es dann durch die Reinigungsstelle bei UFA-Samen in Winterthur übernommen werden kann. Ein weiterer kritischer Punkt ist die Stickstoffverfügbarkeit. Vor allem bei Gräsern ist eine gute Versorgung wichtig. Im Vergleich zur Futtergewinnung hat es keinen Klee im Bestand, der Stickstoff fixiert, daher sind höhere Stickstoffgaben nötig. Diese können nicht wie im konventionellen Anbau mit Mineraldünger zugeführt werden, sondern der Bedarf muss mit Gülle oder Mist gedeckt werden.

Wie läuft eine Saatgutvermehrung ab?

Zunächst muss der Betrieb als Saatgutproduzent beim Bundesamt für Landwirtschaft zugelassen sein. Zur Vermehrung darf nur Basissaatgut ausgesät werden. Während der Vegetationsperiode werden die Parzellen von einem eidgenössisch anerkannten Feldbesichtigungsexperten einmal begutachtet und auf gewisse Kriterien hin, wie zum Beispiel Fremdbesatz mit anderen Sorten oder Problemunkräutern, kontrolliert. Nach der Ernte werden weitere Tests durchgeführt. Das Saatgut, das auf unserem Betrieb produziert wurde, geht an die Annahmestelle der Ostschweizer Saatgutproduzenten im Niderfeld, Winterthur. Dort wird es vor der Annahme bei UFA-Samen im internen Labor geprüft. Eine weitere Probe geht ins Saatgutlabor der Agroscope, wo schlussendlich die Zertifizierung erfolgt – vorausgesetzt, das Saatgut hat die sogenannten Gesundheitstests bestanden.

Was wird bei der Saatgutkontrolle im Labor getestet?

Das Saatgut muss die VESKOF-Normen erfüllen. Das sind die weltweit strengsten Normen hinsichtlich Reinheit, Keimfähigkeit und samenbürtigen Krankheiten. Letzteres wird mittels Gesundheitstests geprüft. Gewisse Unkrautsamen können bei der Reinigung schlecht abgetrennt werden und dürfen daher von Anfang an nicht im Saatgut vorhanden sein. Das Erhalten der hohen Keimfähigkeit kann insbesondere bei Rotklee problematisch sein, da man bei der Ernte Gefahr läuft, die empfindlichen Samen zu beschädigen, welche dann nicht mehr keimen. Bei Biogetreidesaatgut sind samenbürtige Krankheiten ein grosses Thema. Anders als bei konventionellem Saatgut können diese nicht mit einer Beizung eliminiert werden. Bei Weizen und Dinkel sind vor allem Schneeschimmel, Stink- und Zwergbrand ein Problem, bei Gerste vorwiegend Flugbrand. Für die Sporen dieser Pilzkrankheiten gilt ein Schwellenwert; wird dieser überschritten, wird das Saatgut nicht zertifiziert.

«Eine gute Feldhygiene ist unabdingbar für dieSaatgutproduktion.»

David Werner, Saatgutproduzent

Wie wird man Saatgutproduzent?

Man muss sich bei einer staatlich anerkannten Vermehrungsorganisation bewerben. Je nach Bedarf der einzelnen Kulturen besteht die Chance, dass man als Mitglied aufgenommen wird oder nicht.

Wie sieht es mit der Rentabilität aus?

Beim Getreide hängt es stark von der Ausbeute bei der Reinigung ab. In guten Jahren ist ein Mehrerlös gegenüber dem normalen Getreideproduzent von 200 bis 500 Franken pro Hektare möglich. Bei Klee und Gras schwanken die Erträge sehr stark, daher ist ein deutlich höherer Gewinn, aber genauso auch ein grosser Verlust möglich. Solche Kulturen sind jedes Jahr eine Herausforderung, die ich aber gerne annehme. Zudem ist zu sagen, dass durch eine Kleesamenvermehrung Stickstoff im Boden gebunden wird, Humusaufbau stattfindet und Regenwürmer gefördert werden. Das ist sozusagen eine Wellnesskur für den Boden, die sich nicht mit Franken beziffern lässt. 

Vermehrungsbetrieb von David Werner

Der Hof von David Werner liegt in Wäldi (TG) auf 580 m ü. M. und ist seit 2014 Bio zertifiziert. Auf 21 ha werden Acker- und Gemüsebau betrieben mit Weizen, Dinkel, Soja, Körnermais, Kartoffeln, Karotten, Konservenerbsen und Maschinenbohnen. Hinzu kommt die Pouletmast von 2500 Tieren, die in mobilen Ställen untergebracht sind.

Der Betrieb ist anerkannter Saatgutproduzent. David Werner vermehrt Mattenklee, englisches Raygras und Getreide sowie Saatgut für Öko-Blumenwiesen. Neu kommt dieses Jahr Wiesenfuchsschwanz (Sorte Alopex) hinzu, den er für UFA-Samen produziert. Damit ist David Werner der erste Saatgutproduzent für diese Kultur in Bio-Qualität. Werner gehört der Vermehrungsorganisation der Ostschweizer Saatgutproduzenten (OSP) an, deren Saatgut grösstenteils von UFA-Samen übernommen und an die Landwirte verkauft wird. Werner liefert sein Saatgut im fenaco Sämereienzentrum Niderfeld ab. Dort wird es auch gereinigt und abgefüllt, nachdem es im internen Labor getestet und von der Zertifizierungsstelle der Agroscope anerkannt worden ist.

Organisation der Saatgutvermehrung in der Schweiz

Die Produktion von Saatgut ist vertraglich geregelt. Wer zertifiziertes Saatgut produziert, muss Mitglied einer Vermehrungsorganisation sein. In der Schweiz gibt es zehn grössere und kleinere Vermehrungsorganisationen, die regional tätig sind. Hinzu kommt die Delley Samen und Pflanzen AG (DSP), die das Basissaatgut bereitstellt. Sieben der Vermehrungsorganisationen produzieren biologisches Saatgut, wobei eine Organisation (Sativa) ausschliesslich biologisch vermehrt. Alle Organisationen sind im Schweizer Saatgutproduzentenverband swisssem zusammengeschlossen. Schweizweit produzieren 1450 Landwirte auf insgesamt rund 9000 ha zertifiziertes Saat- und Pflanzgut. Der Bioanteil bei Saatgut (ohne Pflanzgut) liegt bei rund zehn Prozent der Produktionsfläche.

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