Pflanzenbau

Sojaland Schweiz?

Obwohl nur ein kleiner Teil des Sojabedarfs aus heimischer Produktion stammt, hat sich die Kultur in der Fruchtfolge vieler Betriebe etabliert. Sorten aus der Züchtung von Agroscope sind die Grundlage im Anbau. Biologisch produzierte Soja findet ihre Verwendung im Lebensmittelsegment.

Publiziert am

Leiter Ressort Bio-Rohprodukte, fenaco GOF

Die vielseitige Bohne

Soja stammt ursprünglich aus Nordchina und hat unterdessen ihre Hauptanbaugebiete in den drei Ländern USA, Brasilien und Argentinien, welche zusammen für 80 Prozent der weltweiten Produktion sorgen. Diese beträgt unterdessen gemäss Zahlen der FAO über 300 Millionen Tonnen. Die Leguminose wird auf rund sechs Prozent der globalen Ackerfläche angebaut und ist eine der effizientesten Nutzpflanzen weltweit, weil sie selbst bei extensiver Produktion hohe Eiweisserträge liefert. Wegen der guten Eiweissqualität ist Soja vielseitig einsetzbar. Daneben liefert die Bohne ein hochwertiges Speiseöl, das jedoch in der westlichen Küche wenig geschätzt wird. Für die Nutztierfütterung wird etwa drei Viertel der weltweit produzierten Soja verwendet, vor allem für Geflügel und Schweine.

Handel global und national

Die grössten Produzentenländer sind auch die wichtigsten Exporteure von Soja. Importiert wird Soja vor allem von China und von der EU, insgesamt zwei Drittel der weltweiten Handelsmenge. Gemäss FAO wird die weltweite Produktions- und Handelsmenge in den nächsten Jahren stark zunehmen.

Im Schweizer Ackerbau spielt Soja erst seit Ende der 1980er Jahre eine Rolle. Im Jahr 2015 wurden auf einer Fläche von rund 1700 Hektaren etwa 4400 Tonnen Sojabohnen nach den Vorgaben des ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) produziert. Alljährlich verhandelt der schweizerische Getreideproduzentenverband (SGPV) mit dem Verband der Ölwerke swissOlio eine Rahmenmenge für die Folgekampagne. Für die Ernte 2017 beträgt diese Rahmenmenge insgesamt 5000 Tonnen, wovon 1500 Tonnen für die Speiseöl- und 3500 Tonnen für die Futtermittelherstellung vorgesehen sind.

Schweizweit gedeihten im Jahre 2016 auf einer Fläche von rund 200 ha – alles im Rahmen von Anbauverträgen geregelt - biologisch produzierte Sojabohnen, die ausschliesslich der Herstellung von Tofu und anderen Lebensmitteln dienen. Die für den Bioanbau verwendeten Sorten verfügen über grosse, farblose Samen, einen hohen Eiweissgehalt und guten Geschmack.

Erfolgreiche Züchtung

Seit 1981 bemüht sich die Eidgenössische Forschungsanstalt Agroscope um die Züchtung von GVO-freien, klimatisch angepassten Sojasorten. Zahlreiche frühreife Sorten, die ertragreich sind und während der Blütezeit kühlere Temperaturen tolerieren, stehen den Landwirten im In- und Ausland zur Verfügung. Die Mehrheit der Sorten auf der empfohlenen Sortenliste der Swiss granum stammt aus dem erfolgreichen Züchtungsprogramm von Agroscope, welches auch weiterhin Bestand haben soll.

Flexitarismus?

Schätzungsweise rund die Hälfte der Bevölkerung achtet heutzutage darauf, weniger Fleisch und andere tierische Produkte zu essen. Dieser so genannte Trend des Flexitarismus führt zu einer stetigen Angebotsverbreiterung verarbeiteter Lebensmittel aus Soja. Für die asiatische Bevölkerung stellt Soja seit jeher ein Grundnahrungsmittel dar, welches in vielen verschiedenen Formen konsumiert wird. In Europa verbreitet sind hauptsächlich Sojamilch und Tofu, sowie Sojamehl und extrudierte Produkte aus den geschälten Bohnen. Zur Herstellung von Tofu wird die Sojamilch mit Gips oder Nigari (Magnesiumchlorid) geronnen. Dank seines hohen Gehalts an Eiweiss und mehrfach ungesättigten Fettsäuren gilt Tofu nicht nur bei Vegetariern als gesunder Fleischersatz. 

AutorAndreas Rohner, Leiter Ressort Bio-Rohprodukte bei fenaco GOF, 8401 Winterthur Tel. 058 433 64 91. Weitere Informationen zum Thema z. B. unter www.sojanetz.ch, www.bioaktuell.ch, www.agroscope.ch oder www.fibl.org.

Reinigung der Biosoja

Der Anspruch der Tofuhersteller an die Qualität, Homogenität und den Reinigungsgrad der Sojabohnen ist deutlich höher als die Übernahmebedingungen gemäss swiss granum. Die Biosoja aus verschiedenen Sammelstellen wird nochmals nachgereinigt. Dabei müssen prioritär der Steinbesatz sowie Fremdsaaten und verfärbte Bohnen komplett entfernt werden. Dies geschieht einerseits über klassische Siebreinigung sowie über Farbsortierung. Das Saatgutzentrum Lyssach testet derzeit ein optimiertes Verfahren.


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