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Betriebsführung

Klare Richtlinien für regionale Produkte

Nadine Degen ist seit zweieinhalb Jahren Geschäftsführerin des Vereins «Das Beste der Region». Im Interview erklärt sie, wie die Landwirtinnen und Landwirte vom Verein profitieren und was genau ein zertifiziertes Regionalprodukt ausmacht.

Nadine Degen

Nadine Degen mit Regionalprodukten in ihrem Büro inOstermundigen (BE).

(Bild: Gabriela Küng)

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Aktualisiert am

Gutes Essen hat für Nadine Degen nicht nur als Konsumentin einen hohen Stellenwert. Auch im Beruf stehen Nahrungsmittel an oberster Stelle: Als Geschäftsführerin der Absatzförderungsorganisation «Das Beste der Region» setzt sie sich für die Vermarktung und Zertifizierung von Regionalprodukten ein.

UFA-Revue: Wieso braucht es zertifizierte Regionalprodukte?

Nadine Degen: Schon bevor ich bei «Das Beste der Region» angefangen hatte, zeigten Studien, dass der Absatz von regionalen Produkte schneller stieg, als jener von Bio-Produkten. Das faszinierte mich und zeigte, dass die Nachfrage vorhanden ist. Mit dem Gütesiegel «Das Beste der Region» bürgen wir für echte Regionalprodukte.

Wurde deswegen der Verein «Das Beste der Region» gegründet?

Degen: Dafür gibt es mehrere Gründe. Vor elf Jahren schlossen sich einige Regionalmarken aus dem Kanton Bern zum Verein «Das Beste der Region» zusammen, wie beispielsweise «Ämmitaler Ruschtig» oder «TouLaRe Seeland». Man wollte damals wie heute Synergien nutzen und gemeinsam stärker auftreten. Die Interessen der Regionalmarken, sowie die Produkte und Produzenten können besser vertreten werden. Ebenso unterstützt das Bundesamt für Landwirtschaft mit Absatzförderungsgeldern Regionalmarken über überregionale Organisationen. 

Für welche Regionen ist «Das Beste der Region» zuständig?

Degen: Heute vertreten wir insgesamt 19 Regionalmarken. «Das Beste der Region» ist vom Mittelland, Berner Oberland, Basel über die Zentralschweiz bis hin zum Kanton Zürich tätig. Schweizweit gibt es vier überregionale Organisationen. Künftig werden wir gemeinsam unter der Marke «regio.garantie» auftreten

Mit welchen Aktivitäten stärken Sie die 19 Regionalmarken?

Degen: Im Verlauf dieses Jahres planen wir eine Onlineplattform, um Synergien zwischen Agrotourismus, Produzenten und Produzentenorganisationen zu schaffen. Es sollen alle Fäden zusammenlaufen und ein gemeinsames Angebot geben. Durch uns haben auch kleine Produzenten die Möglichkeiten, an Publikumsmessen preiswert teilzunehmen. Zum Beispiel sind wir an der Bea oder der Luga mit über 30 Produzenten vor Ort. Wir beraten Produzenten bei der korrekten Anwendung der Richtlinien für Regionalmarken. 

Sie arbeiten also auch direkt mit den Produzenten zusammen?

Degen: Ja, teilweise. Wir bieten aber auch den Regionalmarken Unterstützung in der Vermarktung und Kommunikation, wie beispielsweise beim Aufbau ihrer Webseiten. Hier arbeiten wir mit den Regionalmarkenvertretern zusammen. Ziel des Vereins ist die Vermarktung der Regionalprodukte. Durch die Promotionsplattformen versuchen wir, die Regionalprodukte bekannter zu machen und deren Nachfrage zu erhöhen. Durch unsere Richtlinien ist auch gleich das zweite Ziel – die regionale Wertschöpfung – mit dabei. 

Wie geht ein Produzent vor, wenn er sein Produkt als Regionalprodukt verkaufen möchte?

Degen: Der Produzent muss sein Produkt zertifizieren lassen. Dafür muss er in der Region einer Regionalmarke sein. Das sind klar begrenzte Gebiete – ausserhalb davon kann diese Marke nicht genutzt werden. Wenn ein Produzent aber im Einzugsgebiet ist, kann er über die Regionalmarke oder über uns die nötigen Unterlagen bestellen. Dann unterzeichnet er eine Vereinbarung, in der sich der Produzent verpflichtet, die Richtlinien für Regionalmarken einzuhalten. «Das Beste der Region» prüft die Rezepturen der Produkte. Wir kontrollieren, ob die Rohstoffe aus der Region stammen und ob die Wertschöpfung in der Region stattfindet. Wenn alles in Ordnung ist, schicken wir die Unterlagen an die unabhängige Zertifizierungsstelle OIC, welche dann jedes einzelne Produkt zertifiziert. Wir prüfen also nicht den Produzenten, sondern das Produkt selber.

«Die Produzenten profitieren von günstigen Messe- und Promotionsauftritten»

Nadine Degen

Was sind die Anforderungen für die Zertifizierung als Regionalprodukt?

Degen: Die Rohstoffe müssen zu mindestens 80 Prozent aus der Region stammen. Der Produzent darf nur andere Schweizer Rohstoffe verwenden, wenn diese in der Region nicht erhältlich sind. Dafür benötigt er aber eine Bewilligung von uns. Weiter müssen zwei Drittel der Wertschöpfung in der Region anfallen. Wenn ein Verarbeitungsschritt nicht in der Region stattfinden kann – beispielsweise wenn das Mehl nicht in der Region gemahlen werden kann, da keine Mühle vorhanden ist – darf das ausserhalb geschehen. Aber auch hier muss der Produzent eine Genehmigung einholen und es darf nicht mehr als ein Drittel der Wertschöpfung aus der Region abfliessen. Das ist für uns immens wichtig, da wir die Produktions- und Verarbeitungsstrukturen in den Regionen erhalten und stärken wollen

Wann profitiert ein Landwirt von der Zertifzierung seinerProdukte?

Degen: Das kommt auf die Ausrichtung des Produzenten an. Wenn dieser beispielsweise in den Kanal «Aus der Region, für die Region» der Migros liefern möchte, ist eine Zertifizierung des Produkts durch eine unabhängige Zertifizierungsstelle unumgänglich. Ansonsten muss sich der Produzent nach der Nachfrage ausrichten.

Kann sich ein Produzent auch durch eine eigene Markeprofilieren?

Degen: Wenn eine starke, bereits bekannte Regionalmarke hinter dem Produzenten steht, ist dies ein grosser Nutzen für den Produzenten. Hier möchte ich als Beispiel «Echt Entlebuch » oder «natürli®» aus dem Zürcher Oberland nennen. Beide Marken haben sehr viel in die Vermarktung ihrer Produkte investiert und heute einen hohen Bekanntheitsgrad. Dies ist ein klarer Vorteil gegenüber einer eigenen Marke. Bei einer eigenen Marke muss dem Produzenten bewusst sein, dass er selber sehr aktiv werden muss, um die Marke bekannt zu machen. 

Welche Produkte werden am häufigsten zertifiziert?

Degen: Das ist stark von der Region abhängig, wobei in den meisten Regionen Käse das meistzertifizierte Produkt ist. Auch zertifizieren wir viele Produkte von Metzgern, wie Trockenwürste und andere Spezialitäten. Ebenfalls zertifizieren wir klassische Direktvermarktungsprodukte wie Konfitüre. Die Produktpalette ist aber riesig: Glace, Joghurt oder auch unverarbeitete Produkte wie Gemüse, Früchte und Milch. 

Wie erklären Sie, dass Käse das meist zertifizierte Produktist?

Degen: Die Schweiz ist ein Milchland, Milch ist ihre Stärke. Viele Regionen sind stark in der Milchproduktion und können damit Wertschöpfung in der Region schaffen.

Nationales Gütesiegel: «regio.garantie»

Der Verein Schweizer Regionalprodukte lancierte im Januar 2017 mit «regio.garantie» ein nationales Gütesiegel für zertifizierte Regionalprodukte. Die nationale Marke «regio.garantie» wird die Marken der vier überregionalen Absatz förderungsorganisation «alpinavera», «Culinarium», «Das Beste der Region» und «Pays romand – Pays gourmand», welche den Verein Schweizer Re gionalprodukte bilden, ablösen. Das neue Gütesiegel bringt Klarheit für die Konsumenten: Sämtliche Produkte werden schweizweit nach denselben Kriterien zertifiziert und erfüllen die gleichen Richtlinien. «regio.garantie»-Produkte bestehen zu mindestens 80 Prozent aus regionalen Zutaten. Mindestens zwei Drittel der Wertschöpfung werden in der jeweiligen Region erwirtschaftet. Ausnahmen von diesen Regelungen müssen national genehmigt werden. Eine unabhängige Zertifizierungsstelle prüft die Einhaltung der Richtlinien und damit die Berechtigung zur Nutzung des Güte siegels «regio.garantie».

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