category icon
Betriebsführung

Neue Wege denken und planen

Viele Ideen bleiben Skizzen, weil der nächste Schritt fehlt. Die Weiterbildung Agrotechniker HF vermittelt Methoden zur praxisnahen Projektprüfung. Janik Kathriner untersuchte in seiner Diplomarbeit eine Fütterungsstrategie gegen Milchfieber.

Der voll automatisierte Milchviehstall auf dem Gutsbetrieb Chamau (ZG) bietet Platz für 65 Milchkühe. Er dient als Ausbildungs- und Praxisstandort und e...

Der voll automatisierte Milchviehstall auf dem Gutsbetrieb Chamau (ZG) bietet Platz für 65 Milchkühe. Er dient als Ausbildungs- und Praxisstandort und ermöglicht Beobachtungen und Datenerhebungen im Rahmen von Diplomarbeiten zur Milchviehhaltung. 

(Bild: LBBZ)

Publiziert am

Redaktor UFA-Revue

Die Ausbildung zum Agrotechniker HF richtet sich an Berufsleute mit einem landwirtschaftlichen EFZ-Abschluss, die ihr Wissen erweitern und Verantwortung auf Betriebs- oder Projektebene übernehmen möchten. Der Lehrgang vermittelt ein breites Verständnis für Tierhaltung, Pflanzenbau und Agrartechnik, kombiniert mit Modulen zu Unternehmensführung, Kommunikation, Agrarrecht und technischen Prozessen.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf analytischen und methodischen Kompetenzen, die es ermöglichen, komplexe Fragestellungen strukturiert zu bearbeiten.

Vom Unterricht in die Praxis

Zur Ausbildung gehören ein längeres Praktikum sowie die Diplomarbeit, in der die Studierenden ein eigenes Projekt oder eine fachliche Fragestellung vertieft untersuchen. Am Ende steht der Diplomabschluss Agrotechniker / Agrotechnikerin HF – und damit die Fähigkeit, betriebliche Abläufe zu optimieren, technische Innovationen zu beurteilen oder eigene Lösungen zu entwickeln.

Milchfieber gezielt vorbeugen

Viele Studierende nutzen diese Diplomarbeit, um ein Thema aus ihrem Berufsalltag fachlich fundiert zu beleuchten. Janik Kathriner entschied sich dafür, die Wirkung saurer Salze in der Milchviehfütterung genauer zu untersuchen.

Milchfieber zählt zu den häufigsten Stoffwechselstörungen rund um die Abkalbung.

Hypokalzämie – umgangssprachlich Milchfieber – zählt zu den häufigsten Stoffwechselstörungen rund um die Abkalbung. Sie verursacht Leistungsabfälle, Gesundheitsprobleme und wirtschaftliche Einbussen. Saure Salze, die den DCAB-Wert (Kationen-Anionen-Bilanz) der Ration senken, gelten als mögliche Strategie, um den Calciumstoffwechsel der Kuh frühzeitig zu aktivieren. Janik Kathriner hat seine Weiterbildung am LBBZ Schluechthof (ZG) im Sommer 2025 abgeschlossen und arbeitet heute als Berater bei der UFA AG am Standort Sursee. 

Janik Kathriner, Agrotechniker und Rindviehspezialist bei der UFA AG

«Ich habe gelernt, Projekte systematisch anzugehen.»

 

Wirken saure Salze in der Praxis tatsächlich als Milchfieberprophylaxe?

In der Praxis haben sie sich als wirksam erwiesen. Allerdings ist ihr Einsatz nicht für jeden Betrieb gleichermassen geeignet. Die Anwendung erfordert ein angepasstes Management und eine präzise Vorgehensweise. Richtig eingesetzt stellen saure Salze eine wirksame Massnahme zur Vorbeugung von Milchfieber dar.

Welche Voraussetzungen braucht es, damit die Strategie funktioniert?

Neben der Grundlage von genügend Trockensubstanzverzehr ist die bedarfsgerechte Fütterung entscheidend. Damit gemeint sind die richtige Versorgung mit Energie, Protein, Vitaminen, Mengen- und Spurenelementen. Sehr wichtig ist die Trennung der Galtkühe in zwei Gruppen. Saure Salze dürfen nur in der Close-up-Phase zum Einsatz kommen, also in den letzten drei Wochen vor dem Abkalben. Viele Ställe erlauben diese Gruppierung nicht. Ein weiterer Punkt ist die Fütterungstechnik. Die sauren Salze müssen homogen in die Ration eingemischt werden. Saure Salze sind flüssig oder als Würfelfutter erhältlich.

Wie sind Sie auf dieses Thema gestossen?

Ich habe schon früh auf dem Milchviehbetrieb meines Onkels mitgearbeitet und wusste, dass ich meine Diplomarbeit im Milchviehbereich machen möchte. Stoffwechselkrankheiten sind beim Milchvieh immer wieder ein Thema. Mit der optimalen Versorgung während der Galtphase können viele Stoffwechselkrankheiten während der Laktation vermindert werden. Der Ausbildungsstall Chamau des Schluechthofs zeigte dann Interesse an einem Versuch. Das war der Grundstein für die ganze Arbeit.

Was kam mit dieser Themenwahl konkret auf Sie zu?

Die Diplomarbeit war klar strukturiert und bestand aus drei Teilen. Zuerst habe ich mich intensiv mit der Theorie beschäftigt, also mit dem Stoffwechsel der Kühe rund um die Abkalbung. Danach folgten Interviews auf Praxisbetrieben. Das war sehr spannend, weil ich direkt im Stall stehen, beobachten und nachfragen konnte. Der dritte Teil war der Fütterungsversuch, bei dem ich teilweise auf Erfahrungen früherer Versuche zurückgreifen konnte.

Wie war der zeitliche Ablauf der Diplomarbeit?

Das Thema wurde Ende Oktober festgelegt. Danach wurden Auftrag, Ziel und Fragestellungen definiert und mit dem Referenten besprochen. Anschliessend folgte die Detailplanung. Der Versuch lief von November bis April. Für die Auswertung der Daten und den Versuchsbericht blieb anschliessend rund ein Monat Zeit. Wichtig ist noch: Die Diplomarbeit läuft parallel zum Unterricht und zu den Prüfungen. Geschrieben habe ich vor allem abends, an Wochenenden und während der Zeiten für selbstständiges Arbeiten im Unterricht. Man hat Freiheiten, muss sich aber gut selbst organisieren.

Gab es Phasen, in denen es schwierig wurde?

Der theoretische Teil lief sehr gut. Herausfordernd war die Organisation der Interviews. Ende Dezember hatte ich noch keine Betriebe, und dann musste alles innerhalb kurzer Zeit geschehen. Das war sportlich und fiel teilweise in die Ferien. Da merkt man schnell, wie wichtig eine gute Planung ist.

Welche Inhalte aus der HF-Ausbildung haben Ihnen besonders geholfen?

Sehr wertvoll war für mich der Informatikunterricht, vor allem der sichere Umgang mit MS-Office. Auch dass wir vor der Diplomarbeit bereits mehrere schriftliche Arbeiten geschrieben hatten, half enorm. Aufbau, Methodik und formale Anforderungen wie korrektes Zitieren waren mir deshalb vertraut.

Was nehmen Sie persönlich aus der Diplomarbeit mit?

Das Wissen aus der Arbeit hilft mir heute direkt in meiner Tätigkeit als Rindviehspezialist bei der UFA AG. Für mich war die Diplomarbeit eine eigenständige Weiterbildung. Gleichzeitig habe ich eine Vorgehensweise gelernt, die ich auch auf andere Fragestellungen anwenden kann: Zuerst den Auftrag klären, dann das Ziel definieren und erst danach ins Detail gehen.

Wem würden Sie die Weiterbildung zum Agrotechniker HF empfehlen?

Allen, die sich vertieft mit Landwirtschaft auseinandersetzen und mehr Verantwortung übernehmen möchten. Auch ohne eigenen Betrieb eröffnen sich viele Möglichkeiten. Besonders geschätzt habe ich den Zusammenhalt in der Klasse. Wir waren alle auf einer ähnlichen Stufe, etwas älter und mit klaren Zielen. Das ist Erwachsenenbildung im besten Sinne.

Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung
Agrar-Quiz: Mechanische Unkrautbekämpfung

Testen Sie Ihr Wissen. Machen Sie mit am Agrar-Quiz der UFA-Revue. Die Fragen beziehen sich auf die Unkrautbekämpfung und Maschinen zur mechanischen Unkrautbekämpfung.

Zum Quiz

Meistgelesene Artikel