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Betriebsführung

Wissen schafft mehr Spielraum

Raphael Meier zeigt, wie sich ein kleiner Familienbetrieb mit einem starken zweiten Standbein zukunftsfähig aufstellen lässt. Die Weiterbildung zum Geflügelwirtschaftsmeister gibt ihm das Rüstzeug, Betrieb, Beruf und die Hofübernahme gezielt zu planen.

Geflügelwirtschaftsmeister Raphael Meier im Pouletstall auf dem elterlichen Betrieb, den er später übernehmen wird. Sein Wissen aus der hauptberuflichen...

Geflügelwirtschaftsmeister Raphael Meier im Pouletstall auf dem elterlichen Betrieb, den er später übernehmen wird. Sein Wissen aus der hauptberuflichen Tätigkeit als Leiter Technischer Dienst Elterntiere bei der Bell Schweiz AG fliesst bereits in die heimische Produktion ein.

(Bild: Renate Hodel)

Publiziert am

Redaktorin, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Wenn im Pouletstall die Tiere scharren und auf den Feldern der Weizen wächst, ist Raphael Meier in seinem Element. Der junge Geflügelwirtschaftsmeister ist auf einem Nebenerwerbsbetrieb mit Ackerbau und Geflügelhaltung aufgewachsen: «Das Federvieh hat es mir schon früh angetan», sagt er. Trotzdem entschied er sich zuerst für eine Lehre als Fachmann Betriebsunterhalt. Es folgten die RS und ein halbes Jahr auf einer Getreidefarm in Kanada.

Zweites Standbein ausserhalb des Betriebs

Für Raphael Meier war klar, dass er den elterlichen Betrieb später weiterführen möchte, auch wenn der Hof zu klein für den Vollerwerb ist. Ein zweites Standbein war deshalb Teil seiner Planung. Er entschied sich für eine Zweitausbildung als Geflügelfachmann bei der Bell Schweiz AG, die im Geflügelbereich die gesamte Tierproduktion bis zur Verarbeitung abdeckt.

Raphael Meier Geflügelwirtschaftsmeister 6252 Dagmersellen (LU)

«Wenn man weiss, wie man einen Betrieb verändern kann, getraut man sich auch.»

Leiter technischer Dienst Elterntiere, Bell | Meisterprüfung als Geflügelwirtschaftsmeister 2025 | Aviforum | Mitarbeit auf dem Nebenerwerbsbetrieb der Eltern | 8 ha LN | Geflügelmast Ackerbau

Nach seinem EFZ-Abschluss blieb Raphael Meier beim Lehrbetrieb. Mit der Zeit reifte bei ihm der Wunsch, sich in diesem Berufsfeld weiterzuentwickeln. «Irgendwann habe ich mir überlegt, mich fachlich zu vertiefen», erzählt er. Gleichzeitig signalisierte ihm der Arbeitgeber, dass eine Weiterbildung auch mit Blick auf eine anspruchsvollere Funktion sinnvoll wäre. Heute ist er Leiter technischer Dienst Elterntiere: Er plant die Produktion, sorgt dafür, dass genügend Bruteier vorhanden sind, und berät Betriebe, die Elterntiere halten.

Betriebswirtschaft als Augenöffner

Der Weg zum Meister führte über die Betriebsleiterschule am Aviforum im bernischen Zollikofen. Fachlich lernte Raphael Meier viel dazu.

«Einen Betrieb gesamthaft zu analysieren und gezielt zu optimieren, finde ich sehr spannend.»

Raphael Meier, Geflügelwirtschaftsmeister

Vor allem das betriebswirtschaftliche Denken öffnete ihm die Augen: «Einen Betrieb gesamthaft zu analysieren und gezielt zu optimieren, finde ich sehr spannend», sagt er.

In der Weiterbildung vertiefte Raphael Meier zentrale betriebswirtschaftliche Fragen – im Hinblick auf die künftige Hofübergabe ein grosser Gewinn. Gleichzeitig zahlt sich das Wissen auch im Berufsalltag bei Bell aus. «Betriebe in der ganzen Schweiz zu betreuen, ist für mich ein bisschen wie einen grossen Betrieb zu führen», sagt er.

Geflügelwirtschaftsmeister

Die Ausbildung zum Geflügelwirtschaftsmeister baut auf der Berufsprüfung Geflügelwirtschaft auf und vertieft vor allem betriebswirtschaftliche und strategische Kompetenzen. Im Zentrum stehen Themen wie ökonomische Planung und Finanzierung, Agrarrecht, Versicherungen sowie strategische Unternehmensführung. Die Ausbildung ist modular aufgebaut und schliesst mit einer schriftlichen Prüfung in Betriebswirtschaft, einem Businessplan sowie einem Fachgespräch ab. Sie wird am Aviforum in Zollikofen durchgeführt.

Besonders prägend in seiner Weiterbildung war der Businessplan, den alle in der Meisterausbildung erarbeiten müssen. «Das war sicher die grösste Herausforderung», erinnert er sich. «Es ist sehr zeitintensiv, bringt einem aber viel, wenn man den ganzen Betrieb einmal genau analysiert.»

Wissen, das im Alltag wirkt

Vieles aus der Weiterbildung wendet Raphael Meier heute direkt an. So lernte er in der Meisterschule die detaillierte Planung von Geflügelumtrieben. «Das setze ich heute genauso in den Betrieben um», sagt er.

Daneben vermittelt die Ausbildung Kompetenzen, die in keinem Lehrplan stehen, im Berufsleben aber entscheidend sind: den Umgang mit Menschen. Raphael Meier knüpfte dabei ein breites Netzwerk und lernte, Beratungen auf Augenhöhe zu führen. «Man muss fachlich wissen, wovon man redet, und gleichzeitig die Landwirtinnen und Landwirte abholen können», sagt er. Auch die strukturierte Problembewältigung kann er weit über den Pouletstall hinaus anwenden – etwa, wenn er sich in einem Verein engagiert und Projekte plant.

Betrieb, Beruf und Balance

Die Geflügelhaltung dürfte auf dem heimischen Betrieb auch künftig zentral bleiben. «Schon nur der Grösse wegen funktioniert dieser Betriebszweig gut», sagt Raphael Meier. Ob weiterhin Naturafarm oder umstellen auf Bio, muss er jedoch noch im Detail durchrechnen. Dabei hilft ihm die Weiterbildung: Sie ermöglicht ihm, Szenarien zu kalkulieren sowie Investitionen und deren Auswirkungen auf Einkommen und Arbeitsbelastung einzuschätzen.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Vereinbarkeit von Hof und Beruf. Weil der Betrieb zu klein ist, um davon zu leben, wird Raphael Meier auch künftig ein ausserlandwirtschaftliches Standbein benötigen. Dafür braucht es einen Job mit Flexibilität. Mit seiner heutigen Tätigkeit sieht er sich gut aufgestellt.

Mehr Mut zur Veränderung

Diese Beweglichkeit verdankt Raphael Meier nicht zuletzt der Weiterbildung, die ihm vor allem im betriebswirtschaftlichen Bereich Sicherheit gibt. «Ein EFZ ist eine gute Grundlage», sagt er. «Wenn man weiss, wie man einen Betrieb verändern kann, getraut man sich auch, diesen Schritt zu machen.»

Buchhaltungsanalysen helfen ihm, den eigenen Betrieb besser zu verstehen und die Arbeit des Buchhalters einzuordnen. Gleichzeitig betont er die vielfältigen Chancen in der Landwirtschaft – auch für Menschen ohne eigenen Hof. «In den vor- und nachgelagerten Bereichen gibt es viele Stellen, gut ausgebildete Leute sind gesucht», sagt er.

Bis etwa 2030 soll die Hofübernahme abgeschlossen sein. Bis dahin sammelt er weiter Erfahrung – im Stall, im Büro und im Austausch mit Betrieben in der ganzen Schweiz. 

Serie Berufsbildung

2026 stellt der LID in seiner Serie Personen vor, die sich nach ihrer landwirtschaftlichen Grundausbildung weiterqualifiziert haben oder über einen höheren Bildungsweg den Einstieg in die Landwirtschaft gefunden haben.

Unterstützung und Hilfsmittel zur Öffentlichkeitsarbeit auf:  www.lid.ch/baeuerinnen-und-bauern

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