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Betriebsführung

3 Fragen an Delphine Piccot

Eine ausserfamiliäre Herübergabe ist oft ein emotionaler und rechtlich anspruchsvoller Prozess. Im Interview erklärt Delphine Piccot von der Kleinbauernvereinigung, wo es am häufigsten klemmt und was zu einer erfolgreichen Übergabe beiträgt.

Delphine Piccot, Co-Projektleiterin der Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe bei der Kleinbauern-Vereinigung

Delphine Piccot, Co-Projektleiterin der Anlaufstelle für ausserfamiliäre Hofübergabe bei der Kleinbauern-Vereinigung

(Bild: zvg)

Publiziert am

Redaktor UFA-Revue

Wo klemmt es am häufigsten bei ausserfamiliären Hofübergaben?

Die Übergabe eines landwirtschaftlichen Betriebs ist ein bedeutender Moment, unabhängig davon, ob sie innerhalb der Familie oder an eine externe Person erfolgt. Es ist ein emotionaler Prozess, der bedeutet, Platz für die neue Generation zu schaffen und Veränderungen zu akzeptieren. Die Frage des Wohnorts und der Mitarbeit der abtretenden Generation stellen beispielsweise sowohl emotionale wie auch praktische Hürden dar. Bei ausserfamiliären Hofübergaben kommen zudem rechtliche und finanzielle Hindernisse erschwerend hinzu.

«Es gilt, einen goldenen Mittelweg zu finden.»

Delphine Piccot, Kleinbauern-Vereinigung

Die gesetzlichen Grundlagen begünstigen nämlich eine Übergabe innerhalb der Familie, insbesondere aus finanzieller Perspektive. Am häufigsten klemmt es aber beim Preis – es gilt daher, den goldenen Mittelweg zu finden, zwischen einem Verkaufspreis, der den finanziellen Ansprüchen der Hofabgebenden gerecht wird, und einem Kaufpreis, der ohne übermässige Verschuldung der eintretenden Generation bezahlbar ist.

 

Wobei benötigen Hofabgebende und Hofsuchende in diesem Prozess am häufigsten Unterstützung?

Betriebsübergaben sind komplex und ihr Gelingen hängt von vielen Faktoren ab. Es ist daher zentral, sich von Fachpersonen begleiten zu lassen, um alle Aspekte zu berücksichtigen. Insbesondere müssen die finanzielle Situation des Betriebs und der Betriebsleitung sowie deren zukünftige Bedürfnisse oder auch die Erbansprüche der Familienmitglieder diskutiert werden. Darüber hinaus sind die steuerlichen Konsequenzen zu prüfen. All diese Elemente sind für die Wahl der Übergabeform und die Preisdiskussion von zentraler Bedeutung. Für Hofsuchende stellt die Finanzierung oft die grösste Herausforderung dar: Obwohl der Kauf für viele Hofsuchende die bevorzugte Lösung darstellt, ist er nicht in allen Fällen finanzierbar. Die Pacht stellt eine gute Alternative dar, birgt aber ebenfalls Risiken, da auch hier eine langfristige Tragfähigkeit entscheidend ist. Deshalb ist es sinnvoll, ein Betriebskonzept zu erstellen und von einer Fachperson überprüfen zu lassen. Eine umfassende Übersicht über den Ablauf, rechtliche Fragen, Checklisten und Unterstützungsmöglichkeiten bietet die Informationsplattform www.hofuebergabe.ch der Klein-bauern-Vereinigung.

Was sind Ihre Empfehlungen für eine erfolgreiche ausserfamiliäre Hofübergabe?

Klare Kommunikation der eigenen Bedürfnisse, Offenheit und Kompromissbereitschaft. Eine nachfolgende Person oder einen Hof zu finden, welche bzw. welcher 100 % den eigenen Vorstellungen entspricht, ist nicht realistisch. Zudem brauchen Hofübergaben Zeit und verlaufen nicht immer beim ersten Anlauf erfolgreich, die Hofübernahme mit ausreichend Vorlauf zu planen, ist daher essenziell.

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