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Betriebsführung

Der Occasionshandel erfordert klare Spielregeln

Der Onlineoccasionshandel bietet heute alles: von Maschinen und Geräten bis zu Werkstattmobiliar oder Kleinteilen. Für grössere Anschaffungen lohnt sich eine sorgfältige Prüfung vor Ort, bei kleineren Artikeln klare Angaben und eine verlässliche Kommunikation.

Nicht nur Occasionsmaschinen wie dieser Reform Muli für den Einsatz im Berggebiet sind auf Onlinemarktplätzen gefragt. Auch Werkbänke, Schubladenschränk...

Nicht nur Occasionsmaschinen wie dieser Reform Muli für den Einsatz im Berggebiet sind auf Onlinemarktplätzen gefragt. Auch Werkbänke, Schubladenschränke oder Ersatzteile finden auf digitalem Weg leicht neue Besitzerinnen und Besitzer. 

(Bild: Reform)

Publiziert am

Redaktor UFA-Revue

Onlineoccasionsmarktplätze erleichtern das Suchen und Vergleichen von gebrauchten Maschinen, Geräten und Werkstattinventar. Der Handel funktioniert am besten, wenn beide Seiten wissen, worauf es ankommt. Viele Konflikte lassen sich vermeiden, wenn Käuferinnen und Käufer sowie Verkäuferinnen und Verkäufer einige Grundregeln beachten.

Für den Kauf

Je nach Grösse richtig vorgehen

Das Internet ist ein gutes Werkzeug zur Selektion. «Bei grösseren oder technisch komplexen Maschinen – etwa Traktoren, Futtererntemaschinen oder Ladern – sollte jedoch die Entscheidung erst nach einer Prüfung vor Ort fallen», sagt Michael Riboni, Rechtsexperte und Leiter von Agriexpert.

«Gibt es nur Symbolfotos, ist Vorsicht geboten.»

Michael Riboni, Agriexpert

Bevor man sich auf den Weg macht, lohnt sich ein genauer Blick ins Inserat. Wichtig sind Originalfotos von allen Seiten, dem Innenraum und von typischen Verschleissteilen. «Gibt es nur Symbolfotos, ist Vorsicht geboten. Können zusätzliche Fotos nicht geliefert werden, ist das ein Warnsignal», so Michael Riboni.

Vor der Probefahrt lohnt sich ein Blick ins Serviceheft, in die Abgaswartungsdokumente und auf die Betriebsstundenanzeige. Wichtig ist auch, sich nicht unter Druck setzen zu lassen: «Wer kauft, braucht Zeit», so der Rat des Experten. Hilfreich kann es sein, eine zweite Person mitzunehmen, um sich während der Besichtigung auszutauschen.

Vorsicht bei Garantieangaben

Rund um die Gewährleistung entstehen viele Missverständnisse.

«Gesetzlich haftet die Verkäuferseite zwei Jahre für Mängel.»

Michael Riboni, Agriexpert

«Gesetzlich haftet die Verkäuferseite zwei Jahre für Mängel – es sei denn, dies wird vertraglich ausgeschlossen», erklärt Michael Riboni weiter. Oft wird stattdessen eine Garantie angeboten, die kürzer ist oder nur bestimmte Bereiche umfasst. «In der Praxis sind es häufig die elektronischen Komponenten oder die kühlungs- und fahrwerkstechnischen Teile, die zuerst Probleme machen. Motor und Getriebe sind dagegen oft weniger reparaturanfällig.» Der Experte empfiehlt, je nach Wert der Maschine eine Vollgarantie auf Teile und Arbeit für mindestens drei Monate, bei teureren Geräten für sechs Monate, schriftlich zu vereinbaren.

Kleinanzeigen für die Landwirtschaft

Ob Landtechnik, Nutztiere, Futter, Handwerk, Stellenangebote oder allgemeine Kleinanzeigen. Im Marktplatz der UFA-Revue wird gekauft und verkauft oder auch verschenkt. Seit Kurzem können die Inserate auch direkt auf der Website der UFA-Revue aufgegeben und gelesen werden.

Für den Verkauf

Klarheit schafft Vertrauen

Professionelle Verkäuferinnen und Verkäufer profitieren von Transparenz. Dazu gehören vollständige Unterlagen, nachvollziehbare Wartungsdaten und ehrliche Angaben zu Mängeln. Es ist sinnvoll, auch kleinere Mängel offen zu benennen. «Eine offene Kommunikation vermeidet Streit und damit unnötige Umtriebe und Kosten», so Michael Riboni.

«Verbindlich ist nur, was im Vertrag steht.»

Michael Riboni, Agriexpert

Inserate sollten präzise, klar und sachlich sein: «Begriffe wie ‹wie neu›, ‹einwandfrei› oder ‹Topzustand› gelten rechtlich als Werbung. Verbindlich ist nur, was im Vertrag steht», betont Michael Riboni. Wer eine Maschine als «unfallfrei» anbiete, müsse dies im Kaufvertrag ausdrücklich festhalten.

Auch an morgen denken

Ein erfolgreicher und fairer Occasionshandel beruht auf Transparenz, Zeit und genauer Prüfung. Käuferinnen und Käufer sollen die Möglichkeit zum Nachfragen und Testen haben. Verkäuferinnen und Verkäufer sollten offen informieren – auch mit Blick auf künftige Geschäftsbeziehungen. Wenn beide Seiten sauber arbeiten, wird eine Occasion nicht zum Risiko, sondern zur guten Entscheidung.

Occasionen sicher kaufen und verkaufen

Für Käuferinnen und Käufer 

  • Je nach Wert entscheiden: Besichtigung bei grossen Maschinen, klare Fotos / Infos bei Kleinteilen. 
  • Originalfotos statt Symbolbilder verlangen. 
  • Unterlagen einsehen: Serviceheft, Abgaswartung, Betriebsstunden, Fahrzeugausweis. 
  • Nicht unter Druck setzen lassen. Bei Unsicherheit zweite Person mitnehmen. 
  • Gewährleistung prüfen: mindestens 3 Monate Vollgarantie, bei teuren Maschinen 6 Monate.

Für Verkäuferinnen und Verkäufer 

  • Transparenz schafft Vertrauen – bekannte Mängel offen angeben. 
  • Wartung und Reparaturen nachvollziehbar dokumentieren. 
  • Präzise Inserate – der Vertragstext ist entscheidend. 
  • Ehrliche Fotos: Gesamtansichten und Details erhöhen die Verkaufschancen.

 

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