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Betriebsführung

Der Erfolg zeigt sich mit der Umsetzung

Das Projekt zur regionalen Entwicklung (PRE) geht nach der abgeschlossenen Vorabklärung und der Grundlagenetappe in die Umsetzungsphase von maximal sechs Jahren. Die Erfahrung zeigt, dass PRE-Projekte tatsächlich zur Wertschöpfung der Land- und Ernährungswirtschaft beitragen. Allerdings braucht es oft bis zu zehn Jahren, bis sich die Wirkung voll entfalten kann.

Bergtrotte Osterfingen

Die Geschichte der Bergtrotte Osterfingen geht bis auf das Jahr 1584 zurück. 2014 und 2015 wurde die Bergtrotte renoviert und erweitert (siehe Bild). Heute werden hier im Restaurant regionale Köstlichkeiten zubereitet und Feste gefeiert.

(Genussregion Wilchingen-Osterfingen-Trasadingen)

Publiziert am

Agrarökonom, Flury&Giuliani GmbH

Agrarökonom, Flury&Giuliani GmbH

Mit dem Abschluss der Grundlagenetappe eines Projekts zur regionalen Entwicklung (PRE) liegt das Dossier für die Umsetzung des Gesamtprojekts und der einzelnen Teilprojekte vor. Bevor damit begonnen werden kann, wird das von der Projektträgerschaft in Zusammenarbeit mit einem Coach erarbeitete Dossier geprüft. Nach erfolgreicher Prüfung schliessen Bund, Kanton und Trägerschaft eine Vereinbarung mit einem Finanzierungsbeschluss für die Umsetzung des PRE ab. Neben der Förderung von Infrastrukturen können im Rahmen der PRE für die Umsetzungsphase auch Beiträge an die Geschäftsführung des Gesamtprojekts, an die Entwicklung und Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte und agrotouristischer Angebote oder an das Marketing gewährt werden.

Serie zur PRE

Die Entwicklung des ländlichen Raums und gleichzeitig einheimische Regionalprodukte fördern – dieses Ziel verfolgt der Bund mit seinem agrar politischen Förderinstrument «Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE)». Die UFA-Revue hat in einer dreiteiligen Serie, die mit dieser Ausgabe beendet ist, über folgende Aspekte berichtet:

Diverse Umsetzungsaktivitäten

Die konkreten Umsetzungsaktivitäten hängen von der Ausrichtung des PRE und der einzelnen Teilprojekte ab. In vielen PRE ist die Realisierung von neuen oder die Erneuerung und allenfalls Erweiterung von bestehenden Infrastrukturen – meist für die Produktion und Verarbeitung von landwirtschaftlichen Rohstoffen – ein wichtiger Kern. Neben dieser produktionsorientierten Stossrichtung kommt dem Auf- und Ausbau der Vermarktungsstrukturen und dem Marketing eine sehr hohe Bedeutung zu.

Viele PRE fokussieren sich auf Produktion, Verarbeitung und Vermarktung, um die Wertschöpfung für die Landwirtschaft in der Region zu erhöhen. Als weiteres Element werden oft Angebote in den Bereichen Agrotourismus oder Erlebnisse realisiert – letzteres in Verbindung zur Vermarktung von lokalen Produkten. Die Kombination «gute Produkte plus Erlebnis» ist auch die Kernidee des PRE Genussregion Wilchingen-Osterfingen-Trasadingen im Kanton Schaffhausen. Schwerpunkt des Projekts ist die Entwicklung und Vermarktung von Erlebnisangeboten rund um den Wein. Das Projekt soll zur Steigerung der landwirtschaftlichen Wertschöpfung und zur Stärkung der Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus führen und Synergien erschliessen.

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Das stärkt die Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus: Mit viel Witz führen in Wilchingen waschechte «Wöschwiiber» von anno 1767 die Besucherinnen und Besucher durch das schaffhauserische Weinbauernhof. 

(Genussregion Wilchingen-Osterfingen-Trasadingen)

Nicht alles lässt sich umsetzen

Eine wichtige Erfahrung in verschiedenen PRE ist, dass trotz sorgfältiger Planung nicht alles umsetzbar ist. Dies bestätigt auch Jakob Stoll, ehemaliger Präsident des PREWO-Vereins zur regionalen Entwicklung von Wilchingen-Osterfin-gen-Trasadingen: «Während der Umsetzung gab es auch immer wieder Änderungen in den Teilprojekten – wir optimierten oder mussten abspecken und die Businesspläne anpassen. Aber das ist bei einem Projekt dieser Grössenordnung normal.» Vor allem die Frage der Wirtschaftlichkeit ist ein Schlüsselelement: Schon während der Umsetzungsphase lohnt es sich, nicht systemrelevante und voraussichtlich nicht selbsttragende Aktivitäten zu hinterfragen und allenfalls darauf zu verzichten. Auch wenn diese ursprünglich geplant und für die Umsetzung finanziert wurden. Umgekehrt eröffnet sich das Potenzial, weitere Ideen und Projekte, welcher den Zielen des PRE entsprechen beziehungsweise deren Erreichung unterstützen, mit dem PRE zu «verknüpfen». Trotz langer Planung geht es also gerade in der Umsetzung der PRE richtig zur Sache.

«Wir haben etwas sehr Schönes geschaffen.»

Jakob Stoll, ehemaliger Präsident des PREWO-Vereins zur regionalen Entwicklung von Wilchingen-Osterfingen-Trasadingen

Erfolg braucht Zeit

Wertschöpfung wird letztendlich durch den erfolgreichen Absatz von Produkten und Dienstleistungen generiert. Während in vielen PRE auf bereits etablierten Produkten aufgebaut wird, braucht die Entwicklung von neuen Produkten oder von neuen Vermarktungskanälen viel Zeit; oft mehr als die für die Umsetzung verfügbaren sechs Jahre. Für eine erfolgreiche Positionierung am Markt ist eher von einem Zeithorizont von bis zu zehn Jahren auszugehen. Dies stellt hohe Anforderungen an die Tragbarkeit und Finanzierung der notwendigen Infrastrukturinvestitionen und des Marketings.

PRE-Projekte wirken

Eine klare Antwort auf die Frage zur Gesamtbilanz des PRE Genussregion gibt Jakob Stoll: «Wir haben etwas sehr Schönes geschaffen und sind von einem Einzelkämpfertum hin zu einem gemeinsamen Verständnis gekommen.» Dass die PRE wirken, zeigt auch die Zwischenevaluation. Auch wenn nicht immer alle Wirkungsziele erreicht werden, tragen einzelne Projekte doch massgeblich zur Wertschöpfung in der Land- und Ernährungswirtschaft bei. Die Wertschöpfungseffekte eines PRE sind dabei speziell in ländlichen beziehungsweise peripheren Regionen, in denen die Landwirtschaft wirtschaftlich eine wichtige Rolle einnimmt, durchaus bedeutsam. 

Bund plant Weiterentwicklung der PRE

Seit dem 1. Januar 2007 können Projekte zur regionalen Entwicklung (PRE) mit Beiträgen und Investitionskrediten unterstützt werden. Bisher wurden 15 PRE realisiert, 18 PRE befinden sich in der Umsetzung und bei 17 Projekten erfolgt derzeit die Detailplanung. Die jährlichen Bundesausgaben für die PRE beliefen sich in den vergangenen Jahren auf rund fünf Millionen Franken pro Jahr.

Im Jahr 2017 wurde eine Zwischenevaluation der PRE durchgeführt. Diese hat gezeigt, dass die PRE ein zweckmässiges Förderinstrument sind, dass deren Wirkung jedoch noch gesteigert werden sollte. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) plant daher eine Weiterentwicklung der PRE. Kernelement ist eine Unterscheidung zwischen zwei Arten von PRE: Neben den etablierten, regional breit abgestützten PRE (z.B. in einem Bergtal wie dem Val d’Illiez VS oder im Val Poschiavo GR) sollen neu auch PRE unterstützt werden, bei denen regionale landwirtschaftliche Wertschöpfungsketten im Zentrum stehen (z.B. Walnussproduktion). Zudem sollen die Beitragsansätze der PRE mit den Beitragshöhen der übrigen Strukturverbesserungen harmonisiert werden.

Im Rahmen der Agrarpolitik AP22+ ist weiter geplant, eine standortangepasste Landwirtschaft mit regionalen landwirtschaftlichen Strategien (RLS) zu fördern. Leisten PRE einen nachweislichen Beitrag zur Erreichung der Strategieziele, sollen sie mit einem höheren Bundesbeitrag unterstützt werden.

Umsetzungsphase der PRE-Projekte

Alle Ergebnisse der Vorabklärung und der Grundlagenetappe bilden die Basis für die Umsetzung der konkreten Projekte. Je akkurater und realistischer die Vorarbeiten sind, desto einfacher wird die Umsetzung. Auch für diese Phase kann eine Vorgehensstruktur empfohlen werden, welche hilft, den Überblick zu wahren. Zeitlich kann sie in drei Phasen unterteilt werden, in denen der Fokus jeweils dem Umsetzungsfortschritt angepasst wird.

Kurz vor dem Start der Umsetzung ist die Projektleitung vor allem noch mit dem Abschluss der Grundlagenetappe beschäftigt. Für die einzelnen Projektträger lohnt es sich, in dieser Zeit zwei Aufgaben zu erledigen: 

  • Definitive Abklärungen zur Finanzierung des Vorhabens bis hin zur Erledigung von Details wie die Einrichtung eines Baukontos. 
  • Abschluss des Baugenehmigungsprozesses für Infrastrukturprojekte, sofern dies nicht bereits in der Grundlagenetappe erfolgte. Bei Schwierigkeiten lohnt es sich, Lösungen mit und nicht gegen die verantwortlichen Behörden zu suchen.

Sobald die Realisierung startet, werden die einzelnen Betriebsleiter und Projektträger stark von folgenden Tätigkeiten absorbiert: 

  • Rigorose Kontrolle der Umsetzungstätigkeiten. Speziell bei Infrastrukturprojekten lohnt sich dies, denn Kostenüberschreitungen können die Wirtschaftlichkeit der Projekte stark tangieren. In den Fällen, in denen eine Institution mit mehreren Beteiligten (z.B. Genossenschaft oder Verein) der Projektträger ist, muss die Kontrolle gut organisiert werden; meist in der Form einer Baukommission, welche das Know-how und die notwendigen Kompetenzen für diese Aufgabe hat. 
  • Neben der Projektumsetzung muss meist das angestammte operative Geschäft weiter gepflegt und darf nicht vernachlässigt werden. Dies erfordert eine gute Organisation.

Parallel zur Begleitung der Realisierungsaktivitäten liegt die Hauptaufgabe der Projektleitung in dieser Phase in der Vorbereitung und im Starten der im PRE-Projekt vorgesehenen gemeinsamen Kommunikations- und Vermarktungsaktivitäten. Schlagkräftige und vor allem wirkungsvolle Aktivitäten in diesem Bereich können die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Teilprojekte signifikant positiv beeinflussen.

In der letzten Phase geht es bei den einzelnen Projektträgern darum, die neuen Infrastrukturen erfolgreich in Betrieb zu nehmen. Fokus der Projektleitung ist die Konsolidierung und allenfalls Anpassung der Kommunikation und Vermarktung.

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