Beat Hofer ist kein Mann der grossen Worte. Wenn er spricht, dann ruhig, sachlich und mit Blick fürs Praktische. Sein Wissen hat er sich Schritt für Schritt angeeignet: erst als Baumaschinenmechaniker, dann als Landwirt, später als Meisterlandwirt. «Eine solide Ausbildung ist grundsätzlich wertvoll», sagt er. «Und mehr als ein Standbein zu haben, ist weitsichtig.»
Die verschiedenen Spezialkulturen verlangen unternehmerisches Denken.
Heute umfasst der Betrieb 20 ha landwirtschaftliche Nutzfläche, davon 12,5 ha eigenes Land und 7,5 ha Pachtland. Auf dem Betrieb wachsen Heilkräuter und Wildblumensaatgut. Dazu kommen Mastpoulets, 85 Aren Grünspargel, Aufzuchtrinder, Getreide und eine Photovoltaikanlage mit Speicher. Die verschiedenen Spezialkulturen und Betriebszweige verlangen unternehmerisches Denken.
Erst ein anderer Beruf, dann die Landwirtschaft
Beat Hofer ist auf dem elterlichen Hof aufgewachsen. Eine spätere Übernahme schloss er nie aus. Sein Vater habe jedoch empfohlen, zuerst einen anderen Beruf zu lernen, erzählt Beat Hofer. Nach der Berufsmaturität dachte er kurz über ein Studium in Maschinenbau oder Elektrotechnik nach. Doch nach der Rekrutenschule und einem halben Jahr in Neuseeland merkte er, dass ihm das praktische Arbeiten fehlte. Darauf entschied er sich bewusst für die Lehre zum Landwirt.
Beat Hofer, Meisterlandwirt, 4917 Melchnau (BE)
«Mit dem EFZ hätte ich mir nicht zugetraut, einen Betrieb zu übernehmen.»
Meisterabschluss 2025 (Inforama) | Betriebsübernahme 2026 | LN 20 ha | Pouletproduktion | Heilkräuter, Grünspargel, Wildblumensaatgut, Getreide, Futterbau
Mit dem Abschluss war für Beat Hofer aber schnell klar: Das reicht nicht. «Mit dem EFZ hätte ich mir nicht zugetraut, einen Betrieb zu übernehmen», sagt er offen. Besonders bei Themen wie Buchhaltung habe er gemerkt, dass ihm das eigentliche Rüstzeug für die Betriebsführung fehlte. Also besuchte er die Betriebsleiterschule. Dazu zieht er eine gemischte Bilanz.
Bei einzelnen Modulen habe für ihn der Aufwand nicht immer im Verhältnis zum Gewicht im Abschluss gestanden. Wirtschaftliches Denken, Personalführung und Kommunikation seien im Betriebsalltag zentral und könnten aus seiner Sicht stärker berücksichtigt werden.
Neue Motivation im Meisterjahr
Trotz seiner gemischten Bilanz blieb Beat Hofer dran. «Während der Meisterausbildung hat es mich wieder gepackt», erzählt er. Besonders die ersten Module, allen voran Steuern und Versicherungen, hätten ihm praxisnahes Wissen vermittelt. Auch der Businessplan war für ihn wertvoll: Darin rechnete er eine mögliche Vergrösserung der Masthalle durch. «Das war schon interessant, sich mit diesen Zahlen auseinanderzusetzen», sagt er, «und zu schauen, was man investieren müsste und was es bedeuten würde.» Solche Übungen schaffen Raum für Fragen, die im Alltag oft zu kurz kommen.
Beat Hofer, Meisterlandwirt«Die Kontakte aus der Ausbildung sind sehr wertvoll.»
Einen der grössten Werte der Weiterbildung sieht Beat Hofer im Austausch. «Die Kontakte, die man während der Ausbildung knüpft, sind sehr wertvoll», sagt er. Man vernetze sich, bekomme mit, was ausserhalb der eigenen Region laufe, und gewinne Weitsicht. Für seinen vielfältig spezialisierten Betrieb sei das wichtig.
Nicht bei null angefangen
Anfang 2026 hat Beat Hofer den Betrieb als Meisterlandwirt übernommen, konnte aber bereits davor dessen Zukunft mitgestalten. Sein Vater habe wichtige Entscheide in den letzten drei bis vier Jahren gemeinsam mit ihm getroffen. So wurde die Trocknungsanlage erneuert und vergrössert. «Das hätten wir nicht gemacht, wenn ich nicht weiter Heilkräuter für Ricola produzieren wollte», sagt Hofer.
Gleichzeitig reduzierte die Familie die Saatgutkulturen. Beat Hofer und seine Frau wurden im vergangenen November Eltern. Wenn der Betrieb gleich intensiv weiterlaufe, komme irgendwann die Familie zu kurz. Weiterbildung hilft hier nicht nur beim Rechnen, sondern auch beim Einordnen, was machbar ist und zur eigenen Lebenssituation passt.
Der Weg zum Meisterabschluss
Die Betriebsleiterschule (BLS) vermittelt betriebswirtschaftliches und agronomisches Wissen für die Führung eines Landwirtschaftsbetriebs und führt je nach Abschluss zur Berufs- oder Meisterprüfung. Die Ausbildung ist modular aufgebaut und wird meist berufsbegleitend an den landwirtschaftlichen Berufszentren der Schweiz absolviert. www.agri-job.ch
Offen für den Blick von aussen
Entscheidend ist für Beat Hofer Offenheit. Wer sich weiterbildet, sollte nach Punkten suchen, die sich optimieren lassen. «Das heisst ja nicht, dass man es bis jetzt schlecht gemacht hat», sagt er, «sondern dass man es vielleicht noch besser machen könnte.» Das gelte auch beim Austausch mit anderen Betrieben. Wer baut, investiert oder einen Betriebszweig weiterentwickelt, solle mehrere Beispiele anschauen und fragen, was andere heute anders machen würden. Gerade bei grossen Investitionen könne man es sich nicht leisten, Erfahrungen anderer zu ignorieren.
Landwirtschaft braucht mehr als Fleiss
Für Beat Hofer zeigt sich der Wert der Weiterbildung dort, wo sie den Blick über den Alltag hinaus öffnet. Sie helfe, einen Betrieb nicht nur weiterzuführen, sondern bewusst auszurichten. Ein Hof werde heute nicht mehr nur im Stall und auf dem Feld geführt, sondern auch am Schreibtisch, im Austausch mit anderen und mit Entscheiden, deren Wirkung über Jahre spürbar bleibt.
Serie Berufsbildung
2026 stellt der LID in seiner Serie Personen vor, die sich nach ihrer landwirtschaftlichen Grundausbildung weiterqualifiziert haben oder über einen höheren Bildungsweg den Einstieg in die Landwirtschaft gefunden haben.
Unterstützung und Hilfsmittel zur Öffentlichkeitsarbeit auf: www.lid.ch/baeuerinnen-und-bauern







