fenaco-LANDI

Rolle der Frauen stärken

Vor allem in Leitungs- oder Führungspositionen sind Frauen in vielen Branchen noch klar in der Unterzahl. Die Landwirtschaft und somit die fenaco-LANDI Gruppe sind da keine Ausnahme. Die Hauptgründe hierfür liegen − neben traditionellen Strukturen − im noch immer eher zurückhaltenden Auftreten vieler Frauen. Dabei nehmen sie oft eine wichtige Rolle im Unternehmen ein.

Frauen übernehmen wichtige Funktionen in landwirtschaftlichen Unternehmen. 

(Bild: fotolia.de)

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ehemalige Mitarbeiterin UK fenaco

Frauen sind heute mehr als Helferinnen auf den familieneigenen Betrieben. Sie übernehmen viel Verantwortung, indem sie sich zum Beispiel um die Finanzen kümmern, ganze Betriebszweige leiten und bedeutende Arbeiten erledigen. Auch gehen Frauen oft zusätzlich einer Anstellung ausserhalb des Betriebes nach, um das Familieneinkommen zu ergänzen. Sie entwickeln sich aus einer ehemaligen «Männerdomäne» heraus. Ihre Rolle wird von der Öffentlichkeit aber noch oft anders wahrgenommen – Eindruck und Realität stimmen vielfach nicht überein. Dies ist mit ein Grund, weshalb sich Frauen oft davor scheuen, eine führende Position bei den LANDI oder auf dem Betrieb zu übernehmen.

LANDI Präsidentinnen sind rar

In Zahlen ausgedrückt: Heute präsidieren 5 Frauen eine LANDI und haben 18 LANDI Geschäftsführerinnen ihr Amt inne (Stand Dezember 2016). Demgegenüber stehen 167 Präsidenten und 153 Geschäftsführer bei den LANDI. Den grossen Unterschied erklärt Geneviève Gassmann, Mitglied der Geschäftsleitung der fenaco Genossenschaft und Leiterin Region Westschweiz, folgendermassen: «Frauen zweifeln allzu oft an ihren Fähigkeiten. Wir müssen aktiv auf die Landwirtinnen und Bäuerinnen zugehen, um ihnen ihre eigenen Qualitäten und Möglichkeiten aufzuzeigen.» Zudem seien lange Zeit die LANDI, die Landwirtschaft und die Agrar- und Lebensmittelunternehmen auf allen Hierarchiestufen «Männerdomänen» gewesen. Ein Nachteil, denn oft träfen Frauen wichtige Kaufentscheidungen und wären in direktem Kontakt mit Verbrauchern und Konsumenten. Es benötige daher seine Zeit, um den Frauenanteil in leitenden Positionen zu erhöhen und auch bei den Frauen selbst ein Umdenken anzustossen.

Junge Frauen mit fundierter Ausbildung

Beim landwirtschaftlichen Nachwuchs zeichnet sich eine Tendenz zur Zunahme der weiblichen Fachkräfte ab. Beim Lehrgang «Dipl. Agrokaufleute HF» am Feusi Bildungszentrum liegt der prozentuale Anteil der Studentinnen bei knapp 40 Prozent. Die Tendenz ist in den letzten Jahren leicht steigend.

Am Bildungszentrum Inforama wird der Frauenanteil in der Grundbildung der landwirtschaftlichen Berufe in den vergangenen rund sieben Jahren als konstant wahrgenommen. In der Höheren Berufsbildung ist der Frauenanteil bei den AgrotechnikerInnen HF zunehmend – von rund 5 Prozent bei der Einführung der Ausbildung beträgt der Frauenanteil heute bereits 20 Prozent. Klar überdurchschnittlich von Frauen besucht sind die Lehrgänge zur Bäuerin FA und Spezialist/-in der Pferdebranche mit 50 bis 100 Prozent.

Am Strickhof beträgt der Frauenanteil in der Grundbildung Landwirtschaft rund 20 Prozent und in der höheren Berufsbildung 10 Prozent.

Der Frauenanteil am Landwirtschaftlichen Institut des Kantons Freiburg Grangeneuve beträgt für das Jahr 2017 über alle Ausbildungsgänge gesehen 26 Prozent. Im Vergleich zu den vergangenen drei Jahren ist ein leichter Anstieg zu verzeichnen − im Jahr 2014 belief sich der Frauenanteil noch auf 19 Prozent.

Teamvielfalt im Fokus

Die fenaco Genossenschaft hat sich auf verschiedenen Ebenen zum Ziel gesetzt, künftig vermehrt auf gemischte Teams auf allen Hierarchiestufen zu setzen. Dies zum Beispiel durch die Sensibilisierung der Führungskräfte oder Schaffung eines Bewusstseins bei den Vorstandsmitgliedern der LANDI. «Zahlreiche Studien zeigen, dass eine vielfältige Zusammensetzung – sei es in Arbeitsteams oder im Verwaltungsrat – die Leistungsfähigkeit eines Unternehmens verbessert», erklärt Geneviève Gassmann. Hierbei spielen Geschlecht, Alter und Herkunft eine Rolle.

Lohngleichheit wird gross geschrieben

Was das Geschlecht betrifft: Per 31. Dezember 2016 betrug der Frauenanteil bei der fenaco rund 45 Prozent – zirka 38 Prozent im unteren und über 7 Prozent im oberen Kader, mit steigender Tendenz. Auch auf der obersten Führungsebene sind Veränderungen sichtbar: Seit 2015 nimmt mit Geneviève Gassmann erstmals eine Frau Einsitz in der fenaco Geschäftsleitung, Karin Perraudin-Bertholet ist seit 2016 Mitglied der fenaco-Verwaltung. «Für Martin Keller, Vorsitzender der Geschäftsleitung der fenaco, ist Frauenförderung eine wichtige Komponente unserer Personalpolitik. Wir wollen zwar keine Quote vorgeben, aber bei gleicher Qualifikation vermehrt Frauen anstellen», erläutert Christian Widmann, Leiter Human Ressources bei der fenaco. Dieses Vorhaben will die fenaco in der Personalrekrutierung weiter ausbauen und mehr Frauen in Führungspositionen bringen. Zudem erreichte das Unternehmen in seiner Personalpolitik einen Meilenstein: Frauen und Männer erhalten bei der fenaco für die gleiche Arbeit den gleichen Lohn. «Wir haben hierzu mit den Gewerkschaften einen Lohngleichheitsdialog geführt und das Vorgehen für eine gerechte Entlöhnung per Ende 2016 erfüllt. Darauf sind wir stolz», sagt Widmann.

Was kann «frau» selbst tun?

«Frauen sollten sich noch mehr ihrer eigenen Fähigkeiten bewusst werden und stolz darauf sein, was sie in ihrer Laufbahn schon erreicht haben. Viel zu oft fürchten sie aber noch, einer Aufgabe nicht gewachsen zu sein. In solch einer Situation ist es Aufgabe des Betriebes, die Frauen zu unterstützen und zu motivieren», sagt Geneviève Gassmann. «Ambitioniert zu sein ist doch etwas Positives!» Frauen sollten sich selbst Ziele setzen und die zur Zielerreichung notwendigen Mittel definieren. Dies könne zu ungewohnten Reaktionen im eigenen Umfeld führen, doch diese persönliche Weiterentwicklung würde sich für jede Frau lohnen. Geneviève Gassmann rät Frauen (und Männern), die sich überlegen, eine leitende Funktion anzunehmen, folgendes: «Arbeiten Sie hart, lernen Sie dazu, und haben Sie keine Hemmungen, nach Hilfe zu fragen, wenn Sie dies für Ihre persönliche Zielerreichung benötigen.» 

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