Management

Positive Grundeinstellung der Konsumenten erreichen

Schweizer Nahrungsmittel haben vieles zu bieten, auch wenn sie sich äusserlich nicht von ausländischen unterscheiden. Nebst den nationalen Kampagnen kann sich auch jeder Landwirt persönlich dafür einsetzen, das Image und somit die Nachfrage nach Schweizer Produkten zu verbessern.

Benno Schildknecht produziert in Hagenwil bei Amriswil in einer Betriebsgemeinschaft Milch unter dem Label Suisse Garantie.

Benno Schildknecht produziert in Hagenwil bei Amriswil in einer Betriebsgemeinschaft Milch unter dem Label Suisse Garantie.

(Bild: Gabriela Küng)

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Leiterin Kommunikation, mooh Genossenschaft

Ein Glas Milch aus der Schweiz unterscheidet sich äusserlich nicht von einem Glas Milch aus dem Ausland, genau so wenig wie ein Schweizer Ei, ein Schweizer Steak oder ein Schweizer Apfel. Trotzdem kosten Schweizer Produkte mehr als vergleichbare Produkte aus dem Ausland. Den Unterschied machen die unsichtbaren inneren Werte aus, wie zum Beispiel die strengeren Tierschutzvorschriften, die nachhaltigere Bewirtschaftung, die bäuerliche Tradition, das Handwerk oder die Tatsache, dass Lebensmittel aus der Schweiz strikt Gentechnik-frei sind. Um dies den Konsumentinnen und Konsumenten näher zu bringen, hat Suisse Garantie anfangs 2018 eine neue Kampagne lanciert.

«Auf die inneren Werte kommt es an»

Die Botschaft der neuen Kampagne wird auf Plakaten und via Fernsehspots vermittelt. Das Produkt steht dabei immer im Mittelpunkt. In einer Art Dating-Show präsentieren die Produkte sich im TV-Spot und weisen auf die inneren Werte hin. Die Produkte, die um ein Rendezvous boulen, sind Butter, Cervelat, Apfel, Tomate, Kartoffel und Ei. Gesprochen wird in verschiedenen Dialekten. Die Spots sind auf der neuen Website www.suissegarantie.ch abrufbar.

«Ein gutes Produkt braucht eine gute Geschichte, um maximale Glaubwürdigkeit zu erreichen», erklärte Urs Schneider, Präsident der Agro Marketing Suisse, an einer Veranstaltung im Januar. Mit der nationalen Kampagne soll bei den Konsumenten Wissen aufgebaut werden, was alles hinter einem Schweizer Produkt steht. Dazu gehören nicht nur die Produktqualität, sondern auch Arbeitsplätze, kurze Transportwege und vieles mehr.

Was kann der Landwirt tun?

Benno Schildknecht ist Landwirt aus Hagenwil bei Amriswil und bewirtschaftet gemeinsam mit Rico Meili eine Betriebsgemeinschaft mit 70 Milchkühen. Die Betriebsgemeinschaft produziert Milch unter dem Label Suisse Garantie. Schildknecht unterstützt die Basiskommunikation, ist aber klar der Meinung, dass auch die Landwirte etwas tun müssen. «Als Landwirt bin ich nah beim Konsumenten und stehe immer wieder direkt im Kontakt, wenn ich draussen arbeite», erzählt Schildknecht, «Wenn immer möglich bringe ich Spaziergängern die Schweizer Landwirtschaft näher und weise sie auf deren Vorteile hin». Dazu gehören insbesondere die hohen Tierschutzrichtlinien. «Ich möchte den Konsumentinnen und Konsumenten den Beruf des Landwirts im direkten Gespräch näher bringen, um eine positive Grundeinstellung dazu zu erreichen», erklärt Schildknecht. Hierzu gehöre aber nicht nur das direkte Gespräch.

Unterricht für Kopf, Hand und Herz

Schule auf dem Bauernhof (SchuB) lädt Schülerinnen und Schüler jeder Altersstufe zu aktivem und erlebnisreichem Lernen auf dem Bauernhof ein. Als Landwirt, also Anbieter, entsteht so die Möglichkeit, den heutigen und zukünftigen Konsumenten die Landwirtschaft und damit die Schweizer Nahrungsmittel näher zu bringen. SchuB ist ein Projekt der Kampagne «Gut, gibt’s die Schweizer Bauern». Ziel dieser Kampagne ist, die vielfältigen Leistungen der Bauernfamilien für die Gesellschaft sichtbar zu machen und damit die Bedeutung der Landwirtschaft für die Schweiz zu unterstreichen. Um dies zu bewerkstelligen, sind auch für SchuB interessierte Bauernfamilien gesucht, die ihren Betrieb zeigen möchten. Informationen zur Anmeldung sowie die Anforderungen an den Betrieb sind zu finden unter www.schub.ch Anbieter  Anbieter werden.

Gutes Image fördern

Was ein Landwirt während seiner täglichen Arbeit direkt tun kann, ist das Image zu verbessern, respektive auf keinen Fall zu verschlechtern: «Wenn man die Kühe über die Strasse treibt, sollte man den Kuhdreck nachher aufwischen», erläutert Schildknecht. Auch beim Gülle Ausbringen sollte man auf Sauberkeit achten und beispielsweise berücksichtigen, dass nichts auf die Strasse gelangt. Auch das Wetter, der Wochentag oder die Tageszeit soll beachtet werden. Ebenfalls setzt Schildknecht auf den Schleppschlauchverteilter – hier sind die Emissionen für die Bevölkerung kleiner. «Das sind alles Sachen, über die sich ein Konsument über die einheimische Landwirtschaft aufregen kann. Das muss unbedingt vermieden werden», sagt Schildknecht. Man dürfe auf keinen Fall aufgrund seines Verhaltens negativ auffallen.

Kinder und Familien

Obwohl Schildknecht keine Direktvermarktung betreibt, ist es für ihn von immenser Bedeutung, mit den Konsumenten direkt ins Gespräch zu kommen. «Der einfachste Weg ist, seinen Besuch mit in den Stall zu nehmen», erzählt Schildknecht. Auch sei eine einfache Option, den Freunden der eigenen Kinder die Stalltüren zu öffnen. «Die Kinder gehen auf Tuchfühlung mit den Tieren, können sie füttern oder je nach Gelegenheit auch noch auf dem Traktor mitfahren – das sind Erlebnisse, die ihnen bleiben», erläutert Schildknecht. Vor wenigen Jahren organisierte Schildknecht gemeinsam mit allen Landwirten des Dorfes eine Woche Schule auf dem Bauernhof für eine Schulklasse. Die Schüler durften jeden Tag bei einer neuen Tätigkeit auf dem Betrieb helfen. Übernachten konnten sie im Stroh. «Diese Woche werden die Schüler sicher nie vergessen», sagt Schildknecht. Er erinnert sich schmunzelnd: «Einige Kinder halfen bei der Zwetschgenernte. Plötzlich merkten sie, dass hier sehr viel Aufwand dahintersteckt und man nicht einfach nach einer halben Stunde fertig ist». Am Schluss der Woche gab es noch einen Elternabend. Auch für die Eltern sei der Besuch eindrücklich gewesen, erinnert sich Schildknecht.

Zahlreiche Möglichkeiten

Neben Schule auf dem Bauernhof (siehe Kasten) gibt es weitere Optionen, seinen Betrieb der Öffentlichkeit zu zeigen und so das Image der Schweizer Landwirtschaft zu stärken. Bei der Stallvisite, einem Projekt aus der Basiskampagne «Gut, gibt’s die Schweizer Bauern», öffnen Bauernbetriebe zu bestimmten Zeiten die Tore. Besucher können unter Einhaltung der Stallregeln zu den individuellen Öffnungszeiten die Ställe besuchen. Dies kann während der Fütterungszeiten, am Wochenende oder während der Öffnungszeiten des Hofladens sein. Dank der Stallvisite kommen Konsument und Landwirt in direkten Kontakt. Zusätzlich können insbesondere Betriebe mit Direktvermarktung, Agrotourismus oder ähnlichem vom zunehmenden Bekanntheitsgrad profitieren. Alle Höfe sind auf der App «Vom Hof» sowie in einer Broschüre aufgeführt . Unter www.stallvisite.ch Anbieter Anmeldung sind alle Informationen für Interessierte aufgeschaltet. Weitere Angebote sind der 1. August Brunch, Lockpfosten, Agrotourismus, Direktvermarktung und vieles mehr – alles, was den Konsumenten auf den Hof lockt. Urs Schneider betonte: «Der Landwirt ist der beste Verkäufer: Er ist authentisch und zeigt, was die Schweizer Landwirtschaft ist. Das ist unsere Stärke.»

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