Wie bewirtschaftet und erntet die Landwirtschaft in 10 Jahren

Die laufendenden Diskussionen über den Klimawandel für eine Reduktion der CO2 – Konzentration wird empfindliche Folgen für die produzierende Landwirtschaft haben. Leistungsfähige und starke Verbrennungsmotoren und der dafür benötige Diesel und Benzin lassen sich nicht einfach ersetzen. 

Getreide Weizenernte Marthalen 14-07-2020 1

Publiziert am

Wenn es nach den Klimazielen der Schweiz geht, soll in 30 Jahren der CO2-Ausstoss auf Netto null und fossile Brennstoffe und somit die Verbrennungsmotoren verbannt sein. Aktuell baut sich aber ein enormer medialer Druck auf, welche diese Fristen deutlich verkürzen wollen, indem man eine radikale Umstellung auf die E-Mobilität fordert. Doch was heisst dies für die produzierende Landwirtschaft, welche global auf Verbrennungsmotoren in jeder Grösse angewiesen ist? Eine Frage, welche noch nie gross angesprochen wurde. Gerade die Mechanisierung in Verbindung mit der Motorisierung hat zu einem wesentlichen Teil zur Steigerung des Wohlstandes und zu massiven Arbeitserleichterungen im Gleichschritt zu besseren und sicheren Erträgen beigetragen. Der Motor hat immer mehr die menschliche körperlich sehr anspruchsvolle Arbeitskraft und den Zug mit Tieren ersetzt. So ist die Zahl der Beschäftigten in der Landwirtschaft seit 1990 von rund 260000 bis auf 2019 auf 150000 zurückgegangen.

Der Anteil der von der Landwirtschaft bezüglich der Zoll - Rückerstattung beanspruchten Benzinmenge stieg in den letzten 20 Jahren von 0,4 auf 0,7 Prozent an.  Dies ist darauf zurückzuführen, dass die benötigte Menge wohl stabil, aber der landesweite Verbrauch um 42 Prozent gesunken ist. Beim Diesel sank dieser von 6,1 auf  aktuell 2,8 Prozent, wobei sich der gesamte Dieselbedarf in den letzten 20 Jahren gesamthaft mehr als  verdoppelte, aber in der Landwirtschaft stabil blieb.

Ohne Energie geht gar nichts

2019 sind im Rahmen der Rückerstattung der Treibstoffzollabgaben sind für 90,108 Millionen Liter Diesel und 22,314 Millionen Liter Benzin  Gelder an die Landwirtschaft geflossen. Dies entspricht mit Blick auf pflanzlich nachwachsende Treibstoffe einer Rapsölmenge (1400 l/ha), welche auf 22500 ha angebaut werden müsste. Doch auch abgelegene landwirtschaftlich genutzte oder zur Bewirtschaftung notwendige Gebäude sind heute auf Generatoren angewiesen, um den benötigten Strom für beispielsweise den Alpbetrieb zu produzieren. Zugleich ist man auch in den vor- und nachgelagerten Bereichen der produzierenden Landwirtschaft auf Energie im beachtlichen Ausmass angewiesen, damit überhaupt produziert respektive die Produktion  eingelagert und für die weiteren Schritte der Versorgungskette verarbeitet werden kann. Immer wieder ist dabei die Rede von Wasserstoffmotoren. Doch die Produktion von Wasserstoff benötigt beachte Strommengen, welche ebenfalls zuerst zusätzlich produziert werden müssen.

Radikale Forderungen

Jüngst hat sich die Klimajugend mit ihren radikalen Forderungen zurückgemeldet. Die Umweltziele sollen massiven Einschränkungen und Umlagerungen noch viel schneller erreicht werden.  Zugleich hat jetzt auch die Grüne Partei der Schweiz nachgedoppelt. Bei beiden stehen dabei die Landwirtschaft und deren Produktionsformen im Fokus, welche von Grund auf neu ausgerichtet und völlig neu aufgebaut werden muss. Diese Ziele sollen mit verschiedensten Massnahmen und vor allem mit finanziell happigen Lenkungsabgaben durchgesetzt werden, welche die dann noch produzierten  Nahrungsmittel deutlich teurer machen werden. Allein die Forderung nach Abschaffung der Zollrückerstattung würde die Land- und Forstwirtschaft mit knapp 70 Millionen Franken zusätzlich belasten. Heute sind in der produzierenden Land- und Forstwirtschaft - unabhängig ob man konventionell oder biologisch produziert  - Verbrennungsmotoren kaum mehr wegzudenken. Deshalb stellt sich nun zurecht die Frage, wie diese Geräte und Maschinen in welchem Tempo ersetzt werden müssen, weil die bisher benötigten Energieträger wegfallen oder massiv durch Lenkungsabgaben und zusätzliche Steuern belastet werden. Zurück zum Pferdezug will wohl auch kaum jemand und auch wieder der logischerweise grössere benötigte Handarbeitsaufwand lässt sich kaum mehr umsetzen.

Enorme Investitionen sind nötig

Eigentlich müsste sich jetzt auch rasch eine politische Diskussion rund um die Mechanisierung der Landwirtschaft aufdrängen, weil in dieser die Traktoren und Motorkarren und deren Anbaugeräte eine enorm hohe Lebenserwartung haben.  So 2019 zählte man in der Schweizer Landwirtschaft Total knapp 194000 eingesetzte Fahrzeuge. Davon entfallen 142000 allein auf Traktoren. Gesamthaft sind während dem ganzen Jahr dabei neu 2372 neue Traktoren und weitere 643 andere Landwirtschaftliche Fahrzeuge zugelassen worden. Diese Zahlen verdeutlichen, dass viele Traktoren und Motorkarren teilweise ein beachtliches Alter aufweisen. Heute sind entsprechend viele Traktoren unterwegs, welche vor 1991 zugelassen worden sind. Konkret heisst dies, dass jeder mit einem Verbrennungsmotor ausgerüstete Traktor, welcher in diesem Jahr gekauft wird, noch maximal 29 jährig werden darf, weil es danach gar kein Diesel mehr geben wird. Dies heisst, dass die Landwirtschaft nun sehr zügig mit der Umstellung auf mit  Strom- und Wasserstoff betriebene Motorfahrzeuge umgestellt werden muss.  Denn wenn also konsequenterweise entsprechend den Umweltzielen bis in 20 oder 30 Jahren die flüssigen fossilen Energieträger wie Benzin und Diesel durch die geforderten Verbote verschwunden sind, heisst dies auch, dass diese wichtigen Kraftstoffe auch der Landwirtschaft fehlen werden.  Aktuell steckt die Technologie für den Elektroantrieb für Landwirtschaftsfahrzeuge in den Kinderschuhen.  Es stellt sich entsprechend auch die Frage, wie diese Umstellung überhaupt erfolgen kann, wenn die praxistauglich allgemein Verfügbarkeit von Elektrofahrzeugen fehlt. Zugleich ist es kaum vorstellbar, dass die gesamte Erntemaschinentechnologie, welche über grosse und leistungsfähige Verbrennungsmotoren verfügt in der Lage ist, die gesamte Flotte durch Elektrofahrzeuge zu betreiben. Doch damit wäre das Problem nicht gelöst, da die vorgelagerten- und nachgelagerten Sektoren der Landwirtschaft ebenfalls beachtliche Mengen an Treibstoff- und Brennstoffe verfügen, um Transporte auszuführen, Transportgebinde herzustellen  und Hilfsstoffe herzustellen. Auch die Verarbeitung und Einlagerung der Lebensmittel sowie die Verpackung beansprucht beachtliche Mengen an Energie.

Energieverbrauch in der Landwirtschaft

Gemäss den statistischen Erhebungen und Schätzungen des Schweizer Bauernverbandes benötigte die Landwirtschaft 2018 bei der direkten Energie auf ihren Höfen pro Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche 3706 kW/h, welche seit 1990 auf diesem Niveau basiert.  Von aktuellen Verbrauch entfallen dabei 34 Prozent auf Strom, 29 Prozent auf die Brenn- und weitere 37 Prozent auf die Treibstoffe.  Konkret heisst dies, dass pro Hektare 130 bis 140 Liter Diesel- und Benzin eingesetzt wird. Deutlich höher ist der Bedarf bei der indirekten Energie mit 10418 kW/h, welche aber seit 1990 um rund 17 Prozent (+1415 kW/h) angestiegen ist. Die Bereitstellung von direkter Energie beansprucht 10 Prozent, für Maschinen, Instrumente und Motoren werden weitere 23 und für Gebäude 27 Prozent beansprucht. Der Anteil für die Mineraldüngerherstellung  liegt bei 10 und für die Pflanzenschutzmittelherstellung bei 1 Prozent. Schlussendlich stecken in den importierten Futtermitteln nochmals 29 Prozent.  Konkret wird für die Bewirtschaftung, Ernte und Lagerung pro Hektare landwirtschaftliche Nutzfläche 14125 kW/h Energie oder pro Hof im Mittel 363‘000 kW/h beansprucht.

Quelle: RoMü.

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