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Nutztiere

Smarte Kälber auf dem Tablet

Als Stefan Ammanns Grossvater den landwirtschaftlichen Betrieb in Rüti bei Riggisberg bewirtschaftete, wurden zwei Kühe und deren Kälber gehalten. Die Milch der Kühe diente zur Eigenversorgung und um jährlich ein Kalb auszumästen. Auch heute wird der Betrieb noch nach diesem Grundsatz geführt – nur in deutlich grösserem und modernerem Rahmen.

Stefan Ammann führt seit Anfang 2018 den Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen, Kälbermast und Sömmerung.

Stefan Ammann führt seit Anfang 2018 den Landwirtschaftsbetrieb mit Milchkühen, Kälbermast und Sömmerung.

(Sandra Frei)

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Die Milch der unterdessen 21 Simmentaler-Kühe verwerten immer noch die Mastkälber. Früher waren die schwierige Zufahrt zum Betrieb im Winter und das fehlende Milchkontingent die Hauptgründe, weshalb die Milch nicht in eine Käserei gebracht wurde. Unterdessen ist der schlechte Milchpreis der Hauptgrund, weshalb die Milch durch die Kälber veredelt wird. Im Jahr 2013 konnte Paul Ammann, der Vater des heutigen Betriebsleiters, die Gebäude des Talbetriebs im Baurecht vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport, kurz VBS, erwerben. Im Anschluss bauten Sie den Stall um und modernisierten ihn. 

Die Sommermonate verbringt Stefan Ammann auf der gepachteten Alp im Gantrischgebiet, die 147 ha Sömmerungsfläche umfasst. Gesömmert wird der gesamte Tierbestand des Betriebsleiters sowie 67 Rinder von anderen Betrieben. Zehn weitere Rinder verbringen den Sommer auf den Weiden des Talbetriebs. Stefan Ammann übernahm den Betrieb Anfang dieses Jahres von seinem Vater Paul und lässt sich aktuell mit der Nachholbildung zum Landwirten EFZ ausbilden.

«Die Tierdaten werden in der Calf-Cloud übersichtlich dargestellt.»

Stefan Ammann

Vario gibt Konstanz

Mit den Milchkühen zügeln auch die 12–15 Mastkälber auf die Alp. Die Kälber werden zu 100 Prozent mit Vollmilch getränkt. Damit die Kälber eine hohe Fleischigkeit und eine optimale Fettabdeckung erreichen, wird die Milch mit bis zu 80 Gramm UFA 201 pro Liter Milch ergänzt. Das Tränken übernimmt der Förster Vario-Automat mit Halsbanderkennung. Getränkt wird gemäss dem 40fit-Programm. Das bedeutet, dass die Kälber nahezu ad libitum getränkt werden. Jedoch kann die Milchmenge und Tränkekonzentration manuell korrigiert und überprüft werden. «Seit wir den Vario-Automaten haben, verbesserten sich die Taxierungen der Kälber und wurden konstanter», bewertet Stefan Ammann den Umstieg von der Kesseltränke zum Automaten. Rund 90 Prozent der Kälber erreichen eine Taxierung, die besser als T ist. C und H sind aber klar am häufigsten. Geschlachtet werden die Kälber allesamt in der Dorfmetzgerei: «Unser Metzger mag etwas schwerere Kälber. Worauf er besonders Wert legt, ist die Farbe. Das Kalbfleisch darf nicht zu rot sein. Wir produzieren zwar nicht in einem Label, jedoch haben wir die Ställe so angepasst, dass wir BTS und RAUS erfüllen würden», erklärt der junge Betriebsleiter. Gemästet werden die eigenen männlichen Tränkekälber und zugekaufte Tiere. Diese kauft Stefan Ammann teils privaten Milchproduzenten und teils einem Händler ab. Die zugekauften Tiere werden in den ersten zwei Wochen in einem separaten Stallabteil gehalten. Sie werden dort an einem Occasion-Tränkeautomaten angewöhnt und erhalten während zwei Wochen die Starterspezialität UFA topstart zur Stärkung.

Tierbeobachtung als entscheidender Faktor

Nachdem die Kälber auf die Alp ziehen, wird der gesamte Stall des Talbetriebs gemistet und mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und desinfiziert. Somit ist er im Herbst, wenn die Sömmerung zu Ende ist, sauber und hat eine lange Leerzeit hinter sich. Gruppenbehandlungen der Kälber werden nicht gemacht: «Im letzten Herbst hatten wir vereinzelt Probleme mit Ohrenentzündungen. Wir griffen aber früh ein und behandelten die betroffenen Kälber rasch», erklärt Stefan Ammann, dem die Tierbeobachtung und eine schnelle Reaktion bei Problemen wichtig sind. Genau aus diesem Grund entschied er sich, die Vorteile des Halsband-Automaten vollständig zu nutzen und die Überwachungs-App Calf-Cloud aufzuschalten.

Einfachere Kontrolle

Die heutigen, modernen Hals-band-Tränkeautomaten sammeln ständig Tierdaten. So misst beispielsweise der Vario-Automat von Stefan Ammann für jedes Kalb die Tränkemenge pro Portion und Tag, die Sauggeschwindigkeit und die Anzahl Besuche/Abbrüche vom ersten Tag an. Diese Daten sind am Handlesegerät des Automaten nur beschränkt einsehbar: «Am Handheld sehe ich nur den Konsum vom aktuellen und vom Vortag, sowie die totale Tränkemenge des Kalbes. Am App sehe ich viel mehr, es ist deutlich übersichtlicher und die Grafiken helfen bei der Interpretation der Daten», so der Jungbauer.

Die Daten können am Computer, am Tablet oder am Smartphone kontrolliert werden. Nebst den Tierdaten, zeigt die App auch an, wenn am Automaten ein Problem vorliegt. Ist die Automaten-Ampel auf grün, ist alles in Ordnung. Die Farbe orange bedeutet, dass ein kleines Problem vorliegt, beispielsweise wenn das Spülmittel leer ist. Leuchtet die Ampel rot, läuft der Automat nicht mehr. Ist dies der Fall, muss meistens der Kälbermastspezialist beigezogen werden. «Bei den Kälbern im Stall bin ich jeweils morgens und abends. Dazwischen schaue ich mehrere Male pro Tag auf die App, so beispielsweise auch am Abend bevor ich zu Bett gehe», schätzt der Betriebsleiter die zusätzliche Sicherheit, dass im Kälberstall alles rund läuft.

Betriebsspiegel

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Der Sömmerungsbetrieb liegt mitten im Gantrischgebiet. 

(Peter Tschopp)

Tierbestand: 21 Sim mentaler-Kühe, 17 Rinder, 9 Aufzucht kälber, 12–15 Mast kälber, 77 Sömmerungs rinder, 2 Mutterkühe (Hinterwäldler)

Flächen: 34 ha LN auf Talbetrieb, 147 ha Sömmerungsfläche (in Pacht vom Eidgenössischen Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport)

Arbeitskräfte: Betriebsleiter (50 % auf Betrieb, 50 % aus wärtig angestellt), 1 Teilzeitangestellter (ca. 60 %), Vater des Betriebsleiters (Aushilfe bei Arbeitsspitzen)

Internetzugang als Voraussetzung

Da die App erst seit relativ kurzer Zeit installiert ist, kann Stefan Ammann bis anhin noch keine Aussage machen, ob sich durch die Daten Rückschlüsse auf die Tiergesundheit machen lassen: «Ich werde das aber ganz sicher gut beobachten und schauen, welche Parameter sich verändern und welche Alarme ausgelöst werden, wenn ein Kalb krank ist», erklärt der Betriebsleiter. Die Alarme können je nach Bedürfnis des Betriebs verfeinert und angepasst werden. Stimmt am Automaten etwas nicht, kann dank dem Internetzugang auch eine Fernwartung gemacht werden. Störungen des Betriebssystems können damit oft behoben und Updates durchgeführt werden, ohne dass ein UFA-Kälbermastspezialist vor Ort kommen muss. Die Installation der App verlief gemäss Stefan Ammann problemlos: «Da wir im Stall keine Internetverbindung hatten, mussten wir eine Internetbox mit SIM-Karte anschaffen. Den Rest übernahm der Kälbermastspezialist und ich hatte nichts damit zu tun». Die App ist kostenlos und gehört beim Kauf eines Vario-Automaten als Dienstleistung dazu. Somit muss der Betriebsleiter einzig die Internetverbindung im Stall sicherstellen. Reicht das hauseigene Internet nicht bis in den Stall, ist die Internetbox eine kostengünstige Alternative.

Aufzucht auch am Automat?

Bereits mit dem Kauf des Hals-band-Automaten wurde die Leistung der Kälber optimiert. Dank der CalfCloud wurde die Tier- und Automatenüberwachung zusätzlich erleichtert und verstärkt. Für das kommende Jahr überlegt sich Stefan Ammann, ob er auch die Aufzuchtkälber am Automaten tränken will. Mit der Tiererkennung des Halsband-Automaten wäre dies problemlos möglich. 

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