Nutztiere

Wenig Sensoren bei Schweinen

Die Digitalisierung ist in der Schweizer Nutztierhaltung auf dem Vormarsch. Je nach Tierkategorie sind die modernen Hilfsmittel aber unterschiedlich stark vertreten, sei dies bei den Angeboten auf dem Markt, wie auch beim effektiven Einsatz im Stall.

Elektronische Tieridentifikation – Die elektronische Ohrmarke wird mit einem Handlesegerät (Handheld) ausgelesen. Solche Systeme sind gemäss der Umfrage von Agroscope in der Schweinemast in der Schweiz noch sehr rar.

(Bild: Copyright Universität Hohenheim / Sacha Dauphin)

Publiziert am

Forschungsgruppenleiterin, Agroscope

Die digitale Transformation in der Landwirtschaft ist seit einigen Jahren stark im Gang. Agroscope arbeitet derzeit an einem vom BLV finanzierten Projekt zum digitalen Gesundheitsmonitoring an einer Übersicht zu den praxisfertigen smarten Systemen in den verschiedenen Bereichen der Tierhaltung. Zudem wurde Anfang 2018 eine Umfrage zum Stand der Mechanisierung und der Digitalisierung der Schweizer Landwirtschaft durchgeführt.

Milchviehhaltung

Am weitesten verbreitet sind smarte Systeme in der Milchviehhaltung. Bereits in den 80er Jahren hat die Entwicklung angefangen mit der automatisierten Brunsterkennung und mit der Früherkennung von Euterentzündungen. Zu dieser Zeit wurden nämlich die ersten Melkroboter entwickelt. Die Firma Düvelsdorf (Ottersberg, Deutschland) war hier vorne dabei mit dem ersten Melk-roboter-Prototyp namens Leonardo, der auf der Agritechnica 1989 dem landwirtschaftlichen Fachpublikum vorgestellt wurde. Gemäss der Verordnung des EDI zur Hygiene in der Milchproduktion (VHyMP) muss jedoch die Milch sensorisch geprüft werden, bevor sie in den Tank fliesst. Diese sensorische Prüfung zu automatisieren war damals eine Herausforderung und für die Einführung des automatischen Melkens essenziell.

Als Folge davon, können heute gemäss einer Übersicht des EU Projekts 4D4F für den Milchviehbereich 34 Systeme zur Eutergesundheit und Milchanalyse gezählt werden, die für die Praxis erhältlich sind.

Auch im Bereich Brunsterkennung findet man eine ähnliche Zahl an auf dem Markt erhältlichen Systemen. In anderen Bereichen der Milchviehhaltung, beispielsweise beim Body Condition Scoring, der Lahmheitserkennung und auch der Erkennung von Pansenazidose, ist die Auswahl weniger gross. Die Entwicklung solcher Systeme begann erst zu einem eher späten Zeitpunkt, wie bei der automatisierten Lahmheitsdetektion in den 2000er Jahren. Bei den Recherchen durch die Agroscope wurden bisher nur zwei auf dem Markt angebotene Systeme zur Detektion von Lahmheit entdeckt. Dies zeigt, wie lange es tatsächlich dauert, bis solche Systeme praxisreif sind und ihren Nutzen für die Landwirtschaft entfalten können.

Kälber und Schweine

In der Kälberfütterung wurden bei den Recherchen zehn Systeme auf dem Markt gefunden. Bei den Wiegeeinrichtungen für Kälber stehen sieben verschiedene Systeme zur Auswahl. Wasserkonsum- und Körpertemperaturmessung zur Gesundheitsüberwachung sind hingegen nicht oft vertreten.

In der Schweinehaltung ist im Bereich Digitalisierung vor allem das Sortieren und Wiegen ein Thema mit über zehn Systemen. Bei der automatisierten Fütterung wurden acht Systeme gezählt. Für Aktivitätsanalysen, Körpertemperaturmessung und Messung des Wasserkonsums zur Früherkennung, sowie Tierlautanalysen bei Schweinen liegen bisher nur wenige marktreife Ansätze vor.

Geringer Einsatz bei Mutterkühen

Die Möglichkeit, smarte Technologien erwerben zu können, ist die eine Seite, der tatsächliche Einsatz in der Praxis die andere. Agroscope hat Anfang 2018 eine Umfrage zum Stand der Mechanisierung und Digitalisierung der Schweizer Landwirtschaft durchgeführt. Dabei wurde festgestellt, dass in der Mutterkuhhaltung am wenigsten elektronische Sensoren und Messeinrichtungen eingesetzt werden. Milchvieh ist der einzige Betriebszweig, bei dem es gemäss der Umfrage mehr Technologieanwender gibt als Nicht-Anwender. Es muss hier aber angefügt werden, dass auch verhältnismässig «alte» Technologien dazugezählt wurden. Beispielsweise die elektronische Tiererkennung in Form von Transponderhalsband oder Ohrmarke, die für die Nutzung von Kraftfutterstationen, Selektionstoren und Melkrobotern Grundlage ist, oder auch die Milchmengenmessung.

Von 252 befragten Milchviehhaltern gaben 45 Prozent an, dass sie eine elektronische Milchmengenmessung nutzen, gefolgt von einer Milchflussmessung mit 26 Prozent und der Nutzung eines Transponderhalsbands mit ebenfalls 26 Prozent. Das Schlusslicht in der Kategorie Stallhaltung lieferte die Tierortung mit nur einem Prozent.

Sensoren in der Milchproduktion

Es wurde festgestellt, dass besonders oft Sensoren rund um die Milch genannt wurden. Dies trifft auch für die Milchziegenhalter zu, bei denen von 136 Betrieben immerhin knapp zehn Prozent angaben, dass sie Milchtem-peratur- und Milchmengenmessung eingebaut haben. Von den 252 Milchviehbetrieben haben 14 Betriebe einen Melkroboter. Beim Kauf wurden diese mit einer Vielzahl an möglichen Sensoren kombiniert, sodass sie für die Betriebe oft einen intensiven Einstieg in die digitale Produktion bedeuten.

Den Milchviehhaltern wurden in der Umfrage auch Fragen zur Nutzung der elektronischen Datenverarbeitung gestellt. Dabei wurde festgestellt, dass die Kraftfutterzuteilung nach Milchmenge und die Datenübernahme in das Herdenmanagement zu etwa 20 Prozent genutzt werden. Die automatisierte Brunsterkennung nutzen nur zehn Prozent der Betriebe, gefolgt von der Rationsplanung und der Krankheitserkennung.

Einsatz bei Schweinen

In der Schweinzucht und -mast ist der Sensoreinsatz gemäss Umfrage noch nicht so weit fortgeschritten. Für die oben angesprochenen Wiegeund Sortiersysteme werden oft elektronische Ohrmarken benötigt, um die Einzeltiererkennung sicherzustellen. Von den 158 befragten Zuchtsauenhaltern verwenden 30 Prozent elektronische Ohrmarken. In der Schweinemast haben aber nur etwa drei Prozent der 124 befragten Mäster positive Angaben zur elektronischen Ohrmarkennutzung gemacht. Umgekehrt nutzen die Mäster zu 6,5 Prozent optische Wiegesysteme im Vergleich zu den Ferkelerzeugern mit unter zwei Prozent.

Fazit

Die Untersuchungen zeigen, dass sich die Digitalisierung unterschiedlich schnell in den verschiedenen Betriebszweigen ausbreitet. Neben dem grossen Potenzial zur Verbesserung der Arbeitseffizienz, Steigerung der Produktion und Unterstützung der Tiergesundheit müssen sich vor allem die Investitionen für die Betriebe rechnen.

Da die Entwicklung derzeit stark im Fluss ist, gibt es sicher auch eine Verzögerung zwischen dem Angebot der Systeme und der letztendlichen Nutzung im Betrieb. Es ist allerdings interessant zu sehen, dass sich auch in einer klein strukturierten Landwirtschaft wie in der Schweiz neue Technologien und Sensoren zunehmend verbreiten. 

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