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Pflanzenbau

Die Hoffnung auf Regen wächst

Die Böden und Wälder in der Schweiz sind staubtrocken. Die meisten Kulturen können damit aktuell noch recht gut umgehen. Schäden bleiben aber nur dann aus, wenn es in den nächsten Tagen in der Schweiz verbreitet Niederschlag gibt.

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Fast überall in der Schweiz zeigt sich aktuell ein ähnliches Bild: Die oberste Bodenschicht ist stark ausgetrocknet. Seit über einem Monat hat es in der Schweiz kaum mehr geregnet. Zudem war es überdurchschnittlich warm und der Wind hat den Austrocknungseffekt verstärkt.

Kaum ideale Bedingungen für die Aussaat von Mais, die in den letzten Tagen begonnen hat. «Ich gehe aktuell davon aus, dass die Böden noch ausreichend Feuchtigkeit aufweisen, um die Keimung zu erlauben», sagt Pierre-Yves Perrin, Geschäftsführer des Schweizerischen Getreideproduzentenverbandes (SGPV). Er hoffe aber auf baldigen Regen, damit die Probleme minim bleiben. Auch ein Blick auf die Getreide- und Rapsfelder zeige, dass diese die Trockenheit zurzeit noch relativ gut ertragen würden, sagt Perrin.

Sandra Helfenstein, Mediensprecherin des Schweizer Bauernverbandes (SBV), teilt die Ansicht, dass die Lage aktuell noch nicht dramatisch ist. «Bis jetzt hat die Austrocknung der obersten Bodenschicht noch zu keinen grösseren Schäden geführt». Doch sei es dringend nötig, dass es in Kürze Niederschläge gebe, sowohl für die auflaufenden Kulturen wie auch für das Graswachstum, betont sie.

Hoffnung auf Regen

Die Einschätzungen von Sandra Helfenstein und Pierre-Yves Perrin beruhen beide auf der Hoffnung auf Regen in den nächsten Tagen. Die Niederschlagsmengen im April hätten sich über lange Zeit betrachtet nicht signifikant verändert. «Gleichzeitig sehen wir, dass der April auf der Alpennordseite in den letzten 20 Jahren deutlich sonniger geworden ist», sagt Bader von Meteo Schweiz. Mehr Sonnenschein heisse auch mehr Verdunstung. Die Sonnenscheindauer hat nördlich der Alpen bis Aprilmitte bereits den Durchschnittswert erreicht; das Potenzial für eine hohe Monatssumme ist also hoch.

Weniger Austrocknung bei tieferen Böden

Eine aktuelle ETH-Studie («Swiss Soil Moisture Experiment») erfasst und vergleicht über 10 Jahre die Bodenfeuchte in der Schweiz. Dabei zeigt sich, dass der Frühling 2020 seit Beginn der Aufzeichnungen der bisher trockenste ist.  

Dr. Annelie Holzkämper von der Forschungsgruppe Klima und Landwirtschaft vom Schweizer Kompetenzzentrum für landwirtschaftliche Forschung Agroscope in Zürich kann aufgrund von Studien belegen, dass die Trockenheit der Böden eine ertragslimitierende Rolle bei der Pflanzenproduktion in der Schweiz spielt, weil es zu Wasserdefiziten kommt. Auf tiefgründigeren Böden treten solche Wasserdefizite meist weniger schnell auf, da tiefwurzelnde Pflanzen auf Wasser aus tieferen Bodenschichten zurückgreifen können. 

Anpassungen werden unumgänglich

«Als Hotspots landwirtschaftlicher Trockenheit treten der südwestliche Teil des Schweizer Mittellands sowie das Rhone-Tal hervor», sagt Annelie Holzkämper. Ihre Forschungsgruppe hat dies anhand von Modellen am Beispiel von Mais berechnet.

Studien hätten zudem gezeigt, dass mit der fortschreitenden Klimaerwärmung und bis Ende des Jahrhunderts der Wasserbedarf für die landwirtschaftliche Bewässerung zum Beispiel am Standort Payerne um bis zu 40 Prozent und mehr zunehmen kann, sagt sie.

Eine Möglichkeit sich an diese Verhältnisse anzupassen, sei zum Beispiel die Bildung von Bewässerungsgenossenschaften, sagt Holzkämper. Dabei werde das Wasser meist aus «grossen» Quellen» wie zum Beispiel Seen oder Flüssen entnommen. Die Einrichtung von Wasserspeichern sei eine andere mögliche Option. Parallel dazu sollten wassersparende Massnahmen zum Einsatz kommen, betont Holzkämper. «Zum Beispiel könnten Tröpfchen- statt Sprinklerbewässerung zum Einsatz kommen. Oder die Bewässerung wird mit Hilfe von sensor-gestützten Bewässerungssystemen optimiert», sagt sie. Bodenverbessernde Massnahmen könnten zusätzlich helfen, das Wasserspeichervermögen landwirtschaftlicher Böden zu erhöhen, so dass Wasserdefizite besser abgefedert werden können.

Nicht zuletzt könne der Anbau von Sorten und Kulturen mit höherer Trockenheitstoleranz sinnvoll sein. «Kulturen, die unter trockenen Bedingungen gut gedeihen sind zum Beispiel Sorghum-Hirse oder Quinoa», sagt die Forscherin mit Blick in die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft.

Quelle: LID/ Ann Schärer

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