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Pflanzenbau

Im Kunstfutterbau wächst Qualität nicht zufällig

Vom Umbruch der Wiesen in der Anbauschlacht bis zu den heutigen Wetterextremen im Pflanzenbau: Der Kunstfutterbau war stets ein Spiegel der landwirtschaftlichen Herausforderungen. Mitten darin wirkt die AGFF seit 90 Jahren als treibende Kraft.

Was in den Agroscope-Parzellen beginnt, wird in den von der AGFF begleiteten Praxisversuchen weitergeführt.

Was in den Agroscope-Parzellen beginnt, wird in den von der AGFF begleiteten Praxisversuchen weitergeführt.

(Simon Rothenbühler)

Publiziert am

PM Feldsamen/Gründüngungen, UFA-Samen

Der Kunstfutterbau hat in der Schweizer Landwirtschaft eine hohe Wichtigkeit und eine lange Tradition. Die Arbeitsgemeinschaft zur Förderung des Futterbaus (AGFF) leistet hier einen starken Beitrag.

Die Anfänge des Kunstfutterbaus in der Schweiz

Seit der Einführung der Klee-Gras-Wirtschaft im 18. Jahrhundert wurden die Kunstwiesen stetig verbessert, nicht zuletzt dank der gezielten Wahl der Futterpflanzen und der 1878 eingeführten Samenkontrolle. Als der Bund jedoch nach dem Ersten Weltkrieg die Forschung auf den Ackerbau konzentrierte, wurden im Futterbau kaum noch Fortschritte erzielt. In diesem Kontext wurde 1934 die AGFF in Bern gegründet. Damals wie heute fördert diese die Zusammenarbeit zwischen Forschung, Beratung und Praxis. Als Oberziel gilt die standortgerechte und umweltschonende Erzeugung von genügend Wiesenfutter bester Qualität, um einen möglichst hohen Anteil der tierischen Leistung aus betriebseigenem Futter zu produzieren. Die Mehrheit der heute über 2100 Mitglieder der AGFF sind praktizierende Landwirtinnen und Landwirte, die von der umfangreichen und regelmässig aktualisierten Fachinformation profitieren, welche die AGFF bereitstellt. Eine Mitgliedschaft steht jedoch allen interessierten Personen und Organisationen offen.

Das System der Standardmischungen

Durch die Anbauschlacht des Zweiten Weltkriegs wurden viele Naturwiesen umgebrochen. Das fehlende Futter musste über Kunstwiesen produziert werden. In kurzer Zeit war ein unüberschaubares Angebot von Futterbaumischungen verschiedenster Anbieter auf dem Markt, das jedoch oft nicht den Anforderungen entsprach. Die AGFF hat sich daher verstärkt mit Forschungen zu diesem Thema befasst und Empfehlungen für die Zusammensetzung von Saatgutmischungen für den Futterbau ausgearbeitet. Auf dieser Grundlage kam es 1955 zur ersten Veröffentlichung der Standardmischungen für den Futterbau durch die Landwirtschaftlichen Versuchsanstalten Oerlikon und Lausanne – heute Agroscope. Dank einem dreistelligen, noch heute gültigen Code konnte ein klar strukturiertes und gut verständliches System erschaffen werden. In regelmässigen Abständen werden seither die Standardmischungen für den Futterbau revidiert und den neusten Forschungserkenntnissen und Bedürfnissen angepasst.

AGFF-Gütezeichen

Seit 1974 wird das AGFF-Gütezeichen vergeben. Es garantiert eine durch Agroscope wissenschaftlich erarbeitete und praxisgeprüfte Mischungszusammensetzung, die Verwendung empfohlener Sorten und Saatgut von überdurchschnittlicher Qualität nach der bekannten VESKOF-Norm. Unabhängige Kontrollen garantieren die Einhaltung dieser Anforderungen.

Liste empfohlener Sorten von Futterpflanzen

Eine wichtige Grundlage für die gute Qualität des schweizerischen Futterbaus ist die Liste der empfohlenen Sorten von Futterpflanzen, welche alle zwei Jahre aktualisiert wird. Nur die besten Sorten aus den von Agroscope in der ganzen Schweiz durchgeführten vergleichenden Sortenversuchen schaffen es auf die Liste. Die einzelnen Samenhändler ergänzen ihr Mischungssortiment oft mit Eigenentwicklungen, sogenannten Hausmischungen. Diese können, wenn sie nahe an der Zusammensetzung einer Standardmischung sind, das AGFF-Gütezeichen erhalten. UFA-Samen verwendet sowohl in diesen als auch in allen übrigen Hausmischungen ausschliesslich empfohlene Sorten sowie Saatgut, das der VESKOF-Norm entspricht.

Weder bei der Entwicklung des Standardmischungssystems noch des AGFF-Gütezeichens hätte sich wohl jemand vorstellen können, dass diese für den Kunstfutterbau in der Schweiz auch im Jahr 2026 noch immer einen wichtigen Baustein zum Erfolg darstellen und sogar weltweit Beachtung finden. 

Zwei Hausmischungen von UFA-Samen neu mit AGFF-Gütezeichen

In der Mischungsprüfungskampagne 2022 – 2024 haben die beiden Hausmischungen von UFA-Samen – UFA Swiss HS MS und UFA Helvetia HS – die Mischungsprüfung der AGFF bestanden und werden neu mit dem AGFF-Gütezeichen ausgelobt.

Interview: «Mischungen stetig an Praxisbedürfnisse anpassen»

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Julie Klötzli, Leiterin Praxisversuche im Mischungswesen bei der AGFF.

(zvg)

Seit wann werden auch Hausmischungen geprüft?

Obwohl es bereits seit Langem vorgesehen war, ist es dies erst seit 2022 der Fall. Vorher konnten Hausmischungen das Gütezeichen auf Antrag erhalten, wenn sie von einer Standardmischung in der Saatdichte jeder einzelnen Mischungskomponente um maximal 10 % abwichen und die übrigen Kriterien zum Einsatz empfohlener Sorten und zur Einhaltung der VESKOF-Normen erfüllt wurden. Die Erteilung war also früher ein rein administrativer Vorgang.

Wie werden Hausmischungen geprüft und welche Kriterien müssen diese erfüllen, um das AGFF-Gütezeichen zu erhalten?

Die Mischungen werden mehrere Jahre in Kleinparzellenanlagen an mehreren Standorten angebaut und hinsichtlich TS-Ertrag, Verdaulichkeit, Klee-Gras-Verhältnis, Bestandesgüte, Lückigkeit, Unkrautbesatz und Ausdauer mit entsprechend ähnlichen Standardmischungen verglichen. Eine Mischungsrezeptur erfüllt die Bedingungen für das Gütezeichen, wenn sie in ihren Leistungen das Niveau der mitangebauten Standardmischungen erreicht.

Welches sind die aktuellen Forschungsschwerpunkte im Bereich der Standardmischungen?

Die Schwerpunkte liegen derzeit bei der weiteren Verbesserung des Mischungssortiments betreffend Toleranz gegenüber extremen bzw. schwankenden Anbaubedingungen, ohne dabei die stetigen Anpassungen an die wechselnden Bedürfnisse der Praxis zu vergessen.

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