Quer gelesen
- Tiefgründige Böden machten den Unterschied und pufferten die Trockenheit bei allen drei Kulturen.
- Trifft Wasserstress Blüte oder Knollenansatz, hilft auch die beste Sorte nichts mehr.
- Schonende Bodenbearbeitung und richtige Vorfrucht bewahren die knappe Winterfeuchte.
Wie ausgeprägt die Trockenheit 2026 war, zeigt sich nicht nur auf dem Feld: Von April bis Juni fielen laut MeteoSchweiz schweizweit nur 56 % des üblichen Niederschlags, der tiefste Wert seit 1901. Über 1100 Betriebe meldeten bei der Versicherung Schweizer Hagel Trockenheitsschäden, worauf der Bundesrat Ende August zusätzliche 54 Millionen Franken an zinslosen Krediten zusprach, um Liquiditätsengpässe zu überbrücken. Bis Ende Oktober prüft er zudem weitere Massnahmen gegen Hitze und Trockenheit, auch das seit 2025 bestehende nationale Früherkennungssystem von Bafu, MeteoSchweiz und swisstopo soll Betrieben künftig mehr Vorlaufzeit verschaffen. Ob es wieder eine solche Trockenheit gibt, ist völlig offen, aber das Jahr 2026 lieferte einige Anhaltspunkte, was im Falle des Falles den Unterschied machen kann, um den Ertrag zu retten. Wie sich das bei Mais, Kartoffeln und Zuckerrüben konkret zeigte und was sich daraus für die kommende Saison lernen lässt, schildern drei Fachpersonen aus Sicht des Maisanbaus, Zuckerrübenanbaus und der Kartoffelproduktion im Rückblick auf die vergangene Saison.
Nachgefragt
Der Maissommer 2026 brachte regional massive Ertragseinbussen. Trockenheit und Hitze trafen gleichzeitig zusammen. Boden, Witterung, Fruchtfolge, Anbauverfahren und Entwicklungsstadium wirkten dabei zusammen. «Landwirte konnten in diesem Jahr vieles richtig machen und trotzdem schlechte Erträge einfahren», sagt Jürg Hiltbrunner. Teilweise schadete die Hitze stärker als der Wassermangel: Temperaturen über 35 °C beeinträchtigten den Pollen, die Befruchtung blieb aus und manche Bestände bildeten kaum Körner.
Entscheidend ist der Zeitpunkt des Stresses. Fehlt im 3- bis 4-Blattstadium Wasser, legt die Pflanze kleinere Kolben mit weniger Körnerreihen an. Späterer Regen kann das nicht mehr kompensieren. Das «Haus» ist geplant! Trifft der Stress Blüte und Befruchtung, werden die Schäden noch grösser: Kolben bleiben teilweise oder ganz unbefruchtet, weil der Pollenschlauch ohne Wasser die Eizelle nicht erreicht. Besonders stark litten Bestände auf leichten Böden. Tiefgründige Standorte mit guter Wasserversorgung, etwa im St. Galler Rheintal, kamen besser durch die Trockenheit. Sorten mit Labels wie Aquamax oder Artesian, welche unter Stressbedingungen weniger stark im Ertrag abfallen sollten, stiessen 2026 an ihre Grenzen. Ein gut entwickeltes Wurzelsystem und eine spätere Blüte halfen, Trockenphasen zu überstehen. Frühreife Sorten durchliefen ihren Zyklus wegen der hohen Temperaturen oft zu rasch, blühten während der grössten Hitze und füllten die Körner unter ungünstigen Bedingungen. Zudem reifen sie früher ab als spätere Sorten, was je nach Witterungsverlauf zwar Vorteile, aber auch Nachteile bringen kann.
Die Lehre aus 2026
Die wichtigste Lehre betrifft den Boden. Über die Fruchtfolge zahlen sich wasserschonende Bodenbearbeitung, Humusaufbau, Zwischenbegrünung und das Vorbeugen von Verdichtungen aus, denn jeder gespeicherte Milliliter Wasser zählt. Eine Kunstwiese vor dem Mais nimmt dem Boden die Winterfeuchte, spätes Pflügen kostet zusätzlich Feuchtigkeit. Bei geringer Wasserverfügbarkeit lohnt sich eine tiefere Bestandesdichte, minus 1 bis 2 Pflanzen pro m² gegenüber der üblichen Dichte, teils auch engere Reihenabstände, damit der Boden rascher bedeckt ist und weniger Wasser verdunstet. Bei ausreichend Wasser führt die tiefere Dichte allerdings vermehrt zu Seitentrieben oder einem zweiten Kolben. Ein Hackdurchgang unterbricht zudem den kapillaren Wasseraufstieg und hält so Feuchtigkeit im Boden. Gerade weil Herbizide unter trockenen Bedingungen oft nicht ausreichend gegen Hirsen wirkten, ist Haken empfehlenswert.
Für 2027 gilt: Auf trockenen Standorten sollte die Saatdichte tiefer liegen, damit jede Pflanze genug Wasser für die Kolbenbildung erhält und das Blattwerk den Boden rasch beschattet. Dafür braucht es eine gute Jugendentwicklung und so wenig Konkurrenz wie möglich. Die Zukunft liegt in robusten Sorten, gesunden Böden und präziser, standortangepasster Bodenbearbeitung. Für bisherige Maisgrenzlagen eröffnen steigende Temperaturen neue Chancen.
Nachgefragt
Bereits Ende Juni zeigten die Rüben auf strukturschwachen Böden erste Trockenstresssymptome wie welke Blätter, ein Vorbote eines schwierigen Sommers. Die Zuckerrübe erschliesst mit ihrer Pfahlwurzel den Boden über einen Meter tief und zieht so Wasser aus tieferen Schichten. Beim anhaltenden Wassermangel von 2026 stiess sie aber an ihre Grenzen, besonders in der Hauptwachstumsphase ab Mitte Juni, wenn Transpiration und Wasserbedarf am höchsten sind.
Entscheidend war der Boden: Auf tiefgründigem, humosem Lehmboden wurzelten die Rüben rasch in die Tiefe und erschlossen sich Reserven. Sandige, flachgründige Kiesböden trockneten dagegen bereits ab Ende Mai aus, Wasseraufnahme und Blattentwicklung litten, die kleinere Blattfläche bremste die Zuckerbildung.
Die Aussaat erfolgte wie üblich Ende März bis Anfang April. Wichtiger als ein genauer Zeitpunkt sind aber die Bodenbedingungen: Das Saatgut braucht guten Bodenschluss und Anschluss an die Feuchte, damit der Feldaufgang optimal erfolgt und die Pflanzen den Boden schnell bedecken. Bewährt hatte sich eine flache Saatgutablage auf 2 – 2,5 cm in einem in einer Durchfahrt vorbereiteten Saatbett. Eine tiefe Grundbodenbearbeitung sollte man in trockenen Frühjahren vermeiden, sie bringt trockenen Unterboden nach oben und unterbricht die Kapillarität. Beim Reihenabstand zeigte sich: 45 statt 50 cm schliessen den Bestand schneller, beschatten den Boden früher, senken die Verdunstung und unterdrücken Unkraut stärker.
Die Lehre aus 2026
Eine trockenheitstolerante Zuckerrübensorte wird bisher nicht angeboten. Die Sortenprüfung setzt auf eine natürliche Anpassung an trockenere Klimabedingungen. Seit dem Auftreten der Schilfglasflügelzikade prüft die SBR-Sortenprüfung verstärkt auf trockeneren Versuchsstandorten. Toleranzen gegenüber Zikaden, grüner Blattlaus und Rübenrüssler werden immer wichtiger.
Entscheidend für 2027 ist die Wasserverfügbarkeit am Standort: weniger intensive Bodenbearbeitung und konsequente Mulchsaat. Klar vermeiden sollte man Ex-tenso-Anbau auf flachgründigen, sandigen Böden, denn dort vermehrte sich der Rübenrüssler dieses Jahr stark. Eine Acetamiprid-Behandlung wirkt dagegen. Wer bewässert, sollte auf Sandböden nicht zu lange zuwarten, nicht bei starker Sonneneinstrahlung bewässern und wegen des erhöhten Cercospora-Risikos frühzeitig auf Fungizidschutz achten.
Die Trockenheit förderte einen intensiven Zikadenflug und beschleunigte die Einwanderung der Rübenrüsslerlarven in die Rübe. Für 2027 bleiben die wichtigsten Massnahmen unverändert: kein Extenso-Anbau auf wasserarmen Böden, rascher Bestandesschluss durch die Bodenbearbeitung, sofortige Behandlung beim Einflug des Rübenrüsslers sowie der Anbau SBR-toleranter Sorten, die bei Befall 1,5 bis 2 Tonnen Zucker pro Hektare sichern können.
Nachgefragt
Kartoffeln bestehen zu 80 bis 85 Prozent aus Wasser, deutlich mehr als bei anderen Kulturen. Entsprechend direkt schlug der Wassermangel 2026 durch, je nachdem, ob ein Bestand bewässert wurde. Auf tiefgründigen Böden brachten drei bis vier Bewässerungsgaben gute Erträge, auf leichten Kiesböden blieb das schwierig. Später gepflanzte Parzellen litten stärker unter der frühen Hitze, weil die Bestände noch nicht geschlossen waren. Fehlt die Beschattung, erhitzen sich die Dämme stark. Liegt das Knollennest hoch, neigen die Knollen zu Hitzeschäden. Unabhängig von der Sorte standen die meisten Bestände unter Stress. Bei vielen Sorten führte das zu Durchwuchs: Hitze und Trockenheit liessen die Knollen bereits im Damm austreiben, manche Felder blühten 2026 zweimal, der ungünstigste Fall, weil dabei viel Energie beziehungsweise Stärke verloren geht. Veredelungssorten erreichen teilweise die geforderten Stärkewerte nicht mehr. Selbst trocken- und hitzetolerante Sorten stiessen an ihre Grenzen und keimten wieder. Bewässerung wirkt wie eine Versicherung, entscheidend ist der gesicherte Wasserzugang während der trockenen Perioden. Ihre Bedeutung wird weiter wachsen, was Investitionen in den Wasserbezug sinnvoll machen kann. Um die Effizienz zu steigern, ist eine Tröpfchenbewässerung gegenüber konventionellen Methoden prüfenswert, besonders wenn die Wasserbeschaffung aufwendiger wird. Auch die Hitze setzt zunehmend früher ein, 2026 bereits im Juni.
Die Lehre aus 2026
Trockenheit lässt sich nicht ausschliessen, daher ist es wichtig, die Winterfeuchtigkeit im Boden zu halten. Auch die Wahl der Gründüngung spielt eine Rolle. Mit den Abnehmern lohnt sich ein transparentes Gespräch darüber, was Standort und Bewässerung hergeben und welche Sorte sich überhaupt bewässern lässt. Bei der Fruchtfolge bleibt wenig Spielraum: Kunstwiese als Vorfrucht scheidet aus, da sie viel Wasser zieht, ebenso Winterweizen nach Zuckerrüben wegen der Schilfglasflügelzikade.
Bei den Dämmen kommt vereinzelt die Idee auf, auf 90er-Dämme zu setzen, sie bieten mehr Volumen und erhitzen sich weniger. Auch eine Mulchbedeckung wird diskutiert, ist aber für grosse Flächen mit erheblichem Kostenaufwand verbunden.
Letztlich sind vitale Pflanzen im Frühjahr entscheidend, damit die Dämme rasch bedeckt werden. Dafür helfen Vorkeimen und eine schrittweise Temperaturanpassung des Pflanzguts, statt direkt aus dem Kühllager zu pflanzen. Ein guter Knollenansatz bei gleichzeitig fehlendem Wasser wirkt sich meist negativ aus, Hitze und Trockenheit sind hier besonders kritisch. Ein früheres Setzdatum bedeutet schlechter lagerbare Knollen und eine Ernte bereits im August, was bei anhaltender Hitze für Lagerware nicht erstrebenswert ist. Die Sortenwahl wird immer anspruchsvoller: Robuste Sorten stehen im Mittelpunkt, die neben guter Toleranz gegen Kraut- und Knollenfäule auch mit Hitze- und Trockenstress umgehen können.
Podcast
Zweite Folge der UFA-Revue «Hofrundi»
Ab sofort ist die zweite Episode der «Hofrundi» zu hören: «Risiko. Ein Jahr auf dem Trockenen – wenn der Futterbau ans Limit kommt». Was kann man im Anbau tun, wenn Hitze und Trockenheit zu hohen oder gar kompletten Ertragsausfällen führen? Während der Artikel oben einen Überblick über einzelne Sommerkulturen gibt, geht UFA-Revue-Redaktorin Dr. Katharina Kempf im Podcast vertieft auf die Anbausituation im Futterbau ein. Hier geht`s zum Podcast.
Ihr Team der UFA-Revue
Hinweis
Der Hitzesommer 2026 stellte viele Schweizer Landwirtschaftsbetriebe vor grosse Herausforderungen. Zur Entlastung entrichtet die fenaco ihren Mitglied-Landwirtinnen und Mitglied-Landwirten einen ausserordentlichen Trockenheitsbeitrag. Mehr dazu findet sich hier
Nachgefragt: Trockenheit an den Feldtagen
Die grösste Pflanzenbauveranstaltung der Schweiz, die Feldtage, fand unter grosser Trockenheit statt. Die Versuche, die per se schon verschiedene Anbauszenarien abbilden, zeigten unter diesen Extrembedingungen noch einmal ein neues, spannendes Bild. Wie stark sich die Bedingungen auf Mais, Kartoffeln und Zucker rüben ausgewirkt haben, erklärt Christoph Brönnimann, Leiter der Anbauversuche der Feldtage, in einem Artikel.







