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Pflanzenbau

Weinbau vor neuen Herausforderungen

Im Rebberg begegnet der Winzer vielen Feinden: Neben ungünstigen Witterungsverhältnissen bedrohen Schädlinge, Krankheiten und Unkräuter den Ertrag. Weinbauexperte Jürg Waber erklärt, welchen neuen Schwierigkeiten sich Weinbauern stellen müssen.

Die Reben müssen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern geschützt werden

Bis zur Weinlese gibt es viele Herausforderungen zu meistern:Die Reben müssen vor Schädlingen, Krankheiten und Unkräutern geschützt werden. Gegen Witterungseinflüsse ist der Winzer allerdings machtlos. Im Schadensfall kann höchstens eine Versicherung den Ausfall kompensieren.

(UFA-Revue)

Publiziert am

Aktualisiert am

Wissenschaftliche Mitarbeiterin, Forschungsgruppe Extension Gemüsebau, Agroscope

Pflanzenschutz im Rebbau ist eine Herausforderung. Neue Krankheiten und Schädlinge treten auf, invasive Neophyten siedeln sich an. Gleichzeitig wird der Ruf nach einer ressourcenschonenden Bewirtschaftung und einer Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes laut.

Jürg Waber ist Fachberater bei fenaco Pflanzenschutz. Seine Spezialgebiete sind Weinbau und Gemüsebau. Er ist selbst Winzer und kennt sich mit den Herausforderungen rund um die Weinproduktion bestens aus. Die UFA-Revue befragte Jürg Waber zu aktuellen Themen im Rebbau.

Starker Austrieb im Frühling

Der April 2018 war der zweitwärmste seit Messbeginn. Das sah man auch den Reben an, die nach Wärmesumme wachsen. «Nach dem kalten März trieben die Reben im April stark aus. Anfang Mai war die Vegetation rund zwei Wochen voraus», beobachtete Waber. Durch die trockene Witterung gab es erfreulicherweise wenig Probleme mit Pilzkrankheiten. Dennoch durfte auf eine Schutzspritzung gegen Echten und Falschen Mehltau nicht verzichtet werden.

Keine Frost-Folgeschäden

So warm es im April 2018 war, so kalt war es in den beiden Vorjahren. 2016 und 2017 wurden gebietsweise enorme Schäden durch Frost verursacht. Während die beiden Frostereignisse den Winzern wohl noch länger in Erinnerung bleiben werden, ist bei den Reben bereits alles vergessen. Den Pflanzen seien keine Folgeschäden mehr anzusehen, stellt Jürg Waber fest.

Neue Beiträge seit 2018

Seit 2018 werden im Rebbau Ressourceneffizienzbeiträge für einen Verzicht oder Teilverzicht auf Herbizide und Fungizide gewährt. Bei einem reduzierten Einsatz von Herbiziden dürfen nur bestimmte Blattherbizide unter dem Stock auf einer Breite von maximal 50 cm eingesetzt werden. Bewilligt für die Behandlung sind Glyphosate und Pyraflufenethyl. Der Beitrag für diese Massnahme beträgt im Jahr 200 Fr./ha. Bei einem vollständigen Verzicht erhöht sich der Betrag auf 600 Fr./ha. Wird auf den Einsatz von Fungiziden verzichtet, die auf der Liste der «Pflanzenschutzmittel mit besonderem Risikopotenzial» stehen und höchstens 1,5 kg Reinkupfer pro Hektare und Jahr eingesetzt, so kann ein Beitrag von 200 Fr. bezogen werden. Wird überhaupt kein Kupfer ausgebracht, sind es 300 Fr./ha. Die verschiedenen Massnahmen können zum Teil einzeln angemeldet werden, zum Teil nur in Kombination.

Flächen, für welche bereits Beiträge für biologische Landwirtschaft bezogen werden, können nicht für die oben genannten Massnahmen angemeldet werden.

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«Man muss jedes Jahr mit allem rechnen.»

Jürg Waber, Berater fenaco Pflanzenschutz, Fachgebiete Wein und Gemüsebau

Innovative Technologie

Viele Bestrebungen sind im Gange, um den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln effizienter zu gestalten. So könnten beispielsweise Pflanzenschutzmittel per Drohne ausgebracht werden. Die präzise Applikation ermöglicht eine sparsame Dosierung; gleichzeitig wird der Boden geschont, da er nicht mehr befahren werden muss. Das Interesse an dieser Methode sei gross. Jürg Waber gibt jedoch zu bedenken, dass bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln mit Drohnen hohe Auflagen eingehalten werden müssen. 

Eine weitere neue Technologie, die kürzlich vorgestellt wurde, ist die Unkrautbekämpfung mittels Wasser. Auf dem Gutsbetrieb «Grand Brûlé» im Wallis wird in einer dreijährigen Testphase eine Maschine geprüft, die Wasserstrahle mit einem Druck von 1200 bar vertikal auf den Boden schleudert. Laut dem Kanton Wallis werden so nicht nur die oberirdischen Teile des Unkrauts zerstört, sondern auch der obere Teil der Wurzeln bis zu einer Tiefe von zwei bis vier Zentimetern. Der Wasserverbrauch betrage etwa 25 cl pro Meter.

Neue Herausforderungen

Nach Einschätzung von Jürg Waber werden zukünftig verstärkt Neophyten auftreten. Dazu gehört auch das Berufkraut, welches zum Neophyt des Jahres ernannt wurde. Dass man immer mit Neuem rechnen muss, zeigt sich auch am Beispiel des Grapevine Pinot Gris Virus (GPGV). In der Schweiz wurde der Virus 2016 erstmals in Graubünden nachgewiesen. Befallene Reben haben aufgehellte, chlorotische Blätter. Es kommt zu Wuchsdepressionen und Ertragsverlusten.

Genau beobachten

Das Resümee von Jürg Waber lautet: «Man muss jedes Jahr mit allem rechnen». Um rechtzeitig auf (neu) aufkommende Krankheiten, Schädlinge und Unkräuter reagieren zu können, sollte man seine Reben genau beobachten und den Blick auf das Ungewöhnliche richten. Unterstützung finden Winzer bei den Fachberatern von fenaco Pflanzenschutz sowie bei den kantonalen Rebbaukommissären. 

Neophyt des Jahres

Das Einjährige Berufkraut ist zum Neophyt des Jahres 2018 erklärt worden. Neophyten sind gebietsfremde Arten. Nicht alle von diesen Pflanzen stellen ein Problem dar, doch einige breiten sich invasiv aus und verdrängen die einheimische Flora. Zu diesen invasiven Arten gehört auch das Einjährige Berufkraut (Erigeron annuus). Das Aussehen der Blüte ähnelt dem Gänseblümchen. Die Pflanze wird 30 bis 120 cm hoch und bildet zahlreiche Flugsamen, mit welchen sie sich ausbreitet. Das Berufkraut ist eine anspruchslose Pflanze, die sich vor allem an Ruderalstandorten, Magerwiesen und Buntbrachen etabliert. Immer mehr ist es auch im Rebberg anzutreffen. Bei Rebflächen mit natürlicher Artenvielfalt darf gemäss Direktzahlungsverordnung der Deckungsgrad an Neophyten nicht mehr als fünf Prozent der Gesamtfläche betragen. Zur Bekämpfung des Berufkrauts empfiehlt die Arbeitsgruppe invasive Neobiota (AGIN), Einzelpflanzen mit der Wurzel auszureissen. Bei grösseren Beständen sollte mehrmals pro Jahr vor dem Versamen gemäht werden. Dadurch werden die Pflanzen aber nicht vollständig eliminiert, sondern es wird lediglich eine Ausbreitung verhindert. Deshalb ist eine Kombination von Mähen und Ausreissen ratsam. Pflanzenreste müssen professionell kompostiert oder in der Kehrichtanlage entsorgt werden.

Nationale Weinbranche fordert Aufschub

Beim Wein sichert seit 20 Jahren die Bezeichnung AOC die Herkunft der Weine. Das Bundesamt für Landwirtschaft möchte nun anstelle der AOC das System der AOP-IGP auf den Wein ausweiten. Damit solle den geschützten Bezeichnungen für Weinbauernerzeugnisse zwischen der Schweiz und der EU genüge getan werden. Das BLW erhofft sich, dass sich dadurch ein grösseres Potenzial und ein grösserer Mehrwert für Schweizer Weine ergibt. Die Weinbranche hingegen befürchtet, dass strengere Ursprungsbezeichnungen auch zu einer erheblichen Verteuerung der Produkte führen, was sich negativ auf die Konkurrenzfähigkeit der Schweizer Weine auswirken kann. Die nationale Weinbranche – zusammengesetzt aus den Weinbauern und dem Weinhandel – fordert in einem Brief an den Gesamtbundesrat einen Marschhalt bezüglich der neuen AOP-IPG Richtlinien und dass die bewährten AOC-Bestimmungen als AOP-Regeln übernommen werden. Konkret beinhaltet das Schreiben zwei Forderungen: Erstens soll der eingebrachte eigene Vorschlag als Ausgangslage der Zusammenarbeit mit der Branche angenommen und zweitens für die weitere Ausarbeitung des AOP/IGP-Projektes mehr Zeit mit zusätzlichen zwei Jahren eingeräumt werden.

Roland Müller

Markteinführung von Agrardrohnen bei Agrofly

Das von Frédéric Hemmeler gegründete Unternehmen Agrofly ist spezialisiert auf die Herstellung von Drohnen. Noch schlummert in der Firma ein kaum ausgeschöpftes Expansionspotenzial. Zwischen 2016 und 2018 wurden zusammen mit Agroscope und Syngenta zahlreiche Versuche durchgeführt. Das Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln mit Drohnen wurde nun bewilligt, was eine raschere Marktverbreitung gewährleistet. An der Agrovina im vergangenen Januar wurde eine Drohne der Firma Agrofly präsentiert, die letzten Versuche damit erfolgten dann im April 2018. Seit der Markteinführung im März konnten bereits sechs Drohnen verkauft werden. Die Kunden erhalten beim Einsatz der Drohne Unterstützung und Begleitung durch das Unternehmen. Die Funktionsweise ist einfach: Vorerst wird die Parzelle kartographiert, die Drohne bewegt sich dann durch die Nutzung eines GPS mit maximaler Präzision. Bei jedem Ausbringen eines Pflanzenschutzmittels wird eine Breite von 2,2 m behandelt. Die Düsen sind mit einer automatischen Öffnungs- und Schliesstechnik versehen, um ausschliesslich die ausgewählten Pflanzenreihen zu besprühen. Mit den Drohnen kann die Behandlung zielgerichtet ausgeführt und Abdrift vermindert werden.

Ziel ist, den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und die Schutzbehandlung gezielt durchzuführen. Das Verwenden von Drohnen beugt der Bodenverdichtung vor, reduziert die Lärmemissionen (85 Dezibel in 5 m Höhe) und die Arbeitnehmenden sind in weitaus geringerem Masse den Pestiziden ausgesetzt. Frédéric Hemmeler beschreibt das Unternehmen Agrofly mit folgenden Worten: «Das richtige Produkt, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.»

Virginie Favier, Trainee fenaco-LANDI

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