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Betriebsführung

Der Eber kommt im Taxi

Peter Schmitz setzt in seinem Zuchtsauenstall auf neue Technologie. Während beispielsweise der Eber bei seiner Vorbeifahrt im Taxi die Sauen berauscht, kümmert sich der Landwirt alleine um das Decken. Dank zusätzlichem «Low Energy»-Stallkonzept spart der Landwirt aber nicht nur Personal-, sondern auch Energiekosten.

Die automatische Vorbeifahrt mindert die Rivalität. Werden die Sauen gleichmässig vom Eber stimuliert, erhöht sich der Besamungserfolg.

Die automatische Vorbeifahrt mindert die Rivalität. Werden die Sauen gleichmässig vom Eber stimuliert, erhöht sich der Besamungserfolg.

(Bild: Irène Ettlin)

Publiziert am

Redaktorin, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Landwirt Peter Schmitz ist mit seinem Betrieb Teil einer arbeitsteiligen Ferkelproduktion – eines sogenannten AFP-Rings. Ein Ring besteht in der Regel aus einem Deck- und Wartebetrieb sowie mehreren Abferkel- und Aufzuchtbetrieben. Auf seinem Deck- und Wartebetrieb belegt Peter Schmitz die Zuchtsauen des Rings und betreut die Sauen während der Trächtigkeit, bis sie seinen Betrieb in der 16. Trächtigkeitswoche verlassen und nach dem Absetzen der Ferkel wieder zurückkommen.

Spezialisierung als Chance

Bis vor gut vier Jahren betrieb Peter Schmitz im bernischen Untersteckholz einen der Abferkelbetriebe des Rings. Als ein Deck- und Wartebetrieb aufhörte, entschied er sich, diese Rolle für den AFP-Ring zu übernehmen und den Heimbetrieb entsprechend neu zu organisieren und zu erweitern. «Innerhalb des Rings hat jeder Landwirt sein Spezialgebiet. Entsprechend sind die Ställe an die Bedürfnisse der Tiere im jeweiligen Stadium angepasst», erklärt Peter Schmitz. Um neu die Aufgabe als Deck- und Wartebetrieb des Rings zu übernehmen, wurde ein neuer Stall gebaut.

Natürliche Lüftung für ein gutes Stallklima

Peter Schmitz entschied sich für ein ATX-Low-Energy-Stallkonzept mit Schlauchfenstern, da er beim kurz vorher umgebauten Jagerstall mit dem gleichen System gute Erfahrungen gemacht hatte. «Wir haben noch nie einen Morenstall in dieser Dimension gebaut – daher wussten auch wir nicht, worauf wir uns einlassen», sagt Patrick Bucher, Geschäftsführer ATX Suisse GmbH.

«Man lüftet den Stall wie zu Hause die Wohnung – kurz, aber intensiv»

Patrick Bucher, ATX Suisse GmbH

Die markanten Schlauchfenster ähneln Luftmatratzen und sorgen für eine natürliche Frischluftzufuhr im Stall. «Man lüftet den Stall wie zu Hause die Wohnung – kurz, aber intensiv», erklärt Patrick Bucher weiter. Mithilfe der Thermik wird in kurzer Zeit eine grosse Menge Luft umgewälzt, und die Lüftung kann so sehr energiearm betrieben werden.

Energieeffizienter Kaltstall

Dank dem Lüftungskonzept hat Peter Schmitz von Frühling bis Herbst kaum Energiekosten. Dafür braucht es Erfahrung im Management, denn das Innenklima ist im Winter entsprechend kühler: «Anstatt 25 Grad herrschen im ganzen Stall ausserhalb der Liegeboxen Temperaturen um nur rund 15 Grad», erklärt der Landwirt. Er ist allerdings überzeugt, dass sogenannte Kaltställe auch in der Schweineproduktion die Zukunft sind, wie es auch die Entwicklung in der Rindviehhaltung zeige.

«Das Hauptziel war es, dass alles möglichst einfach, rationell und wirtschaftlich geht»

Technik und Details

Ein hoher Automatisierungsgrad war Peter Schmitz auch in den anderen Bereichen enorm wichtig, und das habe er sich auch etwas kosten lassen, sagt Stallbauer Patrick Bucher. «Das Hauptziel war es, dass auch bei einer grösseren Anzahl Schweinen alles möglichst einfach, rationell und wirtschaftlich geht», ergänzt der Landwirt. Fütterung, Misten und Einstreuen funktionieren quasi per Knopfdruck. «Das war auch für uns eine Herausforderung», ergänzt Patrick Bucher. So hätten sie für die automatische Öffnung der Liegeboxendeckel drei verschiedene Systeme ausprobiert, bis eines funktioniert habe. «Allerdings liegt der Hund immer im Detail begraben», schmunzelt Peter Schmitz. So waren nachträglich einige Anpassungen vorzunehmen, um die optimale Funktion des Mistroboters zu gewährleisten.

Strukturierte Abläufe

Auffällig in diesem Stall sind die klaren Strukturen: Für die rund 300 Galtsauen in der Grossgruppe wurden 90 Liegekisten eingebaut. So haben die Tiere genügend Möglichkeiten, sich zurückzuziehen. Beim Integrieren von wöchentlich rund 40 frisch gedeckten Sauen kommt es daher nur kurz zu Rangkämpfen. Dabei ist die grosse Anzahl an Zuchtsauen in dieser Gruppe ein Vorteil. Daneben passiert auch die Selektion der Sauen automatisch. Sauen, die oft beim Fenster des Ebers vorbeischauen, werden per Chip erfasst, markiert und später in den Deckstall umgeleitet. «Durch die Automatisierung können wir uns auf die Deckarbeit und das Beobachten der Tiere konzentrieren», erklärt Peter Schmitz. Und für die Deckarbeit gibt es ein automatisches Ebertaxi. So kann im Deckstall eine Person allein arbeiten. Seit gut einem Jahr leben die Zuchtsauen nun im neuen Stall und die Erfahrungen bis jetzt sind positiv.

Die Sauen zum richtigen Zeitpunkt besamen

Eine gute Stimulation der Sauen gibt auch wichtige Hinweise zum Besamungszeitpunkt. Die Sauen müssen zum Stimulationspeak besamt werden. Alles andere beeinträchtigt den Besamungserfolg. Dazu ist bei den Sauen ab dem Tag des Absetzens zweimal täglich eine Duldungskontrolle mit mehreren Ebern durchzuführen. Wichtig: Sämtliche Tätigkeiten rund ums Besamen – angefangen beim Absetzen über die tägliche Brunstkontrolle bis hin zur Besamung selbst – sollten zu festen Tageszeiten erfolgen. 

Betriebe im Fokus

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