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Betriebsführung

Der Hof kommt früher als der Meister

Lukas Jäggi übernahm den elterlichen Betrieb früher als geplant. Kurz nach seinem EFZ-Abschluss als Landwirt wurde er Betriebsleiter und begann gleichzeitig die Ausbildung an der Betriebsleiterschule. Sein Weg zeigt, wie wichtig Fachwissen, betriebswirtschaftliches Denken und ein starkes Netzwerk sind.

Lukas Jäggi auf seinem Betrieb in Etziken (SO). Der Meisterlandwirt investiert erst, wenn die Zahlen stimmen.

Lukas Jäggi auf seinem Betrieb in Etziken (SO). Der Meisterlandwirt investiert erst, wenn die Zahlen stimmen.

(Bild: Renate Hodel)

Publiziert am

Redaktorin, Landwirtschaftlicher Informationsdienst LID

Der Weg von Lukas Jäggi in die Landwirtschaft war früh angelegt. Er wuchs auf dem elterlichen Betrieb auf und war als Kind oft mit seinem Vater unterwegs. «Ich habe es immer gerne gemacht und bin so Schritt für Schritt in die Arbeit hineingewachsen», sagt der heute 28-Jährige.

Trotzdem führte sein erster beruflicher Weg nicht direkt in den Stall. Er lernte zunächst Elektriker. «Das war das Beste, was ich machen konnte», sagt er heute. Die Ausbildung gebe ihm Sicherheit und ein zweites Standbein. Auf dem Betrieb könne er dank seines handwerklichen Wissens vieles selbst umsetzen.

Hofübernahme früher als geplant

Dass er den Hof einmal übernehmen würde, war für Lukas Jäggi klar – nur nicht so früh. Nach seiner Zweitausbildung als Landwirt strebte er zunächst das Meisterdiplom an. Doch als sein Vater erkrankte, übernahm er den Betrieb in Etziken (SO) bereits Anfang 2024, nur ein halbes Jahr nach dem EFZ-Abschluss. Kurz danach verstarb sein Vater. «Es ging alles sehr schnell», sagt er rückblickend. Aus dem schrittweisen Einstieg wurde ein Sprung ins kalte Wasser.

Lukas Jäggi Betriebsleiter 4554 Etziken (SO)

«Die Weiterbildung gibt mir das Rüstzeug, Projekte zuerst seriös durchzurechnen.»

 

Betriebsübernahme 2024 | LN 29 ha | Ackerbau: Kartoffeln, Rüebli, Zwiebeln (Inoverde), Konservenerbsen (Frigemo) | 22 Mastkühe, 5 Mastmunis | Pouletproduktion in Planung

Trotz dieser herausfordernden Phase entschied er sich für die Betriebsleiterschule, die er im Sommer 2026 mit der Meisterprüfung abschliessen will. Bereits im letzten EFZ-Ausbildungsjahr wurde ihm klar, dass das Wissen für die Führung eines eigenen Betriebs nicht ausreicht. Besonders bei den Zahlen war er unsicher. «Wir haben die landwirtschaftliche Buchhaltung angeschaut, aber nicht sehr vertieft – und ich merkte, dass das nicht reichen würde», erzählt er.

Unternehmerische Betriebsführung

Landwirtschaft besteht längst nicht mehr nur aus Stall und Feld. «Hinter einem Betrieb steht heute ein ganzer Bürokratieapparat mit Buchhaltung, Investitionen, Bauvorhaben und Vorgaben», sagt Lukas Jäggi.

«Es reicht nicht, den Jahresgewinn mit dem Kontostand zu vergleichen.»

Lukas Jäggi, Betriebsleiter

Gerade deshalb sei es wichtig, die Zahlen zu verstehen. «Es reicht nicht, den Jahresgewinn mit dem Kontostand zu vergleichen und die Sache als erledigt abzutun, wenn die Zahlen ungefähr übereinstimmen.»

Dieses Verständnis will Lukas Jäggi nutzen, um den Betrieb weiterzuentwickeln. Auf dem Hof mit Ackerbau und Mastrindern plant er eine Pouletproduktion mit 16 500 Plätzen. Die Idee entstand schon zu Zeiten seines Vaters; gemeinsam besichtigten sie damals andere Anlagen. Nach der Übernahme machte Jäggi daraus ein konkretes Projekt. In der Betriebsleiterschule belegte er dazu das Modul «Geflügelfleischproduktion BF12» am Aviforum in Zollikofen. «Dank der Ausbildung fing ich nicht ganz bei null an», sagt er. Seit drei Jahren arbeitet er an den Plänen; bis zum Baustart dürfte es jedoch noch mindestens ein Jahr dauern.

Entscheide mit Zahlen absichern

Auch in anderen Bereichen hilft ihm die Ausbildung, betriebliche Entscheide zu treffen. Die Kartoffelernte etwa lässt er von einem Lohnunternehmer mit einem zweireihigen Kartoffelroder erledigen. Für die 2 ha brauchen sie mit der Maschine rund zehn Stunden. «Würde ich das selbst machen, wäre ich etwa vier Wochen beschäftigt», rechnet Lukas Jäggi vor. Entscheidend sei nicht nur der Preis, sondern der Nutzen. Vor allem bei der geplanten Geflügelhalle half ihm das Rechnen von Bauprojekten. Im Businessplan für den Meisterabschluss prüfte er zudem weitere Zukunftsszenarien für seinen Betrieb. «Ich habe heute das Rüstzeug, Projekte zuerst seriös durchzurechnen, bevor ich viel Geld und Arbeit investiere», sagt er.

Weiterbildung zum richtigen Zeitpunkt

Vor allem das erste Jahr nach der Übernahme sei hart gewesen. «Ich hatte immer zu tun und keine Zeit, irgendwelchen Gedanken nachzuhängen», sagt Lukas Jäggi. Vielleicht habe gerade das geholfen. Unterstützung erhielt er von Kollegen und von seinem Bruder. Rückblickend sagt er, idealerweise würde man die Weiterbildung vor der Übernahme machen. In seiner Situation war das jedoch keine Option. Darauf verzichten wollte er trotzdem nicht – aus Sorge, später den Anschluss oder die Motivation für die Weiterbildung zu verlieren.

Der Weg zum Meisterabschluss

Die Betriebsleiterschule (BLS) vermittelt betriebswirtschaftliches und agronomisches Wissen für die Führung eines Landwirtschaftsbetriebs und führt je nach Abschluss zur Berufs- oder Meisterprüfung. Die Ausbildung ist modular aufgebaut und wird meist berufsbegleitend an den landwirtschaftlichen Berufszentren der Schweiz absolviert. www.agri-job.ch

Neben dem fachlichen Wissen hebt Lukas Jäggi auch den Wert des Netzwerks hervor. In der Weiterbildung lerne man neue Leute kennen, tausche Erfahrungen aus und bekomme auch betriebszweigspezifische Tipps. In einer immer spezialisierteren Landwirtschaft sei das fast so wertvoll wie ein Schulmodul.

Anderen rät er, Weiterbildung bewusst zu planen. «Ein paar Jahre Praxiserfahrung helfen sicher», sagt er. Wer einen Betrieb hauptberuflich führen wolle, dem empfehle er die Ausbildung klar: «Schaden tut es niemandem.»

Serie Berufsbildung

2026 stellt der LID in seiner Serie Personen vor, die sich nach ihrer landwirtschaftlichen Grundausbildung weiterqualifiziert haben oder über einen höheren Bildungsweg den Einstieg in die Landwirtschaft gefunden haben.

Unterstützung und Hilfsmittel zur Öffentlichkeitsarbeit auf:  www.lid.ch/baeuerinnen-und-bauern

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