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Betriebsführung

Gesundes Betriebswachstum

Wer einen Landwirtschaftsbetrieb vergrössern will, trifft Entscheide mit langfristigen Folgen für den Betrieb. Mehr Fläche, grössere Tierbestände oder neue Betriebszweige verändern Finanzierung, Arbeit und Risiko. Die Wirtschaftlichkeit bleibt dabei der entscheidende Prüfstein.

Der Betrieb der Familie Steiger in Büron (LU) zeigt, was ein neuer Milchviehstall bedeutet. Wer effizienter arbeiten will, braucht mehr Kapital, muss In...

Der Betrieb der Familie Steiger in Büron (LU) zeigt, was ein neuer Milchviehstall bedeutet. Wer effizienter arbeiten will, braucht mehr Kapital, muss Investitionen gut planen und Risiken sorgfältig einschätzen. «Zuerst rechnen, dann entscheiden», bringt es die Familie Steiger im Interview auf den Punkt. 

(Bild: Tannenhof)

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Quer gelesen

  • Betriebswachstum ist sinnvoll, wenn Investitionen wirtschaftlich sind und Schulden, Arbeit und Risiken tragbar bleiben.
  • Fremdkapital muss innerhalb der technischen Nutzungsdauer der Investition zurückbezahlt werden können.
  • Ein Verschuldungsfaktor von mehr als 12 Jahren gilt als strukturell riskant.

Wachstum ist in der Landwirtschaft meist untrennbar mit Investitionen verbunden. Neue Gebäude, Betriebszweige, Technik oder Flächen erweitern nicht nur die Produktionskapazität, sondern verändern die betriebswirtschaftlichen Grundlagen eines Betriebs.

Die Investitionsentscheidungen bestimmen langfristig, wie stark Zinsen und Rückzahlungen die Liquidität des Landwirtschaftsbetriebs belasten und welchen betriebswirtschaftlichen Risiken sich der Betrieb aussetzt. Die Wachstumsmöglichkeiten eines Betriebs werden durch die Wirtschaftlichkeit, die Arbeitskapazität, rechtliche Vorgaben und Marktbedingungen begrenzt (siehe Grafik).

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Die Wachstumsmöglichkeiten eines Landwirtschaftsbetriebs werden durch mehrere Einflussgrössen begrenzt. Neben Markt und rechtlichen Rahmenbedingungen spielen auch finanzielle Tragbarkeit, Arbeitskapazität und Risikotragfähigkeit eine Rolle. Häufig setzt bereits eine einzelne Einflussgrösse die Wachstumsgrenze.

Mehr produzieren oder mehr Wert schöpfen

Das Wachstum der Betriebe erfolgt häufig über zusätzliche Flächen oder über eine Erhöhung der Tierbestände, insbesondere bei Schweinen und Geflügel. Die Aufstockung der Tierzahlen erfolgt meist über Investitionen in zusätzliche Stallplätze. Flächenwachstum entsteht sowohl durch zusätzliche Pachtflächen als auch durch den Zukauf von Land.

Laut einer Auswertung von Daten des Bundesamts für Statistik (BFS) wuchs die landwirtschaftliche Nutzfläche pro Betrieb zwischen 2000 und 2024 um rund 69 000 m2 . Das entspricht einem durchschnittlichen Flächenzuwachs von etwa 2875 m2 pro Betrieb und Jahr. Geht man davon aus, dass zwei Drittel des Wachstums über Zupachtflächen und ein Drittel über Landzukauf zum Verkehrswert von Fr. 7.– pro m2 erfolgen, ergeben sich jährliche Kosten von durchschnittlich rund Fr. 6700.–.

Mit ähnlich hohen Investitionen muss auch in der Rindviehhaltung gerechnet werden. Ein zusätzlicher Stallplatz kostet je nach Bauweise zwischen Fr. 10 000.– und Fr. 40 000.–. Deutlich tiefere Kosten entstehen durchschnittlich beim Ausbau der Schweine- und Geflügelhaltung. Gemäss der Auswertung wächst der Tierbestand pro Betrieb und Jahr im Durchschnitt um rund 7 Schweine beziehungsweise 23 Geflügeltiere. Höhere Erlöse können jedoch nicht nur durch mehr Fläche oder höhere Tierzahlen erzielt werden. Eine Alternative ist, die Wertschöpfung pro Produkteinheit zu erhöhen, etwa durch eine Verlängerung der Wertschöpfungskette oder durch eine Umstellung auf Label-Programme wie die biologische Landwirtschaft.

Wachstum muss wirtschaftlich sein

Ob sich eine Investition auszahlt, zeigt sich daran, ob nach der Investition ein ausreichender Lohn erzielt werden kann und ob der Betrieb genügend Geld erwirtschaftet, um Zinsen und Rückzahlungen für die Investition zu bedienen. Ab welcher Höhe der erzielte Lohn als wirtschaftlich eingestuft wird, hängt von den persönlichen Bedürfnissen ab. Als Zielgrösse wird aktuell Fr. 32.–/h definiert.

Betriebswirtschaft kompakt

Dieser Beitrag ist Teil einer fünfteiligen Artikelserie, die 2026 in der UFA-Revue zu betriebswirtschaftlichen Themen erscheint. Die Inhalte vermitteln betriebswirtschaftliche Grundlagen für das Führen eines Landwirtschaftsbetriebs und sind Bestandteil der Lehre an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL in verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen. www.bfh.ch

Der jährliche Kapitaldienst, also Zinsen und Rückzahlungen, muss kleiner sein als das Geld, das dem Betrieb nach Abzug der laufenden Betriebskosten zur Verfügung steht (Cashflow). Idealerweise sollte er höchstens 80 % des durchschnittlichen Cashflows der letzten drei bis fünf Jahre betragen. So bleibt ein Puffer für wirtschaftlich schwache Jahre. Zudem können daraus Erweiterungsinvestitionen finanziert sowie Rücklagen für die Vorsorge des Betriebsleiterpaars gebildet werden.

Eine zu hohe Tilgung überfordert den Betrieb.

Eine zentrale Bedeutung kommt der Höhe der Tilgung zu. Die Tilgungshöhe wird einerseits durch die Kreditgeber vorgegeben. Andererseits soll die Tilgungshöhe des Fremdkapitals so festgelegt werden, dass sich das Fremdkapital aus den Investitionen innerhalb ihrer technischen Nutzungsdauer tilgen lässt. Sonst überfordert das Wachstum möglicherweise den Betrieb.

Gesamtverschuldung im Blick behalten

Der Verschuldungsfaktor ist ein weiterer Indikator, der zeigt, ob der Betrieb die Investition verkraftet. Während sich die Tilgung einzelner Investitionen an deren technischer Nutzungsdauer orientieren sollte, betrachtet der Verschuldungsfaktor die Verschuldung des gesamten Betriebs. Er beschreibt, innerhalb von wie vielen Jahren das Fremdkapital nach Abzug von Debitoren und flüssigen Mitteln mit dem Cashflow nach den Privatabzügen zurückbezahlt werden kann. Ziel sind 5 bis 8 Jahre. Beträgt der Wert über 12 Jahre, gilt die Investition als strukturell riskant.

 

Barbara & Bernhard Steiger Tannenhof 1, 6233 Büron

«Eine grössere Investition sollte auch familiär gut durchdacht sein.»

 

 

LN: 29 ha | Nutztiere: 112 ZS, 50 MK | Arbeitskräfte: Betriebsleiter, Angestellte (80 %), 1 Lernender | Investitionen in den letzten 10 Jahren: Fr. 2,7 Mio. (ZS-Stall, MV-Stall) | Produk tionsziel: 600 000 kg Milch, 3300 Jager

 

Was war der Grund für die Investition in einen Milchviehstall?

Der Anbindestall war über 50 Jahre alt. Die Tierschutzanforderungen waren zwar erfüllt, passten aber nicht mehr zum Leistungsniveau der Kühe. Zudem war die Produktionsform arbeitswirtschaftlich ineffizient. Zwei moderne Betriebszweige erhöhen auch die Attraktivität für Lernende und Angestellte.

 

Wie habt ihr geprüft, ob sich die Investition für euren Betrieb rechnet?

An einer Weiterbildung beim BBZN Hohenrain «Bewusst Unternehmen» prüften wir das geplante Projekt intensiv. Eine SWOT-Analyse und Prüfung der Betriebsbuchhaltung waren ein wichtiger Teil. Die Berechnung mithilfe von BETVOR ist ein unumgänglicher Faktor in der Entscheidungsphase. Eine Detailplanung lohnt sich erst, wenn klar ist, dass ein Projekt finanziell und raumplanerisch realisierbar ist.

 

Was hat sich seit der Investition verändert?

Der Betrieb ist heute grösser und komplexer. Neue Technik wie Melkroboter, Tierüberwachung und ein optimiertes Stallklima verbessern die Abläufe im Alltag. Mehr Dokumentationen stellen zudem höhere Anforderungen an die Betriebsführung. Die Arbeit wurde körperlich leichter, aber anspruchsvoller in Planung und Organisation. Wir befinden uns noch in der Wachstumsphase, die geplante Herdengrösse ist aber bald erreicht. Der Zuchtsauenstall ergänzt den Betrieb als stabiler und wirtschaftlich wichtiger Produktionszweig. Die Fixkosten wie Abschreibungen, Zinsen und Wartung sind gestiegen und damit auch das Risiko. Gleichzeitig erhöhen die Mehrmengen und gesteigerte Effizienz den Umsatz und damit das Gewinnpotenzial.

 

Wo seht ihr Grenzen des Wachstums in eurem Betrieb?

Durch eine bessere Auslastung der Technik liesse sich der Betrieb noch etwas optimieren. Für einen grösseren Wachstumsschritt müsste der Betrieb aber auch flächenmässig wachsen können. In welcher Form und unter welchen Bedingungen so ein Wachstum realisiert werden könnte, spielt bei einer betriebswirtschaftlichen Berechnung eine zentrale Rolle.

 

Was würdet ihr anderen Betrieben vor einer grösseren Investition raten?

Eine grössere Investition sollte nicht nur betriebswirtschaftlich, sondern auch familiär gut durchdacht sein. Wichtig sind sorgfältige Vorabklärungen: zuerst rechnen, dann entscheiden. Steht eine Hofnachfolge an, sollte die nächste Generation früh einbezogen werden. Die Arbeitswirtschaft soll ehrlich bewertet werden und die Investition muss zur Betriebsstrategie passen.

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