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Betriebsführung

Der Milchpreis hängt am Weltmarkt

Die Milchproduktion hat in der Schweizer Landwirtschaft einen grossen Anteil an der Wertschöpfung. Bis die Milch beim Konsumenten landet, durchläuft sie Erstmilchkäufer, Verarbeiter und Händler. Diese Konstellation prägt den Markt und beeinflusst den Milchpreis, welcher zusätzlich von internationalen Marktindikatoren und weiteren Einflüssen abhängig ist.

Moderne Melktechnik reduziert die Arbeitsbelastung und gibt Milchbetrieben Flexibilität. Das relativiert die höheren Kosten. 

Moderne Melktechnik reduziert die Arbeitsbelastung und gibt Milchbetrieben Flexibilität. Das relativiert die höheren Kosten. 

(Bild: Mooh Genossenschaft)

Publiziert am

Leiterin Kommunikation, mooh Genossenschaft

In der Schweiz gibt es gut 17000 Milchbäuerinnen und Milchbauern und fast neun Millionen Konsumentinnen und Konsumenten. Viele Anbieter stehen also noch mehr Nachfragern gegenüber. Bis die Milch aber wirklich bei den Konsumenten landet, braucht es noch Erstmilchkäufer, Verarbeiter und Detailhändler. Da Letztere in der Schweiz hingegen eher rar gesät sind, ergibt sich eine X-Struktur am Markt, was eine erhöhte Marktmacht für die Unternehmen in der Mitte mit sich bringt.

Quer gelesen

  • Mit einem Selbstversorgungsgrad von über 100 Prozent ist der Schweizer Milchmarkt vom Export abhängig.
  • Ein Grenzschutz besteht nur für einen Teil der produzierten Milchmenge.
  • Den Preis, den Produzenten für die Milch erhalten, legen Erstmilchverkäufer fest, welche die Milch gebündelt vermarkten.

Erstmilchkäufer bündeln Produzenten

Um in dieser X-Struktur als Produzenten nicht unterzugehen, bündeln sie ihre Interessen bei ihrem Erstmilchkäufer. Hier gibt es zwei Arten von Organisationen: die Produzentenorganisation (PO) und die Pro-duzenten-Milchverwerter-Organisation (PMO). Die PO kaufen die Milch als Erstmilchkäufer beim Produzenten und verkaufen sie an verschiedene Kunden, also Verarbeiter, weiter. Bei einer PMO ist ein Milchverwerter Teil der Organisation. Dieser übernimmt und verarbeitet die Milch der Produzenten. Die PMO-Mitglieder beliefern so als Direktlieferanten einen Verarbeiter oder eine Käserei.

Der Schweizer Milchmarkt ist ein halbgeschützter Markt. 

Der Milchpreis, den die Produzenten erhalten, wird von eben diesen Erstmilchkäufern festgelegt. Wie hoch dieser ausfällt, hängt unter anderem vom Verhandlungsergebnis des Erstmilchkäufers ab. Bei der PMO bestimmt der Verarbeiter mit seinen Lieferanten den Milchpreis direkt. Bei der PO verhandeln die Vertreter der Milchproduzenten den Verkaufspreis mit verschiedenen Verarbeitern. Neben dem Verhandlungsergebnis gibt es weitere Faktoren, die den Milchpreis beeinflussen.

Gelbe Linie offen, weisse Linie geschützt

Der Schweizer Milchmarkt ist ein halbgeschützter Markt. Das heisst, bei Käse – die sogenannte gelbe Linie – gibt es Freihandel und damit keinen Grenzschutz. Die weisse Linie, also Trinkmilch, Rahm, Joghurts und so weiter, profitiert bis heute vom Grenzschutz. Mit einem Selbstversorgungsgrad von 104 Prozent ist der Milchmarkt direkt vom Export abhängig. Was in der Schweiz nicht konsumiert wird, wird exportiert. Da auch Käse und Milchprodukte importiert werden, liegt der Exportanteil weit höher als vier Prozent. 2023 war zudem das erste Jahr, wo mehr Käse importiert als exportiert wurde. So wird deutlich, dass die Schweizer Milchpreise vom Export und damit von den Weltmarktpreisen abhängig sind. Verschiedene internationale Marktindikatoren helfen für die Einschätzung des Weltmarkts (siehe Kasten).

Marktindikatoren international

Um die Entwicklung des internationalen Marktes einzuschätzen, stützen sich die Marktpartner auf verschiedene Indikatoren:

  • Kieler Rohstoffwert Milch. Der Kieler Rohstoffwert Milch ist ein Frühindikator für die Preisentwicklungen auf dem Milchmarkt in Deutschland und gilt für eine Standardmilch mit 4,0 Prozent Fett und 3,4 Prozent Eiweiss ab Hof des Milchproduzenten ohne Mehrwertsteuer. Er wird auf Basis der durchschnittlichen Marktpreise für Butter (Fett) sowie für Magermilchpulver (Protein) berechnet.
  • LTO. Der LTO-Preis ist der durchschnittliche Milchpreis, welchen die grössten europäischen Verarbeiter bezahlen. Dieser wird von LTO Nederland, dem Bauernverband der Niederlande, erhoben, indem der Durchschnittspreis der grössten europäischen Milchkäufer berechnet wird.
  • GDT. Der Global Dairy Trade (GDT) ist ein Indikator der Neuseeländischen Börse, wie viel Milchprodukte und deren Inhaltsstoffe auf dem Weltmarkt wert sind. Zweimal im Monat gibt es GDT-Events, wo diese Produkte gehandelt werden. Hier gilt der Marktgrundsatz: Je grösser die Nachfrage ist, desto teurer wird das Produkt.

Segmentierung im Milchmarkt

In der Schweiz ist die Segmentierung im Milchmarkt eine wichtige Stütze für die Stabilisierung des Marktes und vor allem auch des Preises. Für alle drei Segmente gibt es Richtpreise.

Der C-Richtpreis entspricht dem Rohstoffwert eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver und Butter für den Export auf den Weltmarkt. Der B-Richtpreis wird auf Basis des Rohstoffwerts eines Kilogramms Milch bei der Verwertung zu Magermilchpulver für den Export auf den Weltmarkt und Butter für den Inlandmarkt festgelegt. Der A-Richtpreis wird vom Vorstand der Branchenorganisation Milch (BOM) festgelegt. Er gilt für Milch im A-Segment mit 4 Prozent Fett und 3,3 Prozent Eiweiss franko Rampe des Verarbeiters exklusive Mehrwertsteuer und inklusive des Zuschlags für Swissmilk green von 3 Rp./kg Milch.

Bei der Festlegung werden die bisherige Preisentwicklung, die Kostenentwicklung sowie eine Markteinschätzung berücksichtigt. Der Vorstand besteht aus der Interessengruppe Produktion und der Interessengruppe Verarbeiter / Handel. Für einen Beschluss muss pro Gruppe eine Mehrheit von drei Vierteln bestehen. Einigt man sich nicht, tritt automatisch der Molkereimilchpreisindex des Bundesamtes für Landwirtschaft (BLW) als neuer A-Richtpreis in Kraft.

Begrifflichkeiten

Segmentierung

Mit der Segmentierung wird die Milch in verschiedene Produktgruppen eingeteilt, je nach Verwertung: 

  • A-Segment. Milchprodukte mit hoher Wertschöpfung (geschützt oder gestützt) 
  • B-Segment. Milchprodukte mit eingeschränkter Wertschöpfung resp. höherem Konkurrenzdruck. Bei B-Milch wird in der Regel das Protein in der Milch ohne Stützung exportiert. 
  • C-Segment. Regulier- resp. Abräumprodukte, welche vollständig (Fett und Eiweiss) ohne Beihilfen exportiert werden.

Zulagen

Die Milchpreisstützungsverordnung verpflichtet Milchverwerterinnen und Milchverwerter, die Zulagen innert Monatsfrist den Produzentinnen und Produzenten weiterzugeben.

  • Verkäsungszulage. Die Verkäsungszulage von 10 Rp./kg verkäster Milch ist in der Regel Bestandteil des festgelegten Milchpreises. Bei der Verkäsungszulage wird vom Verarbeiter an den Bund gemeldet, wie viel Milch er verkäst hat, und er erhält die Zulage vom Bund. Diese wird dann an die Produzenten weitergeleitet.
  • Verkehrsmilchzulage. Die Verkehrsmilchzulage von 5 Rp./kg erhält der Milchproduzent direkt vom Bund ausbezahlt.
  • Fonds BO Milch. Die Einzahlungen für die Fonds der BO Milch für die Exportstützung werden direkt von den Verarbeitern gemacht. Sie sind beim festgelegten Milchpreis bereits abgezogen.

Festlegung Milchpreis

Wie der Milchpreis für die Produzenten festgelegt wird, ist je nach Erstmilchkäufer unterschiedlich. PMOs verhandeln mit ihrem eigenen Verarbeiter und legen so direkt mit ihm den Milchpreis fest. POs verhandeln mit verschiedenen Verarbeitern und es gibt einen Mischpreis.

Teil dieser Verhandlungen sind auch die A- und B-Preise. Denn die Richtpreise werden zwar festgelegt, treten aber nicht automatisch in Kraft. Auch können die A-Preise gar bei einem Kunden variieren, je nachdem wie die Milch verwertet wird. Kunden, die stark im Export tätig sind, koppeln zudem häufig die Preismodelle an internationale Marktindikatoren. Diese haben damit einen direkten Einfluss auf den Preis. Selbstverständlich werden auch die Mengen vereinbart – sowohl die Höhe wie auch die Anteile, welche ins A- und B-Segment fliessen. Zudem fliessen die Fett- und Eiweissgehalte in die Bezahlung ein.

Es gibt Verarbeiter, welche hohe Gehalte besser honorieren im Gegenzug aber auch tiefe Gehalte härter abstrafen. Es gibt weiter Erstmilchkäufer, welche die Verkehrsmilchzulage in ihren Preis einrechnen und den Preis so publizieren, obwohl die Auszahlung direkt über den Bund läuft. 

«Die Forderungen der Milchproduzenten sind gerechtfertigt.»

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René Schwager, Geschäftsleiter Mooh Genossenschaft

(Bild: Mooh Genossenschaft)

Die Milchproduzenten fordern höhere Preise und zeigten dies mit Kundgebungen auf der Strasse. Viel passiert ist aber noch nicht. Was halten Sie von den Forderungen?

René Schwager: Die Forderungen der Milchproduzenten sind absolut gerechtfertigt. Die Kosten sind gestiegen, die Milchpreise zwar bis 2022 auch, seither sind sie aber bereits wieder gesunken – das im Widerspruch zu den Kosten der Produzenten. Fakt ist aber auch, dass seit Mitte 2022 die Preise für Milchprodukte und auch die Produzentenpreise in der EU noch viel stärker eingebrochen sind als bei uns. Daher sind die Preise auch bei uns unter Druck gekommen und wir haben Marktanteile verloren.

Wann geht es nun wieder aufwärts?

Ein Schritt in die entgegensetzte Richtung kommt per Juli mit der Anpassung des A-Richtpreises.

Dieser entspricht aber nicht dem ausbezahlten Milchpreis.

Ja, das ist so. Trotzdem war es ein wichtiges Signal der BO Milch, dass der A-Richtpreis mit Zustimmung der gesamten Branche erhöht wird. Auch die Detailhändler und Verarbeiter haben verstanden, dass es eine Erhöhung braucht, und mindestens im geschützten Heimmarkt sollte eine solche auch umgesetzt werden können.

Wieso war dieser Frühling schwieriger als andere?

Die Verwertung der Milchspitzen im Frühling war während Covid-19 kein Problem. Alle Abnehmer waren auf der Suche nach mehr Milch. Dies half uns auch in der Durchsetzung von Preisforderungen. 2024 haben nun verschiedene Verarbeiter aufgrund von wirtschaftlichen Problemen oder einer neuen strategischen Ausrichtung entschieden, deutlich weniger Milch zu kaufen und zu verarbeiten.

Bauern bekommen also nun einfach weniger Geld für die Milch?

Ja etwas, wir bei Mooh haben aber verschiedene Lösungen gesucht und gefunden. Einerseits haben wir grössere Mengen Käse produziert, welchen wir als Schnittkäse selber exportieren. Weiter arbeiten wir mit der UFA AG zusammen, wo wir Kälbermilchpulver herstellen liessen. Unsere Mitglieder können dieses ab Juni beziehen und erhalten eine Rückvergütung direkt über Mooh. So konnten wir die Milchpreise im Frühling stabilisieren.

Wie schätzen Sie längerfristig den Markt ein?

Ich bin überzeugt, dass Milch und Milchprodukte langfristig grosses Potenzial haben. Ausblicke auf dem Weltmarkt zeigen, dass die Nachfrage stärker steigt als das Angebot und dieses übertreffen wird. Wenn wir uns in der Schweiz mit guten Produkten und einer nachhaltigen Milchproduktion gegenüber dem Ausland differenzieren können, dann ist das eine grosse Chance für uns. Hier ist aber wichtig, dass wir weiter daran arbeiten und mit innovativen Produkten die Käuferschaft auch in Zukunft überzeugen können.

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