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Betriebsführung

Per Post direkt vom Hof

Saisonale und regionale Lebensmittel sind bei Konsumenten beliebt. Aber nicht alle von ihnen haben die nötige Mobilität und Zeit, direkt auf dem Hof einzukaufen. Da kommt das Konzept «Buur on Tour» ins Spiel: ein regionaler Zusammenschluss von Bauern, die ihre Produkte in Zusammenarbeit mit der Post ausliefern.

Produkte ab Hof unterwegs direkt an die Haustüre. Durch den Zustellservice der Post bleibt der Logistikaufwand für «Buur on Tour»-Produzenten minimal, u...

Produkte ab Hof unterwegs direkt an die Haustüre. Durch den Zustellservice der Post bleibt der Logistikaufwand für «Buur on Tour»-Produzenten minimal, und es entsteht kein Mehrverkehr in den Quartieren.

(Bild: Buur on Tour)

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Aktualisiert am

freie Journalistin

Am Donnerstagmorgen ist viel los auf dem Ziegler Hof im solothurnischen Brunnenthal in der Region Bucheggberg. Bis zu zwanzig verschiedene Produzenten aus der Region bringen ihre Produkte zu André Ziegler, der diese gemeinsam mit seinem Team sortiert und die Taschen nach den Bestellungen zusammenstellt. «Bis kurz nach dem Mittag treffen alle Produkte bei uns ein. Sobald alles kommissioniert ist, bringe ich die Taschen zur Zustellstelle der Post», sagt André Ziegler, Am Freitagmorgen liefert die Post die Hofprodukte aus.

Direktvermarktung

Direktvermarktung 2021 legt der Landwirtschaftliche Informationsdienst (LID) mit seiner Serie den Fokus auf die Direktvermarktung und hilft Landwirtinnen und Landwirten in jeder Ausgabe der UFARevue bei einer erfolgreichen Umsetzung. Sämtliche bereits erschienenen Bei träge sind auf unserer Website zu finden.

Unterstützung und Tipps zur Öffentlichkeitsarbeit und Kundenkontakt auf www.lid.ch -> Bauern.

Ziegler ist der Gründer des Lieferservice «Buur on Tour». Auf seinem Hof wachsen «fast alle Sorten Obst», sagt er und meint damit Äpfel, Birnen, Baumnüsse, Zwetschgen und Pflaumen, aber auch Aprikosen, Pfirsiche und Mirabellen. Nebst Tafelobst verkauft Familie Ziegler auch Obstbrände. Bis ins Jahr 2014 ab Hof und auf dem Wochenmarkt in der Vorstadt Solothurn. «Dann kam die Post auf uns zu und bot uns an, als Pilotbetrieb die Auslieferung von Hof-Produkten zu testen», erzählt André Ziegler. Um ihr Sortiment zu ergänzen, suchte die Familie in der Region nach Landwirten, die anderes produzierten und auch Interesse am Lieferdienst hatten.

Von Bauern für Bauern

Der Service der Post überzeugte Ziegler und er gründete mit dem benachbarten Chinzi-Hof «Buur on Tour». Ein Logistikkonzept von Landwirten für Landwirte, mit einem breiten, regionalen Angebot. Ohne Abo-Pflicht können Kunden jede Woche online eine Tasche mit Milchprodukten, Obst und Gemüse, Gebäck, Honig, Eingemachtem und vielen lokalen Spezialitäten füllen, die dann direkt an die Haustür geliefert wird. «Wir bieten saisonale Produkte, das heisst, dass zum Beispiel der Blumenkohl im Frühling begrenzt ist», sagt André Ziegler. Die zwei weiteren Grundsätze von «Buur on Tour» seien die Regionalität und der faire Preis für die Produzenten. «Alle Zulieferer erhalten hundert Prozent vom Produktpreis, den sie selbst festlegen», so Ziegler. Pro Tasche wird den Kunden zusätzlich zu den Lieferkosten eine Pauschale von vier Franken verrechnet, womit die Komissionier-Arbeit des Regionsleiters abgegolten wird. Weitere Aufwände, wie beispielsweise die Arbeit einer Grafikerin, werden von allen Mitglied-Regionen gemeinsam getragen.

Logistikkonzept aus Bauernhand

«Buur on Tour» ist eine Produzentenorganisation, die Produkte verschiedener Landwirtschaftsbetriebe und unterschiedlicher Labels direkt ab Hof regional sammelt, anbietet und vertreibt. Das Angebot gibt es bereits in den Regionen Solothurn, Bern, Seeland, Olten, Brugg und Freiamt.

Fünf Vorteile von «Buur on Tour»

  • Landwirte bleiben Produzenten und werden nicht zu Dienstleistern.
  • Zulieferbetriebe erhalten 100 Prozent des Verkaufspreises, den sie selbst bestimmen.
  • Einzelne Produkte eines Betriebes werden Teil eines attraktiven Sortiments.
  • Die Feinverteilung durch die Post erzeugt keinen Mehrverkehr in den Quartieren.
  • «Buur on Tour» wird gemeinsam weiterentwickelt und bleibt attraktiv.

Weitere Informationen: www.buurontour.ch

Regional und autonom

Nach und nach suchten mehr Nordwestschweizer Landwirte nach einem geeigneten Verkaufskanal und stiessen auf die Produzentenorganisation «Buur on Tour».

«Alle Zulieferer erhalten hundert Prozent vom Produktepreis.»

André Ziegler, Landwirt

Mittlerweile gibt es sechs Regionen und rund hundert Zulieferer. «Wir betreiben kein Franchising. Wenn eine neue Region dazukommt, agiert diese weitgehend autonom», sagt der für die Region Solothurn zuständige André Ziegler. «Wir haben uns bewusst für das System der Regionalstellen entschieden, weil wir der Ansicht sind, dass ein Radius von etwa zwanzig Kilometern dem Begriff der Regionalität gerecht wird», so Ziegler weiter. Alle Regionsleiter treffen sich einmal jährlich, um sich auszutauschen. Dabei können sich die Regionen gegenseitig inspirieren. Regionsleiter können neue Ideen dann mit ihren Zulieferern besprechen. Ziegler ist überzeugt, dass das Konzept auch in weiteren Regionen der Schweiz funktionieren würde.

Produzent, nicht Dienstleister

Für Ziegler selber ist wichtig, dass er genügend Zeit für die Produktion hat: «Ich will nicht Dienstleister werden, sondern möglichst effizient meine Produkte verkaufen.» Dazu hat er das System hinter dem Online-Shop immer weiterentwickelt. «Gestartet haben wir mit einer Excel-Tabelle, jetzt läuft alles automatisch», sagt Ziegler. Der Kunde kann beispielsweise die Rüebli als kleine, mittlere oder grosse Menge bestellen. Beim Kohl kann er Weisskohl, Rotkohl oder Wirz wählen. Diese Auswahlmöglichkeiten werden im System als Einheiten aufgenommen und automatisch an die Produzenten versandt, welche dann bereits die entsprechende Anzahl Einheiten anliefern. «Dadurch sind wir sehr schnell beim Abpacken», erklärt Ziegler seine Strategie.

Keine Abo-Pflicht

Als Regionalleiter und Produzent setzt er pro Woche rund sechs bis zehn Arbeitsstunden für «Buur on Tour» ein. Mit der Auslieferung von der Post ist Ziegler sehr zufrieden. «Es kostet zwar etwas mehr, als wenn ich es selbst machen würde. Aber wenn man selbst ausliefert, muss man die Zeit dafür haben. Weil wir kein Abo sind und unsere Anzahl Kunden von einer Woche zur anderen extrem variieren kann, wäre es schwierig, diese Zeit einzuplanen», sagt Ziegler. Und weil er nicht nur ausliefern wolle, habe er sich für dieses Outsourcing entschieden, schmunzelt der junge Familienvater. 

Die Post als Feinverteiler regionaler Produkte

Seit 2016 bietet die Post die Dienstleistung «Zustellung regionaler Produkte» an. Sie ermöglicht Bauern, ihre frischen Produkte unkompliziert für rund fünf Franken pro Sendung an die Kunden ihrer Region zu liefern. Sachgemäss verpackte Ware bis zehn Kilogramm stellt die Post problemlos zu. Das Netzwerk rund um die Dienstleistung wird laufend ausgebaut und zählt immer mehr Betriebe. Stefano Di Renzo, Post-Verantwortlicher für das Projekt «Zustellung regionale Produkte», sieht insbesondere bei der Lieferung in Städte grosses Potenzial: «Derzeit haben wir noch keine Bauern, die in die Städte Zürich und Basel liefern, eine entsprechende Nachfrage seitens der Kunden wäre aber sicherlich da.»

Weitere Informationen www.post.ch  Zustellung regionaler Produkte

Telefon 058 341 28 28, regionale.produkte@post.ch

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