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Betriebsführung

Maschinen finanzieren

Vor dem Kaufentscheid wird bei grösseren Maschinen meist viel Zeit für die Auswahl technischer und arbeitswirtschaftlicher Kriterien verwendet. Ebenso wichtig ist auch, wie sich die Anschaffung auf das Betriebsergebnis und die finanzielle Situation in den kommenden Jahren auswirkt. Der Einsatz von Fremdkapital kann sich langfristig lohnen, wobei die Zinssituation und die Liquidität zu berücksichtigen sind.

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(Bild: Strautmann)

Publiziert am

Bereichsleiter Treuhand Finanz- und Betriebsbuchhaltung, Agriexpert

Quer gelesen

  • Bevor eine neue Maschine angeschafft wird, muss deren Wirtschaftlichkeit und Tragbarkeit überprüft werden.
  • Ob die Neuanschaffung aus eigenen Mitteln oder mit Fremdkapital finanziert wird, beeinflusst das Betriebsergebnis unterschiedlich.
  • Beim Einsatz von Fremdkapital spielen Zinsen und Liquidität eine zentrale Rolle.

Ist im Anschaffungsprozess die Wahl betreffend Maschinentyp und Ausstattung gefallen und die Anschaffungskosten sind bekannt, kommen zusätzliche betriebswirtschaftliche Fragen auf. Geht man davon aus, dass die Wirtschaftlichkeit und Tragbarkeit aufgrund der steigenden Arbeitseffizienz gegeben ist, lohnt es sich, in einem zweiten Schritt bei der Wahl der Finanzierungart den Bleistift und den Taschenrechner aus der Schublade zu nehmen. Wer die Steuer- und Vorsorgesituation in die Rechnung miteinbezieht, stellt oftmals fest, dass eine Finanzierung aus eigenen Mitteln nicht zwingend günstiger ist.

Eigenfinanzierung

Um eine eigene Finanzierung in Betracht zu ziehen, müssen zwei Bedingungen erfüllt sein: Der Betrag muss der betriebsleitenden Person erstens frei zur Verfügung stehen und darf sie zweitens beim täglichen Handeln nicht einschränken. Auch unvorhergesehene grössere Ausgaben dürfen den Betrieb nicht in finanzielle Schieflage bringen.

Stehen alle Ampeln auf Grün, wird mit der neu erhaltenen Investition neues Abschreibungspotenzial generiert. Gleichzeitig steigt aufgrund der höheren Wirtschaftlichkeit das Betriebseinkommen. Dadurch erhöhen sich auch die Fiskalausgaben (Steuern, Sozialabgaben). Um diese Ausgaben zu senken, muss die neue Maschine nun rascher abgeschrieben werden, als deren Lebensdauer in Wirklichkeit ist. Ist die Maschine abgeschrieben und gibt es keine anderen Investitionen auf dem Betrieb, steigt die Fiskalbelastung wegen des höheren Einkommens wieder an. Ab diesem Zeitpunkt kann das nun höhere Einkommen mit Beiträgen in die eigene Vorsorge gesenkt werden. Damit dies gelingen kann, muss während der Abschreibungsdauer das finanzielle Polster erneut aufgebaut werden.

Fremdfinanzierung

Alternativ kann man zur Fremdfinanzierung greifen. Bei einer Fremdfinanzierungsvariante muss bei der Vertragsunterzeichnung ein tieferer Betrag bezahlt werden, so bleiben mehr flüssige Reserven im Betrieb erhalten. Mit dem gesparten Betrag kann nun über die Jahre kontinuierlich in die eigene Risiko- und Altersvorsorge investiert werden. Über die regelmässigen Beiträge lässt sich die Fiskalbelastung steuern.

Investition besser kalkulierbar

Aufgrund höherer Flexibilität und Liquidität wird die Situation durch den Einsatz von Fremdkapital insgesamt besser kalkulierbar. Ob es sich am Ende in Franken und Rappen rechnet, hängt schliesslich immer vom Zins ab. In Zeiten steigender Zinssätze ist deshalb auch diesem Aspekt Rechnung zu tragen. 

Der buchhalterische Einfluss einer Fremdfinanzierung

Als Beispiel wird der Kauf eines Futtermischwagens gewählt. Wird die Maschine aus eigenen Mitteln bezahlt, kann so der Fremdfinanzierungsgrad im Zeitpunkt des Kaufes nicht beeinflusst werden. Es entsteht eine Verschiebung von flüssigen Mitteln (Umlaufvermögen) ins Anlagevermögen. Langfristig könnte sich der Fremdfinanzierungsgrad verändern, weil ein höherer Ertrag und so eine höhere Eigenkapitalbildung erwirtschaftet werden kann.

 

Wird der Futtermischwagen fremdfinanziert, beispielsweise durch ein Finanzierungsleasing, dann verändert sich der Fremdfinanzierungsgrad bereits beim Kauf der Maschine mit deren Aktivierung. Der Anteil langfristiges Fremdkapital und der Anteil Anlagevermögen werden höher. Da der Anteil des langfristigen Fremdkapitals grösser wird, steigt auch dessen Anteil am Gesamtkapital.

 

Investitionsrechnung

Durch die Anschaffung der Maschine kann künftig Zeit bei der Fütterung eingespart werden, zusätzlich kann durch die stabile Futtermischung ein höherer Ertrag in der Tierhaltung erzielt werden. Hilfreich ist darum eine Investitionsrechnung. Dafür werden folgende Kenngrössen benötigt:

  • Kapitaleinsatz
  • Zinssatz
  • zu erwartender zusätzlicher Geldfluss (zusätzliche Einnahmen minus zusätzliche Ausgaben)
  • Nutzungsdauer
  • Liquidationserlös beim Nutzungsende

Das sind zum Teil theoretische Annahmen, die getroffen werden müssen, sie geben aber einen Anhaltspunkt für die zu erwartende Rendite. Es gibt diverse Varianten für eine Investitionsrechnung. Die einfache Aufstellung zeigt die Kosten und die zusätzlichen zu erwartenden Einnahmen. 

 

Rendite und Amortisation

Fremdfinanzierung Im Beispiel Fremdfinanzierung wird ein Kapitalzins von 3 Prozent für die ersten 5 Jahre eingesetzt. Danach wird kein Zins mehr geschuldet, und die Nutzung geht allenfalls noch weiter. Dank der Investition kann mit einem zusätzlichen Gewinn von Fr. 3030.– gerechnet werden. Auch mit dem Einsatz von Fremdkapital kann der Schluss gezogen werden, dass die Investition tragbar ist. Mit der Rendite von 7,5 Prozent ist die Investition in 13 Jahren amortisiert.

Eigenfinanzierung Wird das Beispiel mit einer eigenen Finanzierung durchgespielt, fallen die durchschnittlich Fr. 720.– Zins pro Jahr weg, und der jährliche zusätzliche Gewinn wird auf Fr. 3750.– gesteigert, was einer Rendite von 9 Prozent entspricht. Die Investition wäre dann innert 11 Jahren amortisiert. Kann der im Beispiel verwendete Futtermischwagen länger als die genannten 13 Amortisationsjahre respektive 11 genutzt werden, stellen die zusätzlichen Nutzungsjahre einen Zins für das investierte Eigenkapital dar.

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