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Landleben

Nachhaltige Hilfe zur Selbsthilfe

In den afrikanischen Ländern südlich der Sahara lebt fast jeder zweite Mensch unter der Armutsgrenze, fast jeder vierte leidet an Unterernährung. Hier liegt das Einsatzgebiet der Vétérinaires Sans Frontières Suisse. Sie leisten nicht allein Nothilfe, sondern Hilfe zur Selbsthilfe.

Veterinärmedizinische Hilfe: Ein ausgebildeter Assistent impft ein Zebu.

Veterinärmedizinische Hilfe: Ein ausgebildeter Assistent impft ein Zebu.

(VSF Suisse | Tom Martin)

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Aktualisiert am

Zootierarzt und Wissenschaftspublizist

Vétérinaires Sans Frontières (VSF) Suisse ist ein gemeinnütziger Verein der Schweizer Tierärztinnen und Tierärzte. Er setzt als Schlüssel zum Erfolg auf die One Health-Strategie, arbeitet also nicht nur notfallmässig-kurativ, sondern vielseitig und spartenübergreifend. Dies deshalb, weil die Gesundheit von Mensch und Tier sowie die Intaktheit der Umwelt eine Wechselwirkung haben. VSF Suisse konzentriert sich momentan auf sechs Länder im Westen und am Horn von Afrika: Mali und Togo sowie Südsudan, Äthiopien, Kenia und Somalia. Gefragt sind, so Prof. Dr. Ueli Kihm, Präsident des VSF Suisse, Hilfsaktionen mit Multiplikatoreffekt, wie etwa in Kenia: «Vom Projekt, bedürftigen Familien Kamele zu verschaffen und benachteiligte Frauengruppen bei der Verarbeitung und Vermarktung der Milch zu unterstützen, profitiert jetzt das ganze Dorf. Denn von der Produktion bis zum Verbrauch sind Züchter wie auch Kleinbauern und Milchverkäufer involviert».

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Eine Familie erhält dank eines Unterstützungsprojekts Kleinvieh.

(VSF Suisse | Tom Martin)

Lebensgrundlagen schaffen

In Trockengebieten am Horn von Afrika, wo Ackerbau keine Option ist, stellt Tierhaltung auf grossen Naturweiden das sinnvollste Prinzip der Landnutzung dar. Doch wenn das spärliche Gras verdorrt, die Wasserquellen versiegen und die ausgemergelten Tiere kaum mehr Milch geben, während umgekehrt die Nahrungs- und Futtermittelpreise explodieren, dann hungern bald auch die Menschen. Es ist ein Teufelskreis mit dem Resultat, dass vielerorts Kadaver verendeter Nutztiere und erschöpfte Nomaden in Auffanglagern anzutreffen sind. Hier braucht es vorab Nothilfe: Verteilen von Wasser an die Bevölkerung und von nährstoffreicher Nahrung an Familien mit unterernährten Kleinkindern. Doch selbst diese Soforthilfe ist nicht allein auf Lebensrettung ausgelegt, sondern auch darauf, die Lebensgrundlagen der Notleidenden langfristig zu schützen. Dazu gehört unter anderem die Verteilung von Tierfutter, um die Zuchtbestände der Rinder, Schafe, Ziegen und Kamele zu retten zwecks Wiederaufbau der Herden, was Jahre dauert.

Zudem werden lokale Apotheken mit Tierarzneimitteln und Tierhalter mit Behandlungs-Gutscheinen versorgt. Weiter engagiert sich VSF Suisse bei der Reparatur von Wasserstellen und Bewässerungskanälen, der Einführung des Anbaus von Futtermitteln und Gemüse sowie der Stärkung der Märkte für tierische Produkte. Diese Erhöhung der Widerstandskraft von Mensch und Tier hilft den Nomaden und Kleinbauern, sowohl Ertrag und Einkommen als auch die eigene Gesundheit im Griff zu haben.

Kontakt auf Augenhöhe

Das One Health-Prinzip ist speziell dort angezeigt, wo Interaktionen zwischen Mensch, Nutztier und Umwelt gross und öffentliche Dienstleistungen Mangelware sind. Das trifft auf die Einsatzgebiete von VSF Suisse in Afrika zu. Hier sind komplexe Situationen zu bewältigen: Krankheitsübertragungen über Nahrung und Wasser respektive zwischen Tier und Mensch oder in Verbindung mit Umweltproblemen. Daher ist Zusammenarbeit zwischen Humanmedizin, Veterinärmedizin und Umweltwissenschaften angesagt, worauf Tierärzte sensibilisiert sind. «Neben der One Health-Strategie ist für VSF Suis se wichtig», wie Geschäftsleiter Daniel Bolomey betont, «die Betroffenen als Rechtsinhaber und nicht bloss als Opfer zu behandeln und gute Kontakte auf Augenhöhe zu pflegen – sowohl mit Begünstigten als auch mit Partnern und Behörden. Deshalb sind die Mitarbeitenden in allen Projekten durchwegs Einheimische und nicht Schweizer. Denn menschliche Nähe und Kommunikation in der lokalen Sprache sind der Schlüssel zum Erfolg bei Hilfe zur Selbsthilfe.» 

Die Geschichte eines südsudanesischen Buben

Er heisst John Lomoi. Sein Vater starb in einem Bandenkrieg, vom Stiefvater wurde er geschlagen. Als John verzweifelt von zu Hause weglief, griff ihn die Armee auf und rekrutierte ihn als Kindersoldat. Er sah, wie seine Freunde litten und starben. Als er befreit wurde, schenkte ihm VSF Suisse zwei Schafe und ein Überlebens-Kit mit Angeln, Moskitonetzen, Seife, einem Kochtopf und Gemüsesamen. Heute lebt John selbstständig und besucht sogar die Schule; er möchte Tierarzt werden.

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