«Die Galtkuh ist die wichtigste Kuh im Stall», rief Sander Luinge von der UFA als Einleitung der von der Landi Weinland organisierten Fachtagung in Erinnerung. Diese Phase sollte bis acht Wochen dauern. Denn während diesem Abschnitt gilt es, effektiv Stoffwechselstörungen vorzubeugen, um Ketose und Milchfieber zu verhindern. Zugleich ist diese Zeit auch für das Euter sehr wichtig, indem es sich regenerieren kann, indem beispielsweise Infektionen ausheilen können. Dies wiederum führt zu tieferen Zellzahlen. Zugleich wird die Entwicklungszeit des Kalbes beeinflusst, indem die Kolostrumqualität verbessert und die metabolische Programmierung erfolgt. Luinge verwies zudem darauf, dass 70 Prozent aller Kühe gerade während der Galtzeit zu wenig Eiweiss erhalten. Eine zentrale Rolle spielt auch die Körperkondition. Ist die Kuh eher zu fett, steigt das Ketoserisiko, es können Leberschäden auftreten und es kann zu Schwergeburten kommen. Ist die Kuh aber zu mager, so hat dies negative Auswirkungen auf die Milchleistung. Grundsätzlich ist gemäss Luinge ein Abmagern während der Galtzeit zu verhindern. Fehlende Körperreserven können während der Galtphase nicht aufgebaut werden. Zugleich verwies der UFA-Bewrater auch auf die bedeutungsvolle Klauengesundheit. «In der Gruppe Galtkühe darf es keine lahmenden Tiere geben. Deshalb rät sich, die Klauenpflege zu Beginn der Galtzeit zu machen», hielt Luinge fest.
Während der Galtzeit sollen die Kühe als Priorität fressen können. Aus schmackhaften Komponenten ohne kompletten Futterwechsel ist nach Möglichkeit mit der Totalmischfutterration (TMR) auch noch Häckselstroh beizumischen. Zugleich rät Luinge auch den Einsatz von hochwertigem Raufutter und nicht ausschliesslich Ökoheu einzusetzen. In der zweiten Hälfte der Galtzeit ist dem Aufbau und der Anpassung der Pansenmikroben grosse Beachtung zu schenken. Zugleich kompensiert eine höhere Nährstoffdichte den sinkenden Verkehr.
Einflussfaktoren auf die Eutergesundheit
Die Tierärztin Evelyne Kessler verwies in ihrem Referat auf die verschiedenen Einflussbakterien rund um die Eutergesundheit. Denn diese erstrecken sich über die gesamten Lebensbereiche der Kuh. Im Bereich der Liegeboxen sowie in den Laufgängen und Treibwegen ist Hygiene sehr wichtig. «Die Abkalbebox sollte nicht zugleich als Krankenbox genutzt werden», mahnte Kessler mit Blick auf Krankheitsübertragungen. Zugleich spielt auch der Anteil Mist in der Einstreu eine zentrale Rolle, weil dieser das Bakterienwachstum fördert. Sie sprach auch von Hitzestress oder neuen Gruppen, welche ebenfalls einen Einfluss haben können. Doch der grösste Teil entfällt auf die Faktoren Kuh und Melken. Die Qualität der Schliessmuskeln oder die geschwächte Immunabwehr, beispielsweise während dem Abkalbe,n haben einen direkten Einfluss auf die Zitzen. Eine bedarfsgerechte Ration sowie die Qualität des Futters und Wasser haben ebenfalls einen gewissen Einfluss auf die Eutergesundheit. Beim eigentlichen Melken plädierte Kessler für die Sauberkeit des Euters und ein Vormelken. Zudem führt ein zu scharfes Melken zu einer hohen Zitzenbelastung. «Der Schliessmuskel der Zitzenspitze schliesst sich erst nach 30 bis 60 Minuten nach dem Melken. Kühe dürfen sich deshalb nach dem Melken nicht sofort hinlegen», riet Kessler den Bauern. Zitzengummis sind regelmässig auszuwechseln und das Blindmelken ist zu vermeiden. Zugleich sollten Handschuhe getragen werden.
Rundgang durch den Betrieb
Auf dem Hof der Familie Zuber, welcher jetzt von Sohn Fritz Zuber geführt wird, stehen 85 GVE. Im Milchviehstall mit Liegeboxen stehen 75 Plätze zur Verfügung, wobei aktuell 65 Kühe gehalten und mit einem Roboter gemolken werden. Die Haltung der Kühe erfolgt im grossen, 2015 angebauten Hallenstall und im alten Milchviehstall ist der Roboter samt Abkalbeboxen eingezogen. «Wir verzeichnen pro Kuh und Tag durchschnittlich 2,5-2,7 Melkgänge. Dabei streben wird pro Melkgang zehn Liter Milch an», führte Zuber auf dem Rundgang aus. Die Aufzucht erfolgt auf dem Betrieb. Zugleich werden die eigenen männlichen Tiere selber in der Munimast aufgezogen. «Wir führen dreimal im Jahr bei allen Kühen die Klauenpflege durch. Dies hat sich sehr bewährt», sagte Zuber mit Blick über die geführten Aussagen betreffend Klauenpflege aus.
Für die Fütterung stehen einerseits zwei grosse Fahrsilos mit je 800 Kubikmeter Inhalt zur Verfügung. Anderseits setzt man in der Zwischenphase auf Hochsilos und Ballen. «Ein Silo reicht für rund viereinhalb Monate», fügte Zuber an. Da der Betrieb selber zudem über ideale Böden für den intensiven Ackerbau mit Spezialkulturen wie Kartoffeln verfügt, wird eher wenig Futterbau betrieben. Bei der Futterbeschaffung setzt Zuber auf die die betriebsübergreifende Zusammenarbeit mit Landwirten, welche keine Tierhaltung mehr haben und somit für sie Futter anbauen. «Wir silieren im Frühling rund 5 ha Wiesen. Im Herbst sind es dann deren 50 ha», hielt Zuber fest.
Text: Roland Müller