Mehr Eier, tiefere Nachfrage

Die Schweizer Eierproduzentinnen und Eierproduzenten konnten in der Vergangenheit von guten Jahren profitieren – während der letzten beiden Jahre ist der Eiermarkt aber etwas aus dem Lot geraten. Nun versucht die Branche, Angebot und Nachfrage wieder auszugleichen.

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(Bild: Renate Hodel, LID)

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Bis vor kurzem herrschten sehr gute Bedingungen in der Eierbranche und es war attraktiv, Legehennen zu halten. Die Eierproduktion nahm zu und es wurden wiederholt Rekordwerte erzielt.
Insbesondere in den vergangenen beiden Jahren habe sich aber eine Veränderung eingestellt, führt Daniel Würgler, Präsident der Vereinigung der Schweizer Eierproduzentinnen und Eierproduzenten GalloSuisse, anlässlich der Delegiertenversammlung aus.
«Unter anderem die Coronaviruspandemie hat das Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten verändert – weg von der Gastronomie und mehr hin in den eigenen Haushalt, wodurch die Nachfrage nach Konsumeiern zumindest eine Zeit lang stark gestiegen ist», erläutert er weiter.
So seien neue Produktionskapazitäten geschaffen worden, die aber erst jetzt richtig greifen würden, wo sich das Konsumverhalten mit dem Ende der Pandemiemassnahmen erneut verändert habe.

Zu viele Eier

«Wir haben zu viele Eier – das Angebot wurde erhöht, die Nachfrage ist nun aber zurückgegangen, was zu einer angespannten Situation führt», erklärt Daniel Würgler. Saisonaler Überschuss sei zwar nichts Ungewöhnliches und die Sommermonate seien immer schon schwierige Monate gewesen, mit den zwei vergangenen speziellen Jahren habe sich die Situation aber verschärft.
«Allerdings können wir nun nicht so rasch reagieren und die Produktion nicht einfach von heute auf morgen herunterfahren – es gibt keinen Knopf, mit dem wir den Hühnern das Eierlegen abstellen können», meint der GalloSuisse-Präsident.

Mit Massnahmen entgegenwirken

Es würden aber durchaus Massnahmen getroffen: Beispielsweise, indem die Eierproduzentinnen und Eierproduzenten in den Hühnerställen längere Leerzeiten hätten und später einstallen würden. Daneben werde versucht, mit Werbung die Nachfrage anzukurbeln.
«Und mit dem Instrument der Marktentlastungsmassnahmen können wir Aktionen machen oder wir können Eier aus dem einen Absatzkanal einem anderen zuführen – beispielsweise der Gastronomie oder der Industrie», erklärt Daniel Würgler. All diese Massnahmen würden zwar helfen, genügten für die aktuelle Situation aber nicht.

Eierkonsum auch im Sommer

Er hoffe aber, dass sich die Nachfrage und damit der Markt mittel- und langfristig wieder erhole – indem wieder mehr Eier konsumiert würden und die Produzentinnen und Produzenten in der Produktion wieder einen Schritt zurückfahren.
«Es geht darum, dass wir einen verantwortungsvollen und nachhaltigen Konsum haben: Nicht, dass noch mehr Eier vor Ostern oder Weihnachten konsumiert werden – aber dass beispielsweise auch im Sommer, wenn unsere Hühner viele Eier legen, eben auch Eier konsumiert werden», meint Daniel Würgler. Die Schwierigkeit sei es so, den saisonalen Überschuss zu reduzieren, gleichzeitig aber die Nachfrage in der Hauptabnahme zu decken.

Ganzheitliche Lösungen suchen

Immer wenn Massnahmen getroffen würden, bedeute das aber auch Zielkonflikte, erklärt Daniel Würgler: «Natürlich haben die Produzentinnen und Produzenten keine Freude an längeren Leerzeiten in ihren Ställen – allerdings ist es noch schlimmer, wenn sie für ihre Arbeit nicht angemessen entschädigt werden und die Eier nicht zu einem angemessenen Preis verkaufen können.»
Und dass keine neuen Produktionskapazitäten geschaffen würden, helfe zwar dem Markt, gleichzeitig gebe es beispielsweise aber auch ein Verlangen nach mehr Regionalität, das auch gedeckt sein müsse. «Diese Interessenskonflikte machen uns das Leben schwer – oft wird da eine spezifische Sache herausgepickt und dann aufgrund dieser Sache Forderungen gestellt», meint der GalloSuisse-Präsident.

Dabei müsse mehr ganzheitlich gedacht werden, um Probleme nachhaltig zu lösen, ist Daniel Würgler überzeugt: «Wir Eierproduzentinnen und Eierproduzenten versuchen nach bestem Wissen und Gewissen, die Probleme nachhaltig und ganzheitlich zu lösen und so auch Teil der Lösung zu sein – wir denken über die Eierproduktion hinaus und versuchen das Problem des Kükentötens zu lösen oder bemühen uns für eine bessere Verwertung von Hennenfleisch.» Ganzheitliche Lösungen seien aber nicht alleine durchzusetzen, sondern bräuchten die Hilfe der ganzen Lebensmittel- und Konsumkette.

Im Jahr 2021 wurden in der Schweiz rund 1,7 Milliarden Eier gegessen und verwertet. Fast 1,3 Milliarden davon waren Schaleneier für den Konsum, wobei über eine Milliarde Eier aus Schweizer Produktion stammten. 261 Millionen Eier wurden zu Eiprodukten verarbeitet – 135 Millionen davon waren Schweizer Eier. Schliesslich wurden noch rund 126 Millionen Eier in flüssiger Form oder als Pulver importiert.
Seit 2019 ist die Eierproduktion in der Schweiz um rund 14 Prozent gewachsen. Die Haltungsarten von Freiland und Bio haben am meisten zugelegt, die Bodenhaltungsproduktion hat abgenommen und ist das erste Mal unter einen Prozentsatz von 15 Prozent gesunken. Bio hatte in den vergangenen Jahren ein starkes Wachstum: So ist der Bio-Anteil seit 2011 um durchschnittlich 11,5 Prozent pro Jahr gewachsen und hat heute einen Gesamtmarktanteil von rund 19 Prozent.
Laut Bundesamt für Landwirtschaft wurden letztes Jahr über 82 Prozent Freilandeier, knapp 27 Prozent Bioeier und gut 10 Prozent Eier aus Bodenhaltung gesammelt. Auf der Absatzseite sieht es aber anders aus: Im Grosshandel wurden knapp 37 Prozent Freilandeier, gut 3 Prozent Bioeier und knapp 60 Prozent Eier aus Bodenhaltung verkauft. Im Detailhandel haben Bioeier einen etwas grösseren Stellenwert – so wurden knapp 16 Prozent Bioeier verkauft, 37 Prozent Freilandeier und immer noch 47 Prozent Bodenhaltungseier.

Quelle: LID

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