Wie hat sich der Bio-Markt in den letzten Jahren verändert und welche Trends werden die Branche in den kommenden Jahren prägen?
Der Bio-Markt ist in den letzten Jahren kontinuierlich gewachsen und hat heute einen Marktanteil von 12,3 %. Nach Rekordjahren während der Coronapandemie mit Zuwachs von über 20 % hat sich der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln auf hohem Niveau stabilisiert und betrug im Jahr 2024 4,148 Milliarden Franken. Bio Suisse ist zuversichtlich, dass der Bio-Markt trotz steigender Preissensibilität weiterwächst, da sich immer mehr Menschen gesünder ernähren und die Schweizer Bevölkerung jährlich zunimmt. Ein Trend geht in Richtung verarbeitete Lebensmittel, bei denen auch Bio stark wächst. Dies zeigt: Bio-Lebensmittel, die ohne Zusatz-, Aroma- und Farbstoffe verarbeitet werden, sind bei Konsumentinnen und Konsumenten immer beliebter.
Faire Produzentenpreise sind entscheidend für die Zukunft der Bio-Landwirtschaft. Was braucht es, um sie langfristig zu sichern und die Wertschöpfung auf den Betrieben zu stärken?
Faire Produzentenpreise und die damit verbundene Priorisierung der Inlandproduktion und Inlandverarbeitung sind in den Richtlinien von Bio Suisse verankert. Wir fragen uns Tag für Tag: Wie können wir Schweizer Knospe-Produkte noch besser positionieren? Biofarm ist ein schönes Beispiel, wie das funktionieren kann. Wir konnten beim Bio-Speisehafer den hiesigen Anbau ausbauen und von Import- auf Inlandware umstellen. Zuerst mussten wir aber unsere Marktpartner überzeugen, mehr Schweizer Hafer zu kaufen. Ähnliches passiert gerade bei anderen Kulturen wie Sonnenblumen für die Ölherstellung. Das ist Teil unseres Kerngeschäfts, in einem anspruchsvoller gewordenen Markt die Mehrwerte der Schweizer Produktion in den Mittelpunkt zu stellen und wirkungsvoll zu vermitteln.
«Faire Produzentenpreise sind in den Richtlinien von Bio Suisse verankert.» Balz Strasser und Rolf Bernhard
In einzelnen Märkten ist die Nachfrage nach Bio-Produkten rückläufig. Wie reagieren Sie darauf und welche Massnahmen sind geplant?
Die Preissensibilität der Bevölkerung hat zugenommen. Umso wichtiger ist es, die Mehrwerte von Bio noch besser zu kommunizieren. Die Schweizer Bio-Produktion verursacht keine oder nur geringe externe Kosten und leistet viel für Natur, Biodiversität, Klima und Ressourcenschutz. Das ist vielen noch zu wenig bewusst. Zudem wollen wir Schweizer Bio-Produkte in weitere Handelskanäle bringen. Topstandorte wie Bahnhöfe und Flughäfen sind da besonders interessant. Wenn man bedenkt, dass gemäss Bundesamt für Landwirtschaft der Schweizer Bio-Warenkorb für eine vierköpfige Familie pro Monat nur 65 bis 70 Franken mehr kostet als der Nicht-Bio-Warenkorb, dann ist Bio kein Hochpreissegment. Bio soll für alle da sein.
Interview: Nicole Matt









