Rotkleesamenernte im Zürcher Weinland

In Marthalen produziert der Biobetrieb von Erwin Corrodi Rotkleesaatgut. Dieses wurde nun kürzlich geerntet. Die Rotkleesamenproduktion ist im Weinland kaum anzutreffen. Sie stellt bezüglich der erwünschten Saatgutqualität höchste Ansprüche an die Ernte und Verarbeitung.

Stiebend nimmt der Mähdrescher, mit dem angebauten Spezial-Pickup, sehr schonend den getrockneten Klee auf, um das Saatgut zu ernten.

Stiebend nimmt der Mähdrescher, mit dem angebauten Spezial-Pickup, sehr schonend den getrockneten Klee auf, um das Saatgut zu ernten.

(Roland Müller)

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Von hinten ist der Mähdrescher in der gewaltigen Staubwolke auf dem Feld zwischen Marthalen und Alten kaum zu sehen. Langsam nimmt er, mit dem angebauten Spezial-Pikup, zwei beim Mähen gelegte Schwaden auf, um aus den Blütenköpfen oder Fruchtständern den wertvolle Kleesamen zu gewinnen. Dabei ist grösste Behutsamkeit gefordert, damit die sehr kleinen Samen nicht aus den eingetrockneten Blüten herausgeschüttet werden. Diese sehr kleinen Rotkleesaatkörner haben ein Tausendkorngewicht von 1,75 bis 2,5 Gramm. Die Vermehrung von Rotkleesaatgut hat vor allem im Kanton Schaffhausen eine lange Tradition, wo sie seit bald 100 Jahren auch grossflächig erfolgt. Der Marthaler Biobauer Erwin Corrodi setzt auf die Saatgutproduktion und vermehrt unter anderem auch diesen anspruchsvollen Rotklee. Dabei ist vieles zu beachten. Es dürfen keine Fremdpflanzen vorhanden sein.

„Der erste Schnitt im wurde als Silofutter genutzt. Normalerweise wäre aber die Ernte in der zweiten Augusthälfte. Doch das Wetter führte zu einer Verzögerung“, erklärt Biobauer Erwin Corrodi. Das sehr schonende Mähen erfolgte Anfang September. Dabei wurde der Klee an die Schwad gelegt, damit er analog zum Emd gut austrocknen konnte und somit die Kleesamen aus aus den Fruchtständern gewonnen werden konnten. Je nach Jahr kann mit einem Ertrag 200 bis 350 kg gerechnet werden. Bei absoluten und idealsten Bedingungen können es gar bis zu 600 kg sein.

Keine Verletzungen

Die mehrstufige Aufbereitung zum verkaufsfertigen Saatgut ist sehr anspruchsvoll. Diese erfolgt beim in Rheinau ansässigen Bio-Saatgutunternehmen Sativa. Für die spätere Keimfähigkeit ist es sehr wichtig, dass die winzigen Kleesamen bereits bei der Ernte im Mähdrescher und bei der späteren Saatgutaufbreitung nicht verletzt werden. Bereits kleinste Kratzer auf der Oberfläche lässt diese so wichtige Eigenschaft markant schwinden. Ein Problem, mit welchem die Schaffhauser Kleesaatgut-Produzenten mehrere Jahre zu kämpfen hatten. Die geerntete Rohware muss möglichst rasch mit nicht zu heissen Temperaturen auf 12% Wassergehalt getrocknet werden. Nicht ausgedroschene Samen werden in einem ersten Arbeitsgang nach dem Trocknen über einen Kleereiber aus ihren Hülsen ausgerieben

Doch die Rotkleeblüten sind auch gewissen Gefahren ausgesetzt und es gibt auch Feinde. So kann das Kleespitzmäuschen, welches ein Insekt ist aber einer kleinen Spitzmaus ähnlich sieht und auch als rotfüssiger Klee-Spitzmausrüssler bezeichnet wird, beachtlichen Schaden anrichten. Der Käfer überwintert im Boden und beginnt im April zuerst mit dem Reifungsfrass. Sobald am Rotklee Blütenköpfchen vorhanden sind, paaren sich die Käfer darin und das Weibchen legt bis zu 100 Eier in eine einzige Blüte ab.  Nach einigen Tagen schlüpfen die Larven und ernährt sich von den Pollen. „Danach frisst sie sich im Blütenkopf nach unten und zerstört damit die Blütenkelche und somit auch die Samenanlagen“, erklärt Corrodi. Deshalb muss insbesondere die Feldhygiene sehr gross geschrieben werden, indem man befallene Pflanzen frühzeitig entfernt und vernichtet. Damit wird verhindert, dass der Schädling eine Population aufbauen und für den nächsten Sommer unter abgestorbenen Pflanzenteilen oder in Erdspalten überwintern kann. Zugleich müssen insbesondere Bio- Saatgutvermehrer darauf achten, indem man der Fruchtfolge eine grosse Beachtung schenkt und das jeweilige die Rotkleewiese für die Saatgutproduktion möglichst isoliert von anderen Kleeaufwüchsen angelegt wird.

Wichtige Futterpflanze

Der Rotklee gehört zur Familie der Hülsenfrüchtler und Leguminosen der ohne Stickstoff Futter mit einem hohen Proteingehalt liefert. Als mehrjährige Gründüngungs- und Futterpflanze sammelt er Stickstoff aus der Luft und schliesst den Boden für andere Kulturen sehr gut auf. Bei der Aussaat werden für diese bienenfreundliche Pflanze pro Are 180 bis 220 Gramm benötigt. Die grosse Beliebtheit für weitere Insekten, wie insbesondere auch Hummeln, liegt in seiner speziellen Eigenschaft, dass er überdurchschnittlich viel Nektar produziert und über ein grosses Pollenangebot verfügt. Er besitzt eine lange Pfahlwurzel, was den Rotklee in trockenen Lagen sehr robust macht. Als Mattenklee lässt er sich zwei bis dreimal überwintern und kann in Mischungen pro Jahr, je nach Höhenlage, für drei bis fünf Schnitten genutzt werden. Am besten eignet er sich zum Silieren oder zum Eingrasen, da auf der Heubelüftung die Stängel schlecht abtrocknen und bei der Bodentrocknung auf der Wiese fallen die wertvollen Teilblättchen als Bröckelverluste ab.

Rotklee findet aber auch in der Küche seine Verwendung, wo er beispielsweise als Keimling in Form von Sprossen gegessen wird. Er kann dabei ähnlich wie Kresse in vielen Salatgerichten konsumiert werden. Auch in der Pflanzenheilkunde hat er seinen Platz, wobei vor allem die Blüten von Bedeutung sind. Gemäss alter Heilkräuterliteratur wurden die Blüten des Rotklees bei schmerzhaften Darm- und Menstruationsbeschwerden empfohlen. In der heutigen Zeit wird er aufgrund seiner Inhaltstoffe als Vorsorge gegen Herz- und Kreislauferkrankungen eingesetzt.

Quelle: Roland Müller

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