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Nutztiere

3 Fragen an Dr. med. vet. Corinne Bähler

Die UFA-Revue stellte drei Fragen zum Thema Kälber einstallen an Corinne Bähler, Inhaberin Kälberprasix in Rickenbach (LU).

Corinne Bähler

Publiziert am

Redaktorin, UFA-Revue

Das Einstallen von Tränkern stellt oft eine grosse Herausforderung dar. Wie können Geburtsbetriebe Erkrankungen über das Einstallen reduzieren?

Ein optimaler Start ins Leben stellt die Weichen für eine gestärkte Gesundheit: Dabei spielen die Versorgung der Galtkuh und eine stressfreie Geburt eine grosse Rolle. Weiter ist natürlich die Kolostrumversorgung sehr wichtig mit der Faustregel «vier Liter in den ersten vier Lebensstunden», gefolgt von mindestens einem Kilogramm Trockensubstanz Milch pro Tag. Immer gilt, das Kalb vor Stress zu schützen. Dazu gehören der Schutz vor Hunger, Kälte (Geburtensaison im Winter), Hitze, Langeweile und Krankheit. Auch spielt der liebevolle Umgang eine wesentliche Rolle. Täglich frisches Wasser und Raufutter von Anfang an sind wichtig, zwar nicht für die Versorgung der Kälber, jedoch zum Kennenlernen und Spielen. Beschäftigung und positive Erfahrungen stillen die Neugier des Kalbes und stärken das Tier für kommende Veränderungen.

Was ist das Wichtigste beim Einstallen im Mastbetrieb, damit die Kälber gesund bleiben?

Ein schonender Umgang und ein ebensolcher Transport der Kälber reduzieren den Stress angesichts der neuen Situation. Das plötzliche Zusammentreffen mit vielen Artgenossen und die neue Umgebung stellen eine grosse Herausforderung dar. Mit der behutsamen Angewöhnung an die neue Aufstallung und Tränketechnik kann der Mäster viele Pluspunkte erzielen, denn nicht gestresste Tiere erkranken weniger. Dennoch ist das Krankheitsrisiko hoch und ein Einstallkonzept mit der Bestandestierarztpraxis ist ein Muss. Dabei sind die Einstalluntersuchung, das Impfschema, die Verabreichung von Antiparasitika, die Frequenz von Tierarztbesuchen, die Behandlungen der ganzen Gruppe sowie einzeln erkrankter Tiere zu besprechen, festzulegen und schliesslich auch auszuwerten.

Ist eine Kälberhaltung ohne Antibiotika überhaupt möglich?

Im Vergleich zu anderen Jungtieren ist eine weitere Reduktion von Antibiotika bei Kälbern zwar wünschenswert, aber äusserst heikel. Wir haben bei Kälbern mit bis zu 200 kg Körpergewicht häufig mit bakteriellen Atemwegserkrankungen zu tun. Die Lunge des Kalbes ist aus anatomischen sowie physiologischen Gründen sehr anfällig und ihre Reifung erst im Alter von einem Jahr abgeschlossen. Die Früherkennung und eine adäquate Behandlung von Atemwegserkrankungen führen unter dem Strich zum geringsten Antibiotika-Einsatz, weil damit chronische Krankheitsstadien verhindert werden. Die besten Mastbetriebe weisen eine Abgangsrate von zwei Prozent und optimale Tageszunahmen auf. Dies widerspiegelt den Gesundheitsstatus der ganzen Herde und darf zugunsten des Tierwohls nicht aufs Spiel gesetzt werden.

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