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Nutztiere

60 Jahre UFA: Hürdenlauf der Schweizer Hühner

Käfighaltung und antibiotische Leistungsförderer prägten die Legehennenhaltung bis in die 80er Jahre. Die Legehennenhalter hatten mit dem Käfigverbot, den Höchstbeständen, dem Antibiotika-Ausstieg und dem Fleischmehlverbot viele Hürden zu überwinden, um wirtschaftlich Eier zu produzieren und die Konsumenten zufriedenzustellen.

Hühnerhaltung

…hin zu den heutigen Profibetrieben, deren Ställe ab 2020 einen Wintergarten vorweisen müssen.

(UFA AG)

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Schweizer Legehennen durchlebten einen grossen Wandel in den 60 Jahren. Von bäuerlicher Haltung zur Käfigbatterie…

(UFA AG)

Legehennen gehören seit jeher auf den Bauernhof. Auch heute sind Hühner auf vielen Betrieben anzutreffen – meist zur Selbstversorgung oder Direktvermarktung. Professionelle Geflügelhalter sind zwar wenige an der Zahl, dafür umso spezialisierter und erfolgreicher.

Zum Käfig und wieder zurück

Die professionelle Haltung von Hennen ist in den 60er Jahren so richtig aufgekommen, nämlich mit den mehrstöckigen Legebatterien. Die hochspezialisierte Branche hielt schon damals Tierbestände von bis zu 15 000 Tieren, häufiger waren Betriebe mit 2000 bis 4000 Hennen. Ende der 70er Jahre traten die ersten Kritiker der Käfigbatterien auf und 1981 wurde das System mit einer Übergangsfrist von zehn Jahren verboten. Auch die Bestandesgrössen wurden damals auf 10 000 Legehennen begrenzt (heute 18 000). Unterdessen geht der Trend in der Eierproduktion hin zur Volierenhaltung mit Wintergarten und Weide – beim Konsument ist diese Haltung äusserst beliebt und die etwas teureren Eier finden guten Absatz im Supermarkt.

Chips im Hühnerfutter

Zusammen mit den höheren Tierbeständen stiegen die Ansprüche an die Fütterung der Hennen. UFA versorgte mit den damaligen Landwirtschaftlichen Genossenschaftsverbänden den Verband schweizerischer Eier- und Geflügelverwertungsgenossenschaften (SEG) mit Rezepturen und dem SEG-Mischfutter. Schon früh gab es verschiedene Mischungen für Hennen, Küken und Junghennen – aber auch für die unterschiedlichen Haltungsformen: So war beispielsweise Futter, das für Hennen in der Bodenhaltung funktionierte, für die Batteriehennen ungeeignet, da diese damit verfetteten. Ein weiterer grosser Unterschied gab es betreffend den Inhaltsstoffen im Legehennenfutter. Fleisch-, Knochen- und Fischmehl nahmen in den Rationen einen hohen Stellenwert ein. Aber auch Produkte wie Grasmehl, Hefe, Holzkohle und Abgänge aus der Chips-Industrie fanden den Weg ins Hühnerfutter.

Unterdessen haben sich die Rezepte deutlich verändert, tierische Proteine sind komplett verschwunden und Phasenfütterung ist Standard. Was sich jedoch bewährt hat, ist die Struktur – nach wie vor ist Mehl (heute expandiert) für Legehennen die erste Wahl.

In der Tabelle sind die Leistungssteigerungen und der Futterbedarf pro Ei im Laufe der Zeit abgebildet. Nebst der verbesserten Fütterung hat natürlich auch die Genetik der Hennen geändert. Bereits in den 60er Jahren waren Legehybriden aus Übersee im Kommen. Heute beliefern wenige, aber umso grössere Player den Weltmarkt. Bevor die Haltung professionell wurde, waren einheimische Rassen wie das Schweizer Huhn, ein Zweinutzungshuhn, weit verbreitet. Dabei wurden die weiblichen Tiere zur Eier- und die männlichen Tiere zur Fleischproduktion verwendet.

Leistungsförderer im Einsatz

Vor 60 Jahren kamen antibiotische Leistungsförderer standardmässig zum Einsatz. Sie wurden in der Schweiz 1999 komplett verboten. Ein deutscher Versuch aus dem Jahr 1965 zeigte, dass die Legeleistung in 270 Legetagen mit dem Zusatz eines Antibiotikums von 172 Eiern auf 188 Eier zunahm. Zu dieser Zeit vertrat der SEG folgende Meinung: «Es darf heute ohne weiteres behauptet werden, dass die Vergrösserung der Mastküken- und Legehennenbestände ohne bestimmte Wirkstoffe, welche eindeutige Hygienewirkungen aufweisen, nicht denkbar wäre». Jedoch war bereits Ende der 50er Jahre die Resistenz-Problematik bekannt, besonders das Antibiotikum Tetrazyclin war davon betroffen. Heute ist der Einsatz von antibiotischen Leistungsförderern in der Schweizer Tierhaltung fast nicht mehr vorstellbar, jedoch schien der Einsatz dazumal sinnvoll und richtig.

Expander als Lösung

Salmonellen waren ein Problem, das die Geflügelbranche während mehreren Jahrzehnten und Anfang der 90er Jahre akut beschäftigte. Da oft bereits die Elternherden betroffen waren, verteilten sich die Erreger immer weiter. Verschiedene Sanierungsmassnahmen fruchteten nicht und als Ursache geriet häufig das Mischfutter unter Beschuss. Bestrahlen, pelletieren und die Behandlung mit Säure erzielten nicht den gewünschten Erfolg, die Erreger blieben ein Problem. Nachweislich waren vor allem Fleisch- und Knochenmehle aus den Schlachthöfen und den Kadaversammelstellen nicht korrekt verarbeitet und wiesen Salmonellen auf. Zu Beginn der 90er Jahre nahmen die Fälle an erkrankten Menschen rasant zu und das Thema wurde 1992 von den Medien gross aufgerollt. Der Konsum von rohen Eiern stand im Fokus und Lösungen mussten her. UFA begab sich auf einen neuen Pfad und entschied sich für den Einbau des ersten Expanders im Werk Sursee. Durch den hohen Druck und die Temperaturen wird das Futter hygienisiert und die Nährstoffe sind für das Tier besser verfügbar. Zusammen mit strengen Eingangskontrollen der Rohstoffe und dem Expander konnte die Verschleppung von Salmonellen durch das Futter erheblich gesenkt werden.

Wussten sie, dass…

… die Expandertechnologie mit der Hygienisierung das Salmonellenproblem der Branche 1993 löste? … durch Zucht und Fütterung die Legeleistung von rund 200 (1950) auf heute zirka 330 Eier angestiegen ist? … in den 60er Jahren antibiotische Leistungsförderer auch in der Legehennenhaltung Standard waren?

Praxisforschung

Dass UFA immer an einer praxisorientierten Forschung unter Schweizer Bedingungen interessiert war, zeigt sich mit dem Versuchsbetrieb UFABühl in Hendschiken. Seit 1962 werden Haltungs- und Fütterungsversuche durchgeführt. Im Jahr 1986 wurde ein Stall für Jung- und Legehennen gebaut und fortan auch in diesem Bereich geforscht. Dass immer aktuelle Themen untersucht wurden, zeigen beispielsweise folgende drei Versuche:

  • 1995: Vergleich Legehennenfutter ohne tierische Bestandteile, mit standardmässigen und hohen Anteilen an tierischen Bestandteilen (Fleisch-, Blut- und Knochenmehl). Dabei kam heraus, dass die rein pflanzliche Ration keine negativen Folgen auf die Leistung, die Eiereigenschaften und den Deckungsbeitrag haben. Noch während des laufenden Versuchs wurde entschieden, dass Proteinkomponenten mit tierischischer Herkunft im Legefutter nicht mehr erlaubt sind.
  • 2007: Unterschied zwischen verschiedenen Rapsanteilen im Legefutter. Damals waren Riecheier noch ein Thema und Raps war eine sogenannte «Risikokomponente». Erst ein Legehybrid war züchterisch so weit, dass Raps als Bestandteil von Legefutter in Frage kam. Der Versuch ergab, dass Raps als Eiweisskomponente problemlos mit bis zu fünf Prozent eingesetzt werden kann und keine Riecheier produziert wurden.
  • 2011: 100 Prozent Bio-Komponenten im Bio-Futter. Auf die Vorschriften, die ab 2012 eine 100- prozentige Bio-Herkunft verlangten, untersuchte UFA-Bühl die Unterschiede zwischen konventionellem, Standard-Biofutter und 100 Prozent Biokomponenten. Der Versuch zeigte, dass die Leistung mit 100 % Biofutter mit dem konventionellen und dem «alten» Biofutter problemlos mithalten konnte. Futterverzehr und -preis lagen zwar deutlich über den anderen Versionen, jedoch wurde dies mit dem höheren Erlös der Eier mehr als wettgemacht.

Auch heute werden auf UFA-Bühl jährlich zwei Legehennenversuche durchgeführt. Die Resultate fliessen in die Entwicklung der UFA-Mischfutter ein und erlauben damit eine kontinuierliche Verbesserung und Anpassung an die aktuellen Schweizer Gegebenheiten.

Die Eierbranche nahm im Lauf der Zeit viele Hürden und ist heute äusserst erfolgreich. Schweizer Eier geniessen bei den Konsumenten einen hohen Stellenwert und der Sektor erfreut sich an weiterem Wachstum. 

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