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Nutztiere

Beispiel einer Bekämpfungsstrategie von Mortellaro

Drei Viertel der Schweizer Milchviehbetriebe sind von Mortellaro betroffen. Diese hoch ansteckende Krankheit kann sich in einer Herde rasch ausbreiten und zu sehr schmerzhaften Läsionen führen. Wohlbefinden und Produktivität der betroffenen Tiere werden dadurch stark beeinträchtigt.

Erhöhter Infektionsdruck: Die Kuh steht mit den Hinterbeinen imNassen. 

Erhöhter Infektionsdruck: Die Kuh steht mit den Hinterbeinen imNassen. 

(Bild: RGD)

Publiziert am

Aktualisiert am

Tierärztin, Wiederkäuerklinik

Der Rindergesundheitsdienst hat zahlreiche Betriebe bei der Bekämpfung von Mortellaro begleitet, darunter einen Westschweizer Betrieb mit 130 Milchkühen. Die Kühe werden im Boxenlaufstall gehalten, der aufgrund der kontinuierlichen Vergrösserung des Viehbestandes in mehreren Schritten vergrössert worden ist (1993: 70 Kühe, 2014: 130 Kühe).

Hoher Leidensdruck

Die Fälle von Lahmheit nahmen stetig zu, die Milchproduktion blieb unter den Erwartungen. Auf Anraten seines Tierarztes wandte sich der Betriebsleiter darauf an den Rindergesundheitsdienst. Beim ersten Besuch im Herbst 2015 konnte nach eingehender Prüfung ein Bestandesproblem mit Mortellaro festgestellt werden. Im Rahmen des Besuches wurden folgende Risikofaktoren aufgezeigt:

  • ungenügende Hygiene des Stallbodens, was zu einer starken Verschmutzung der Klauen führt;
  • mangelnder Komfort der Liegeboxen, weshalb die Kühe gezwungen waren, in den Laufgängen oder halb-halb in den Liegeboxen zu stehen;
  • die funktionelle Klauenpflege wurde inadäquat oder gar nicht durchgeführt;
  • die Klauen der Kühe waren im Ballenbereich zu lang.

Immer am Ball bleiben

Es ist möglich, das Tierwohl zu verbessern und mit Mortellaro zu leben, ohne nachteilige Konsequenzen zu tragen. Dazu sind aber bedeutende und laufende Investitionen seitens des Betriebsleiters notwendig. Bevor die Installation eines Klauenbads geplant wird, ist es äusserst wichtig, die Hygiene und den Kuhkomfort zu verbessern, die von infektiösen Läsionen betroffenen Kühe schnell und konsequent zu behandeln und die Klauen korrekt zu schneiden, um deren Anfälligkeit zu senken. Aber Vorsicht: Lehnen Sie sich nicht zurück, denn Mortellaro ist nicht heilbar und kann jederzeit erneut auftreten!

Saubere Laufgänge und guter Kuhkomfort

Die eingesetzte Bekämpfungsstrategie auf dem Betrieb (Tabelle) verfolgte folgende Ziele:

  • häufigere Reinigung der Laufgänge, um den Verschmutzungsgrad der Klauen zu senken,
  • Anpassung der Liegeboxen, um die Liegezeit der Kühe zu erhöhen,
  • funktionelle Klauenpflege, um die Biomechanik der Klauen zu optimieren,
  • schnelle und individuelle Behandlung der infektiösen Läsionen, um das Ansteckungsrisiko der gesunden Kühe zu senken. Da der Betrieb über ein funktionelles Klauenbad verfügt, wurden alle Tiere mit Ausnahme jener, welche im akuten Stadium M2 waren, systematisch einmal wöchentlich mit einer desinfizierenden Lösung behandelt.

Erfolg schnell sichtbar

Die ersten Resultate der eingeleiteten Massnahmen waren schnell sichtbar. Die Laufgänge waren deutlich sauberer und die Liegezeit der Tiere hat sich massiv erhöht. Der Infektionsdruck liess nach, die Klauen waren sauberer und die Anzahl lahmer Kühe ging sofort zurück. Im Frühling 2016 waren die Fälle von infektiösen Klauenläsionen M1, M2 und M4.1 deutlich seltener, aber die chronischen Stadien (M4) nahmen zu. Das Tüpfelchen auf dem i: Die Milchproduktion stieg – ohne jegliche Veränderung bei der Fütterung – und hält sich bis heute. Und dies nur gerade drei Wochen nach Umsetzung der ersten Verbesserungsmassnahmen des Liegeboxenkomforts! Eine systematische Dokumentation der Klauenläsionen, der Behandlungen und der Klauenpflege ermöglicht es, die Entwicklung der Herde zu verfolgen und die empfohlenen spezifischen Massnahmen kontinuierlich anzupassen.

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