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Nutztiere

Durchfall beim Absetzen verhindern

Das Absetzen bedeutet für Saugferkel Stress. Deshalb ist Durchfall in der anschliessenden Phase oft ein Problem. Durch korrekte Vorbereitung der Ferkel und des Absetzstalles kann der Stress reduziert und dadurch der Antibiotika-Verbrauch gesenkt werden.

Das Stallklima hat einen grossen Einfluss 


auf die Gesundheit der Absetzferkel.

Das Stallklima hat einen grossen Einfluss  auf die Gesundheit der Absetzferkel.

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Durchfall ist die wichtigste Erkrankung der Absetzer in der Schweiz. Am häufigsten werden Coli nachgewiesen.

Verschiedene Symptome

Enterotoxinbildende E.Coli führen zu wässrigem Durchfall, Austrocknen (tiefliegende Augen), Gewichtsverlust und Kümmern.

Die Therapie erfolgt mit Coli-wirksamen Antibiotika als Injektion bei Einzeltieren oder als Gruppentherapie über das Futter. Zusätzliches Anbieten von Elektrolyten in Schalen hilft den Tieren, das Flüssigkeitsdefizit des Körpers auszugleichen.

Wichtige prophylaktische Massnahmen sind eine Anpassung des Futters und der Fütterungspraxis und eine Verbesserung des Managements.

Shigatoxinbildende E. coli führen zu Ödemkrankheit. Die von diesen Coli gebildeten Giftstoffe wandern vom Darm in die Blutgefässe und schädigen diese. In Folge kommt es zu Flüssigkeitsaustritt ins Gewebe und Ödembildung, was als Schwellung besonders an Augenlidern und Nasenrücken sichtbar ist. Die Ödembildung im Gehirn und Rückenmark führt zu schwankendem Gang, Seitenlage und Ruderbewegungen. Betroffene Tiere sterben oft trotz Therapie mit Coli-wirksamen Antibiotika. Betroffene Bestände sollten darauf achten, dass sie Coli F18 resistenten Sauen im Stall haben, die mit F18 resistenten Ebern/Sperma gedeckt werden. Eine Impfung der Saugferkel ist sehr wirksam aber auf die Länge die teurere Lösung.

Auch Lawsonieninfektionen führen zu Durchfall und Kümmern der Absetzer. Bei der akuten Form, die in der Schweiz eher selten ist, zeigen die Tiere schwarzen, mit Blut vermischten Durchfall, Anämie (Blässe) und plötzliche Todesfälle. Bei der chronischen Form steht der breiige Durchfall, Gewichtsverlust, Kümmern und Auseinanderwachsen der Gruppe im Vordergrund.

Als akute Therapie sollten die Tiere mit einem geeigneten Antibiotikum über das Futter behandelt werden. Bei länger anhaltenden Problemen können die Jager geimpft werden und sind so gut geschützt.

Häufige Durchfallerreger bei Absetzern

  • Coli 
  • Lawsonien 
  • Brachyspiren

Dysenterie

Eine weitere Erkrankung, die Durchfall verursachen kann, ist die Dysenterie, ausgelöst durch Brachyspira hyodysenteriae oder Brachyspira pilo sicoli. B. hyodysenteriae kann schon bei Jagern auftreten, sehr selten bei Saugferkeln, häufig auch in der Mast. Andere Stressfaktoren, wie Transport, Futterwechsel oder schlechtes Stallklima unterstützen den Ausbruch von breiigem Durchfall oft mit schleimigen Bestandteilen (Fibrin) und Blut. Bei chronischem Verlauf kümmern die Schweine und trocknen durch den Flüssigkeitsverlust aus.

Bei Infektion mit B. pilosicoli kommt es auch zu Durchfall, aber selten mit Beimengungen (Blut, Fibrin). Es wird angenommen, dass klinische Symptome nur bei weiteren Stressfaktoren, wie schlechte Wasser- und Tränkehygiene und den bereits erwähnten Stressfaktoren auftreten.

Der Nachweis der Dysenterie erfolgt durch Nachweis des Erregers mittels PCR. Auch die Sektion toter Schweine ist hilfreich. Die Therapie ist nur mit Antibiotika möglich, wobei Antibiotikaresistenzen des Erregers weit verbreitet sind. Unterstützend muss unbedingt eine gute Wasserversorgung, eventuell mit zusätzlichen Elektrolyten, sichergestellt werden. Da die Erreger auch durch Nager verbreitet werden, ist eine intensive Schadnagerbekämpfung sehr wichtig. Rein-Raus in den Jagerställen mit Reinigung und Desinfektion wirken ebenfalls vorbeugend. Eine Impfung existiert bislang nicht.

Umwelt spielt grosse Rolle

Sowohl Kälte als auch Zugluft wirken als Stressfaktoren und können Durchfallerkrankungen auslösen. Andere Parameter wie ein hoher CO2-, Ammoniak- und Schwefelwasserstoffgehalt der Stallluft, hohe Luftfeuchtigkeit und hohe Staubbelastung führen zu verschiedenen Atemwegserkrankungen und Kannibalismus. 

Schlüsselpunkte Absetzen

  • Die Fütterung dem Verdauungssystem der Ferkel anpassen 
  • Schon ab der ersten Lebenswoche bei den Saugferkeln Prestarter auf dem Boden zufüttern 
  • Optimale Wasserversorgung (1 Wasserquelle auf 12 Tiere mit einem Durchfluss von 0.8 – 1 l/min) mit optimaler Wasserqualität
  •  Ausreichend Platz, warmer Liegebereich, separierter Kotbereich 
  • Rein-Raus-System mit Reinigung und Desinfektion 
  • Gutes Stallklima (Tabelle 1 und 2) 
  • Kontrolle der Tiere 2 Mal pro Tag

Praxisbeispiel

Ein SGD-Betrieb mit 30 Muttersauen und Remontenzukauf schien auf den ersten Blick gut zu laufen. Die Herdenfrucht barkeit war gut und der Betrieb setzte 25 Ferkel pro Sau und Jahr ab. Bei der Anfrage zum Antibioti-ka-Einsatz wegen des Beitritts zum Gesundheitsprogramm SuisSano erklärte der Betriebsleiter, dass bei den Sauen und Saugferkeln nur selten Antibiotika eingesetzt werden, zum Beispiel bei Grippeli, Milchfieber und Saugferkeldurchfall. Dagegen wurden alle Jager nach dem Absetzen 14 Tage lang mit CAS 45 gegen Durchfall behandelt. Das Antibiotikagemisch wurde von der Mühle dem Futter beigemischt. Ohne diese Mass nahme hätten die Tiere laufend Durchfall und kümmerten.

Stallbauliche Massnahmen

Bei der Besichtigung des Jagerstalles zeigte sich dieser als suboptimal. Es handelt sich um einen umgebauten Kuhstall mit wenig Licht, festen Betonflächen und knapper Einstreu. Die Raumtemperatur betrug 16 °C, empfohlen ist 18° bis 20 °C, und im Tierbereich war deutliche Zugluft zu spüren. Ferkelnester mit Abdeckungen oder eine Heizung existierten nicht. Die Jager bekommen nach dem Absetzen normales Jagerfutter. Nach Aussage des Tierhalters war der Bau eines neuen Jagerstalls schon länger geplant, dies unterblieb jedoch aufgrund anhaltend schlechter Jagerpreise.

Massnahmenkatalog festgelegt

Der SGD-Berater sah die Hauptursache für die Durchfallprobleme bei der Fütterung und Haltung der Tiere. Nach eingehender Betriebsanalyse und Gesprächen mit dem Produzenten wurden folgende Massnahmen beschlossen: 

  • Verschneiden des Saugferkelfutters mit dem im Abferkelstall gefütterten Prestarters während 14 Tagen nach Absetzen bei steigendem Anteil des Absetzfutteranteiles. Der Vorteil ist, dass die Ferkel das gewohnte Saugferkelfutter eher aufnehmen und keine «Hungerpause» mit anschliessend gieriger, zu hoher Futteraufnahme entsteht. Eine Hungerpause von einem oder mehreren Tagen und anschliessender Futteraufnahme führt zu einer massiven Veränderung der Darmflora und zu Durchfall. Darmflora und -enzyme müssen sich von der Verdauung von hauptsächlich Milch und milchpulverhaltigem Prestarter im Dünndarm auf eine rohfaser- und getreidehaltige Absetzerfutterverdauung im Dickdarm umstellen. 
  • Zumischen von organischen Säuren ins Absetzfutter. Der Magen der Absetzferkel produziert kurz nach dem Ab setzen noch zu wenig eigene Magensäure, da die Säurebildung vorher hauptsächlich durch Milchzucker spaltung durch Lactobazillen erfolgte. Mit dem Mund aufgenommene Krankheitskeime werden so nur ungenügend abgetötet. Hier helfen die zugmischten Säuren des Absetzfutters. 
  • Einbau einer Elektroheizung oder einer Gaskanone mit Thermostat zum Aufheizen des Jagerstalles auf 20 °C vor der Einstallung. 
  • Bau von Liegenestern mit Holz- oder Kunststoffabdeckungen mit Infrarotlampen und Vorhängen. Besser, aber auch teurer, sind kommerziell erhältliche Ferkelnester mit integrierter Wärme wellenheizung (sehr stromsparend) oder bei Neubau auch Fussbodenheizung. 
  • Überprüfung des Stallklimas durch den SGD nach beendetem Umbau.

Erfolgreiche Umsetzung

Anlässlich eines SGD-Folgebesuchs zeigte sich die Situation auf dem Betrieb stark verbessert: Die meisten Empfehlungen konnten umgesetzt werden. Das Stallklima hatte sich stark verbessert und die gemessenen Werte waren in der Norm. Das Beispiel zeigt, dass mit Verbesserung der Fütterung und kleineren Umbauten Durchfallprobleme gelöst werden können und auf eine antibiotische Einstallprophylaxe verzichtet werden kann – ohne dass ein kostspieliger Neubau des Jagerstalles nötig ist.

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