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Nutztiere

Vollmilch geben, Milchpreis heben

Gerade in Zeiten eines tiefen Milchpreises und bei tiefen Tränkerpreisen wie momentan aufgrund der Situation mit Covid-19, lohnt sich die Vollmilchmast. Nebst einem Mehrpreis für die Milch ist eine verbesserte Kälbergesundheit das Resultat. Bei der Wahl und dem Verabreichen der Milch muss aber einiges beachtet werden.

Die eigenen Kälber haben keinen Transportstress und standen schon mit den hofeigenen Keimen in Kontakt.

Die eigenen Kälber haben keinen Transportstress und standen schon mit den hofeigenen Keimen in Kontakt.

(Bild: UFA AG)

Publiziert am

Aktualisiert am

Mitarbeiter Marketing, UFA AG

Kälberspezialist im UFA-Beratungsdienst

Die bäuerliche Kälbermast, sprich die Kälbermast auf dem Milchwirtschaftsbetrieb mit den eigenen oder zugekauften Kälbern, hat in der Schweiz eine lange Tradition. Heutzutage werden viele Kälber auf spezialisierte Kälbermastbetriebe gebracht. In Zeiten von Antibiotikareduktion und tiefen Milchpreisen stellt die bäuerliche Kälbermast wieder eine echte Alternative dar.

Wirtschaftlichkeit und Flexibilität

Lange Zeit war die Kälbermast ein Ventil, um überschüssige Milch zu verwerten. Je nach Milchmenge, die man auf dem Betrieb produzierte, wurden die Kälber entweder verkauft oder selber gemästet. Heutzutage bringt die Vollmilchmast unter den gegebenen Umständen einen wirtschaftlichen Vorteil gegenüber der Ablieferung von Molkereimilch. Besonders im Jahr 2019 konnte mit dieser Mastform ein deutlicher Mehrpreis pro Liter Milch generiert werden, wie die offiziellen Zahlen von Agristat belegen (siehe Tabelle). Betrachtet man die Bruttomarge pro Kilogramm Milch, so kann in der Vollmilchmast ein Bruttopreis von fast einem Franken beziehungsweise von rund 1.20 Franken erzielt werden. Die Regiekosten sind da noch nicht miteinberechnet. Agristat nimmt an, dass pro 100 Franken Regiekosten pro Kalb (Einstreue, Wasser, Tiergesundheit, Elektrizität, Geräte, Stall, Arbeit und Kapitalzinsen) mit einem Abzug der Bruttomarge pro Kilogramm Milch von 8,2 Rappen bei 1220 Liter und 12,5 Rappen bei 800 Liter Vollmilch gerechnet werden muss. Hinzu kommt, dass der Preis für einen Tränker je nach Tränkerkategorie rund doppelt so hoch sein kann. Bei einem AA-Tränker ist aber ein Mehrerlös durch die bessere Fleischigkeit möglich, was die Mehrkosten beim Kauf decken kann.

Sinnvoll für die Gesundheit

In einer Diplomarbeit der Höheren Fachschule am Inforama Rütti in Zollikofen im Jahr 2019 wurde die Vollmilchmast mit der Wasserpulvermast und der Nebenproduktemast verglichen. Anhand von Mastauswertungen der UFA wurden verschiedene Daten von 44 Betrieben und 7775 Kälbern ausgewertet und analysiert. In der Variante Vollmilchmast war die Abgangsrate mit 1,8 Prozent am tiefsten. Dies könnte damit zusammenhängen, dass den Kälbern mit der Vollmilch mehr Nährstoffe zugeführt werden und sie dadurch mehr Reserven und eine bessere Immunität haben. Zudem werden in der Vollmilchmast oft die eigenen Kälber gemästet. Dies hat den Vorteil, dass die Kälber schon früh mit den hofeigegen Keimen in Kontakt kommen und sich das Immunsystem darauf ausrichten kann.

Weiter wurden in der Vollmilchmast mit 1,45 kg Tageszuwachs leicht höhere Tageszunahmen erzielt und die Futterverwertung schnitt mit 1,64 kg pro Kilogramm Zuwachs am besten ab. Über 80 Prozent der Vollmilchkälber erreichten die Fettklassierung drei oder vier. Bei den anderen Fütterungsvarianten lag dieser Wert bei rund 70 Prozent. Diese Parameter sprechen für eine Vollmilchmast. Zusätzlich wurde die Wirtschaftlichkeit genauer unter die Lupe genommen. Durchschnittlich erzielten die Vollmilchbetriebe einen Deckungsbeitrag von 75 Franken pro Kalb, wenn sie mit einem Milchpreis von 57 Rappen rechnen. Wird mit einem Milchpreis von 50 Rappen gerechnet, so steigt der Deckungsbeitrag auf 141 Franken pro Kalb an.

Ergänzung für beste Leistung

Weshalb braucht es zu Vollmilch überhaupt ein Milchpulver? Zum einen deckt die Vollmilch den Trockensubstanz (TS)-Bedarf eines Mastkalbes bis maximal zwei Kilogramm je Tag ab. Diese tägliche TS-Aufnahme wird bei einem Lebendgewicht von 100 kg erreicht. Auf der anderen Seite ergänzt das Milchpulver die Wirkstoffe, welche der Vollmilch fehlen.

Damit das Leistungspotenzial der Kälber genutzt werden kann und die Alterslimite nicht überschritten wird, ist eine Ergänzung mit dem richtigen Milchpulver von grosser Bedeutung. Bei der Wahl des Milchpulvers müssen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Wie hoch ist der Anteil Vollmilch, der während der ganzen Mast pro Kalb vertränkt wird? In der Regel gibt es eine Anwendungsempfehlung, zu welchem Anteil an Vollmilch der Vollmilchergänzer geeignet ist. Doch nicht nur der Vollmilchanteil ist entscheidend, sondern auch, ob die Kälber zu jeder Zeit Vollmilch erhalten oder ob der Automat zeitweise auf Wasser-Pulver umstellen muss. Wenn dies der Fall ist, muss ein hochwertiges Milchpulver eingesetzt werden, das die Kälber ohne das Beimischen von Vollmilch bedarfsgerecht versorgt.
  • Wird die Milch am Eimer oder am Automaten verabreicht? 
    Wird am Eimer getränkt, so sind Milchpulver mit einem Instant-Zusatz zu bevorzugen. Diese Milchpulver weisen eine sehr gute Löslichkeit auf und können direkt in kuhwarme Milch eingerührt werden. Werden Milchpulver ohne den Instant-Zusatz eingesetzt, so ist es empfehlenswert, eine Vorauflösung mit höherer Temperatur (55 – 60 °C) zu machen. Dies verbessert die Verdaulichkeit des Fetts und es bilden sich keine Knollen. Anschliessend kann die Vorauflösung in die Kuhmilch eingerührt werden. Bei der Automatentränke spielen die oben beschriebenen Eigenschaften eine untergeordnete Rolle, denn der Automat verfügt über einen Mixer, der das Milchpulver homogen in die Tränke einrührt. Zudem ist die Temperatur der Milch zu jeder Zeit konstant.
  • Welche Genetik ist auf dem Betrieb vorhanden? 
    Um einen marktkonformen Schlachtkörper zu produzieren, benötigt auch Mastgenetik eine hochwertige Ergänzungsmilch. 

Die Vollmilchmast

Die bäuerliche Kälbermast hat wirtschaftliche Vorteile und punktet auch bezüglich der Kälbergesundheit. In Zeiten von niedrigen Milchpreisen und tiefen Tränkerpreisen ist die Vollmilchmast lohnenswert. Je nach Milchpreis kann mit der Vollmilchmast ein überdurchschnittlicher Deckungsbeitrag erzielt werden. Mit einer besseren Gesundheit der Kälber und damit verbunden tieferen Tierarztkosten lassen sich die Kosten senken. Damit marktgerechte Kälber produziert werden, ist eine Ergänzung mit dem passenden Milchpulver angezeigt.

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