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Nutztiere

Gesunde Klauen – langlebige Sauen

Wer eine langlebige Herde aufbauen will, muss beim Fundament verweilen. Was beim Rindvieh zu den Routinearbeiten gehört, ist bei den Zuchtsauen noch wenig verbreitet. Immer mehr zeigt sich, dass sich beim Schwein mittels Klauenpflege in einem vertretbaren zeitlichen Aufwand ein hoher Nutzen erzielen lässt.

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Publiziert am

Aktualisiert am

ehem. Fachlehrerin Schweinehaltung am Inforama Rütti

Zu den drei Hauptabgangsursachen von Sauen gehören das Alter, die Fruchtbarkeit und die Leistung. Indirekt beeinflusst die Klauengesundheit alle drei dieser Abgangsursachen. Tiere mit schmerzenden Klauen bewegen sich weniger, erdrücken mehr Ferkel, geben weniger Milch, verlieren mehr Gewicht und zeigen das Rauscheverhalten weniger ausgeprägt. Schweinezüchter, welche seit Jahren die Klauen der Sauen pflegen, konnten damit die Nutzungsdauer um zwei bis drei Würfe erhöhen.

Grosse Belastung

Die Klauen moderner Zuchtsauen sind extremen Belastungen ausgesetzt. Von Natur aus sind Schweineklauen nicht für harte Böden gemacht. Umso wichtiger ist es, dass die Sauen ihr Gewicht gleichmässig auf alle Klauen verteilen können und es zu keinen Fehlbelastungen kommt.

Hart und weich

Im Unterschied zum Rind besteht die Schweineklaue aus drei Hornbereichen, welche eine unterschiedliche Härte aufweisen. Das Wandhorn und das Sohlenhorn mit härteren Hornbestandteilen und der gepolsterte Ballen mit weicherem Horn. Deshalb ist die Schweineklaue naturgegeben eher für abwechslungsreichen und weichen Boden geeignet. Die Afterklauen sind hingegen aus hartem Horn und weisen eine knöcherne Grundlage auf.

Läsionen sind häufig in den Übergangsstellen von Balle zu Sohle und von Sohle zu Wandhorn (Weisse Linie) zu finden.

Klauenpflege

Das Horn der Schweineklaue wächst in einem Monat rund einen Zentimeter. Aufgerechnet auf einen Umtrieb ergibt dies ein Klauenwachstum von fünf Zentimetern. Dieses Wachstum wird bei der Haltung auf befestigten Böden durch den Abrieb verlangsamt. Trotzdem gibt es in der Praxis immer wieder Sauen, bei denen lange Klauen zu Fehlstellungen und einer unregelmässigen Gewichtsverteilung führen. Mit der Klauenpflege soll einerseits eine optimale Gewichtsverteilung auf alle Klauen gewährleistet werden und andererseits hilft es, Veränderungen der Klauen zu erkennen und entsprechende Massnahmen zu ergreifen.

Ziele der Klauenpflege

  • Verlagerung des Gewichts von der Balle zur Klauensohle und dem Tragrand 
  • Gleichmässige Gewichtsverteilung auf Innen- und Aussenklauen 
  • Afterklauen einkürzen 
  • Klauenveränderungen früh erkennen und den Heilungsverlauf unterstützen

Zeitpunkt der Klauenpflege

Es empfiehlt sich, die Sauen entweder beim Umstallen vom Abferkelstall ins Deckzentrum oder beim Umstallen vom Deckzentrum in den Galtsauenstall in den Klauenstand zu nehmen.

Es können entweder alle Sauen in den Stand genommen werden oder nur die lahmen oder auffälligen. Dieser regelmässige Klauencheck kann bei einer allfälligen späteren Lahmheit helfen, die Ursache der Erkrankung einzugrenzen oder herauszufinden. Zudem kann ein früherer Eingriff verhindern, dass aus einer kleinen Verletzug eine schlimmere Läsion entsteht.

Wie die Beispiele aus dem Klauencheck auf Seite 46 zeigen, können Klauenverletzungen problemlos wieder abheilen oder es kann Monate danach zu einer ernsthaften Erkrankung kommen.

Unterschiedliche Belastung

Vor der Klauenpflege empfiehlt sich, die Klauen mit Bürste und Wasser zu reinigen. Die Innenklauen der Hinterbeine werden von der Sau meistens stärker belastet, als die Aussenklauen. Sie behalten ihre Form deshalb besser. Zudem ist die Aussenklaue genetisch bedingt häufig etwas grösser. Aus diesem Grund wird bei den Hinterbeinen zuerst die Innenklaue geschnitten und dann die Aussenklaue entsprechend angepasst. Bei der Aussenklaue muss in der Regel mehr zurückgeschnitten werden, bis die Kronsaumhöhe und die Länge der Klaue gleich ist wie bei der Innenklaue.

Bei den Vorderbeinen wird oft die Aussenklaue zuerst zurückgeschnitten, weil diese weniger stark ausgebildet ist.

Anleitung für pflegenden Klauenschnitt

Quelle: F. Wolf, Raumberg-Gumpenstein, 2010

1. Spitzen einkürzen

  • Senkrecht zum Sohlenhorn 
  • Vorsichtig, damit die Lederhaut mit den Blutgefässen nicht verletzt wird

2. Sohle gerade schneiden

  • Vor allem Sohlenspitze bearbeiten
  • Sohlenhorn sollte nicht mit dem Daumen eingedrückt werden können (zu dünn)
  • Verletztes Sohlenhorn abtragen
  • Den Ballen schonen, häufig werden nur abstehende Ballenteile entfernt
  • Das Gewicht soll gleichmässig auf Balle und Sohle verteilt werden, wobei die Klaue nach vorne belastet werden sollte.

3. Wand gerade schneiden

  • Nur bei stark nach innen, aussen oder oben gebogenen Klauen

4. Afterklauen einkürzen

  • Bis auf Höhe des Kronsaums zurückschneiden

5. Schlusskontrolle

  • Am Schluss sollte das Gewicht gleichmässig auf beide Sohlen verteilt sein.
  • Zur Entlastung einer kranken Klaue, kann die Sohlenfläche dieser Klaue 2 – 3 mm eingekürzt werden 
  • Nie eine Sohlenfläche schräg einkürzen

 

Vorgehen bei veränderten Klauen

Wie beim Rind sollten veränderte oder beschädigte Stellen beim Klauenschneiden freigelegt werden, damit der Dreck wegkommt und die wunde Stelle gut verheilen kann. Bei Veränderungen der Weissen Linie oder der Klauenwand können Entlastungsschnitte am Tragrand vorgenommen werden, um Teile der Klaue zu entlasten und die Heilung der Läsion zu fördern (siehe Beispiel Klauenschnitt am Totklauen).

Bei Ballenwucherungen wird ebenfalls empfohlen, die veränderten Stellen wegzuschleifen und danach mit einem Klauenspray zu behandeln.

Der Ursache auf den Grund gehen

Werden bei der Klauenpflege vermehrt Schäden festgestellt, ist es wichtig, dass die Ursache dieser Veränderungen gefunden wird. Viele Klauenschäden haben ihren Ursprung in einer Verletzung, welche durch ungenügende Haltungsbedingungen zu Stande kommt. Entscheidend für gesunde Klauen ist deshalb vor allem die Haltungsumgebung. Die beste Klauenpflege nützt nichts, wenn sich die Sauen im Stall beim Laufen immer wieder an der Einrichtung oder am Boden verletzen.

  • Kanten, Absätze und Stufen wenn möglich verhindern 
  • Hervorstehende Schrauben mit versenkbaren Schraubenaustauschen 
  • Defekte Spaltenbodenelemente auswechseln (Spaltenbreitebeachten) 
  • Spitze Kanten oder Ecken verhindern 
  • Sehr raue oder sehr glatte Böden vermeiden 
  • Boden möglichst trocken halten 
  • Möglichst keine Hindernisse in den Laufpassagen 
  • Mittels Buchtengestaltung genügend Rückzugsmöglichkeitenanbieten
  •  Beschäftigungsmaterial und Sättigungsfutter können Ruhein die Herde bringen

Die gesamte Thematik der Klauengesundheit beim Schwein ist sehr vielschichtig.

Die Klauenkontrolle und -pflege mittels Klauenstand hilft, Probleme frühzeitig zu erkennen und ihnen vorzubeugen.

Doch sollte nicht vergessen werden, dass Haltung, Fütterung, Genetik und Herdenmanagement wichtige Grundbausteine für ein gesundes Fundament sind. 

Material für Klauencheck und -pflege

  • Klauenstand 
  • Bürste und Lappen 
  • Klauenbeurteilungsbogen/Schreibzeug
  • Fotoapparat 
  • Winkelschleifer (Schleifblatt mit Körnung 40) 
  • Handschuhe, Schutzbrille 
  • Klauenspray, Jodsalbe

Wissenswert

Klauenprobleme sind multifaktoriell bedingt. Gefordert ist auch die Zucht durch Ausselektionieren der Vererber von asymmetrischen Klauen. Die UFA-Zuchttechniker leisten wichtige Arbeit, können aber nicht alle Probleme lösen, da sich Veränderungen oft erst während der ersten Trächtigkeit zeigen.

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