Nutztiere

Kolostrumqualität verbessern

Wird die Kuh in der Galtphase mit ausreichend Beta-Carotin versorgt, erhöht sich der Antikörper- und Beta-Carotin-Gehalt des Kolostrums. Dadurch erhält das Kalb eine bessere Abwehr und Durchfallerkrankungen treten seltener auf.

Das Zufüttern von Beta-Carotin während der Galtphase verbessert die Qualität des Kolostrums

Das Zufüttern von Beta-Carotin während der Galtphase verbessert die Qualität des Kolostrums. 

(istockphoto.com)

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Technischer Dienst Schwein, Granovit

Das Kolostrum ist die erste Milch, die von der weiblichen Milchdrüse bereits vor der Geburt des Kalbes produziert wird. Es stellt eine wichtige Quelle von Im-munabwehr- und anderen Nährstoffen für das neugeborene Kalb dar. Für Kälber ist die Zufuhr von mütterlichen Antikörpern mit dem Kolostrum essentiell, da die Antikörper während der Trächtigkeit nicht durch die Plazenta vom mütterlichen auf den fetalen Blutkreislauf übertreten können. Aufgrund dieser Tatsache besitzen Kälber bei der Geburt keinen wirksamen Immunschutz. Durch die Kolostrum-Gabe unmittelbar nach der Geburt kann eine passive Immunisierung aufgebaut werden, welche die Zeit überbrückt, bis das Kalb seine eigene Immunabwehr nach ein paar Wochen voll entwickelt hat. Die Aufnahme des Kolostrums ist nicht nur aufgrund des Gehalts an Antikörpern wichtig, sondern auch wegen des Reichtums an weiteren Nährstoffen wie Vitamine, Mineralstoffe, Kohlenhydrate, Fette und anderen Proteinen.

Beta-Carotin

Beta-Carotin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Carotinoide und ist eine Vorstufe von Vitamin A. Es kommt in grossen Mengen in frischen, grünen Futterpflanzen vor. Durch die Silierung und Trocknung geht ein Grossteil des Beta-Carotins verloren. Beta-Carotin hat antioxidative Eigenschaften und wirkt sich positiv auf das Immunsystem von Milchkuh und Kalb aus. Die Zufütterung von Beta-Carotin wird empfohlen in der Winterfütterung und bei ganzjähriger Fütterung von konservierten Futtermitteln. Das empfohlene tägliche Angebot liegt bei 300 bis 450 mg Beta-Carotin pro Tier und Tag.

Die Versorgung der neugeborenen Kälber mit ausreichend und qualitativ gutem Kolostrum hat erhebliche Auswirkungen auf die Kälbergesundheit. Viele Studien zeigen, dass die Kälbersterblichkeit durch ein optimiertes Kolostrum-Management gesenkt werden kann. Eine optimale Kolostrum-Versorgung hat auch längerfristig positive Auswirkungen auf die Gesundheit des Kalbes. Gut mit Kolostrum versorgte Kälber erkranken auch Monate nach der Geburt seltener an Krankheiten, wie beispielsweise Lungenentzündungen. Ausserdem konnte bei Kälbern mit optimaler Kolostrum-Versorgung in der ersten Laktation eine Milchleistungssteigerung festgestellt werden.

Qualität kann verbessert werden

Die Kolostrumversorgung von Kälbern ist ein viel diskutiertes Thema und die Wichtigkeit einer optimalen Biestmilchversorgung in den ersten Lebensstunden ist bekannt. Doch es stellt sich die Frage, ob die Qualität der Biestmilch mit gezielten Massnahmen im Fütterungsmanagement der Galtkuh positiv beeinflusst werden kann. In einer Studie der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften in Zollikofen (HAFL) wurde ein spezielles Augenmerk auf die Beta-Carotin-Versorgung der Galtkuh geworfen. Es sollte geklärt werden, ob sich eine Beta-Carotin-Ergänzung in der Galtphase positiv auf die Qualität des Kolostrums auswirkt.

Beta-Carotin-Versorgung von Mutter und Kalb

Die Vitamin A-Versorgung der Rinder erfolgt über das Provitamin Beta-Carotin. Beta-Carotin kommt in grünen Pflanzenteilen vor und ist in frischen Futterpflanzen reichlich vertreten. Während der Trocknung gehen jedoch 50 bis 90 Prozent des Beta-Carotins verloren, bei der Silierung 20 bis 70 Prozent.

Galtkühe, welche während der Trockenstehperiode vor allem mit konservierten Futtermitteln versorgt werden, weisen oft einen Mangel an Beta-Carotin auf. Ein Mangel an Be-ta-Carotin und somit ein indirekter Vitamin A-Mangel führt bei Milchkühen zu gestörter Fruchtbarkeit und Veränderungen an Haut und Epithelien des Verdauungs- und Atmungstraktes. Bei jungen Tieren können bei einem Vitamin A-Mangel Wachstumsstörungen auftreten, sowie infolge einer eingeschränkten Schleimbildung vermehrte Infektionskrankheiten wie zum Beispiel Lungenentzündungen. Eine Beta-Ca-rotin-Ergänzung wird vor allem in der Winterfütterung und bei ganzjähriger Fütterung von konservierten Futtermitteln empfohlen.

Beta-Carotin-Fütterungsversuch mit Schweizer Galtkühen

Kolostrumproben von Milchkühen von 14 Milchproduktionsbetrieben in der ganzen Schweiz wurden während drei Monaten gesammelt. Die Betriebe hielten durchschnittlich 52 Milchkühe. Alle am Versuch beteiligten Galtkühe wurden in Laufställen gehalten. Total wurden Kolostrumproben von 106 Galtkühen der Rassen Holstein (HO), Red Holstein (RH), Swissfleckvieh (SF) und Brown Swiss (BS) genommen. Bei den Versuchstieren handelte es sich um trocken gestellte Kühe, welche in die zweite oder eine folgende Laktation kamen und im Zeitraum vom Februar 2017 bis Mai 2017 abkalbten. Bedingungen für die Teilnahme am Versuch waren, dass die Tiere bis zum Abkalbe-Zeitpunkt keinen Weidegang erhielten und getrennt von den laktierenden Kühen gehalten wurden.

Die Tiere wurden in zwei Gruppen aufgeteilt. Die Trockensteher der ersten Gruppe erhielten während zwei Wochen vor dem Abkalbetermin zusätzlich zur Grundration ein Mineralstofffutter mit erhöhtem Beta-Caro-tin-Gehalt (UFA 996 W mit 3000 mg Beta-Carotin/kg Futter) oder ein Ergänzungsfutter mit erhöhtem Beta-Carotin-Gehalt (UFA 140 mit 600 mg Beta-Carotin/kg Futter). Das Ergänzungsfutter wurde so dosiert, dass jede Kuh pro Tag zusätzlich zum Be-ta-Carotin im Grundfutter 600 mg Beta-Carotin erhielt. Die Galtkühe der zweiten Gruppe erhielten diese Beta-Carotin-Ergänzung nicht und wurden mit der üblichen Galtration der einzelnen Betriebe gefüttert.

Von allen Versuchstieren wurde nach dem Abkalben eine Probe des Erstgemelks genommen und eingefroren. Nach Abschluss des Versuchs wurden die Antikörper-, sowie die Beta-Ca-rotin-Gehalte der Kolostrumproben analysiert.

Beta-Carotin verbessert die Kolostrumqualität

Wie in den Grafiken ersichtlich ist, waren die Ergebnisse des Fütterungsversuchs erfreulich. Die Beta-Carotin-Ergänzung der Trockensteher zeigte nicht nur einen positiven Effekt auf die Menge Beta-Carotin im Erstgemelk sondern auch auf den Antikörpergehalt. Die Biestmilch der Trockensteher in der Gruppe mit Beta-Carotin-Ergänzung wiesen signifikant höhere Antikörper- und Be-ta-Carotin-Konzentrationen auf, als die Gruppe ohne Beta-Carotin-Ergänzung.

In einem ähnlichen Versuch aus Deutschland konnte bewiesen werden, dass die Beta-Carotin-Ergänzung der Galtkühe einen positiven Effekt auf die Gesundheit der Kälber hat. Durch die Beta-Carotin-Ergänzung der Mütter konnte indirekt durch das Kolostrum das Durchfallrisiko der Kälber in den ersten Tagen nach der Geburt minimiert werden.

Fazit

Die Kolostrumqualität kann durch die Zufütterung von Beta-Carotin in den letzten zwei bis drei Wochen der Galtphase verbessert und dadurch das Immunsystem der neugeborenen Kälber gestärkt werden. Die Erkenntnisse dieser Arbeit zeigen, dass die Qualität des Erstgemelks mit gezielten Massnahmen im Fütterungsmanagement der Galtkuh verbessert werden kann. Eine Zufütterung von Beta-Carotin in der Galtphase lohnt sich nicht nur im Hinblick auf die Gesundheit der Kuh, sondern auch auf die des Kalbes. 

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