Nutztiere

Die Aufzucht geht ausser Haus

Ob die Aufzucht extern gegeben wird oder nicht, ist stark von der betrieblichen Situation und den Bedürfnissen des Betriebs abhängig. Fällt der Entscheid, die Aufzucht auszulagern, müssen einige Punkte geklärt werden. Doch worauf ist zu achten?

Die Aufzucht im Berggebiet kann förderlich für Robustheit und Langlebigkeit sein. 

(Bild: Eva Studinger)

Publiziert am

Mitarbeiter Marketing, UFA AG

Dass man die Rinder extern aufziehen lässt, kann verschiedene Gründe haben. Vielerorts spielt die Spezialisierung auf Milchwirtschaft eine entscheidende Rolle. Durch die Spezialisierung möchte man den wirtschaftlichen Erfolg verbessern. Dies bedingt, dass ein anderer Betriebszweig abgegeben wird, wie zum Beispiel die Aufzucht. Andere Gründe für die externe Aufzucht können Platzmangel, Futtermangel, Umbauten oder Arbeitszeitersparnis sein. Das Ziel ist es, ein trächtiges Rind zurückzuerhalten, das sich zu einer leistungsstarken Kuh entwickeln kann.

Die Remontierung kennen

Der Aufzüchter benötigt Planungssicherheit, weshalb er die Anzahl zu erwartender Rinder während einem Jahr kennen muss. Der Milchviehbetrieb muss also wissen, wie viele Kuhkälber als Remonten aufgezogen werden. Die Remontierungsrate ist der prozentuale Anteil an Kühen, die in einem Jahr aufgrund von Abgang oder Verkauf ersetzt werden müssen. Wenn ein Betrieb mit 40 Kühen jährlich fünf Kühe schlachtet und fünf Kühe verkauft, hat er eine Remontierungsrate von 25 Prozent. Bei einem Erstkalbealter (EKA) von 24 Monaten, müssen jährlich zehn Kälber in die Aufzucht gegeben werden. Liegt das EKA bei 28 Monaten, müssen jährlich zwölf Tiere aufgezogen werden. Laut der Statistik von Holstein Switzerland, lag das durchschnittliche EKA bei der Rasse Holstein im Jahr 2019 in der Schweiz bei 28 Monaten. Für die Red Holstein Rasse beziffert swissherdbook den Durchschnitt auf 29 Monate und bei Simmental auf 32 Monate. Dies zeigt, dass bei den intensiven Milchrassen bezüglich EKA weiterhin Optimierungspotenzial besteht.

Tipps für eine erfolgreiche externe Aufzucht

  • Der Geburtsbetrieb muss vorgängig wissen, wie viele Rinder er in die Aufzucht geben will. Das kann er mit der Remontierungsrate berechnen.
  • Ein tiefes Erstkalbealter verringert die Aufzuchtkosten, bedingt aber in jedem Fall eine intensive Fütterung in den ersten Lebensmonaten. 
  • Es lohnt sich, die Futter- und Arbeitskosten für die Aufzucht zu berechnen, um herauszufinden, ob die externe Aufzucht eine Option ist. 
  • Bevor das erste Tier verstellt wird, müssen sich der Aufzuchtbetrieb und sein Partner sorgfältig absprechen und Vereinbarungen treffen. 
  • Eine langjährige Partnerschaft funktioniert meistens am besten.

Aufzuchtkosten beachten

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Die Futterkosten machen einen wesentlichen Teil der Aufzuchtkosten aus.

(Bild: Jonas Salzmann)

Ein Argument, das häufig gegen die externe Aufzucht verwendet wird, sind die Kosten. Bei der Vertragsaufzucht liegt der Richtpreis der Monatspauschale bei einem EKA von 26 Monaten bei 109 Franken pro Rind. Wenn die Rinder nun während 21 Monaten (die ersten vier Monate + der letzte Trächtigkeitsmonat auf Heimbetrieb) auf dem Aufzuchtbetrieb sind, kosten sie rund 3.60 Franken pro Tier und Tag oder insgesamt 2289 Franken. Vielfach geht vergessen, dass auch Rinder und Kälber, die auf dem Heimbetrieb aufgezogen werden, ein nicht zu vernachlässigender Kostenfaktor sind. Auch wenn die Rinder oftmals etwas unter dem Radar fliegen, benötigen sie Arbeitszeit, Platz und Futter. Der Arbeitsaufwand für ein Rind, das selbst aufgezogen wird und mit 26 Monaten abkalbt, beträgt laut dem DB-Katalog der Agridea rund 95 Stunden, also rund 44 Stunden pro Jahr. Bei 20 Rindern sind das insgesamt 880 Stunden pro Jahr, oder 2,5 Stunden pro Tag. Die ersten vier Lebensmonate fallen besonders ins Gewicht, da dieser Zeitraum bezüglich Arbeit am intensivsten ist. In den ersten vier Monaten muss mit einem täglichen Arbeitsaufwand von 15 Minuten pro Kalb gerechnet werden.
Der Arbeitsaufwand erscheint im ersten Moment sehr hoch. Diese Wahrnehmung kann aber auch verfälscht sein, da die Kälber- und Rinderbetreuung oft nicht von derselben Person gemacht wird oder weil die Arbeiten nebenbei erledigt werden. Nebst dem Arbeitsaufwand müssen auch die Futterkosten miteinbezogen werden, um die Kosten der externen Aufzucht abzuschätzen. Eine intensive Aufzucht in den ersten sechs Monaten ist für jedes Kalb ein Muss, unabhängig von Erstkalbealter oder der Aufzuchtmethode.

Das Beispiel mit den groben Futterkosten eines Aufzuchtrinds (Tabelle) verdeutlicht, welchen Anteil die Futterkosten an den Aufzuchtkosten haben. Es basiert auf einem Rind mit einem EKA von 26 Monaten und einer intensiven Fütterung in den ersten sechs Lebensmonaten. Rinder, die mit 24 Monaten abkalben, verursachen tiefere Futter- und somit tiefere Aufzuchtkosten.
Die gesamten Eigenkosten für die 21 Monate, während denen die Rinder beim Aufzüchter wären, belaufen sich auf rund 3183 Franken. Dabei sind der Lohnanspruch für insgesamt 62 Arbeitsstunden innerhalb dieser 21 Monate (Stundenansatz von 28 Franken), sowie die Beiträge für Tierhaltungsprogramme miteinberechnet. Dies relativiert den Vertragsansatz von 3.60 Franken pro Rind und Tag.

Alles miteinander geklärt?

Die externe Aufzucht bedingt in jedem Fall eine sorgfältige Absprache der beiden Partner. Bevor der Entscheid für eine Zusammenarbeit gefällt wird, ist es wichtig, dass beide Parteien sich gemeinsam über die Ziele der Kooperation einigen. Nur wenn sich die Erwartungen des Milchviehbetriebs mit den Leistungen des Aufzuchtbetriebs decken, ist eine Zusammenarbeit sinnvoll und für beide Seiten gewinnbringend. Werden gemeinsame Ziele definiert, so sind diese mit Kennzahlen festzuhalten. Dies kann beispielsweise das Mindestalter oder Mindestgewicht bei der Ankunft, sowie der Besamungszeitpunkt nach Alter oder besser nach Gewicht sein. Die Anforderungen sind jedoch abhängig von den Tieren, welche der Aufzüchter erhält. So kann von einem sehr restriktiv gefütterten oder in den ersten Lebensmonaten erkrankten Kalb nicht erwartet werden, dass es während der externen Aufzucht aufholt und mit 23 Monaten und einem Lebendgewicht von 600 kg abkalbt. Ein fixes Erstkalbealter festzulegen, kann je nach Tier auch nachteilig sein. Der Aufzüchter sollte die Freiheit haben, je nach Tier und Entwicklung den Besamungszeitpunkt mitzubestimmen. So erhält der Milchviehbetrieb ein trächtiges Rind nach seinen Vorstellungen zurück. Ist man sich über die Aufzuchtstrategie einig, können die weiteren Punkte wie Zahlungsvariante, Besamungsund Tierarztkosten, Stierenwahl, etc. vertraglich geregelt und festgehalten werden.

«Es ist wichtig, dass die Vertragspartner Wünsche und Bedingungen klar aussprechen.» 
Andreas Caduff, Berater für Landwirtschaft am Plantahof (GR)

Robuste und langlebige Kühe

Andreas Caduff ist Berater für Landwirtschaft am Plantahof (GR) und Mitglied der Aufzuchtvertragskommission, welche die jeweiligen Musterverträge ausarbeitet. Ihm zufolge geben viele Betriebe die Rinder während der Aufzucht extern, um die ertragsreicheren Böden für die Milchproduktion, die Grossviehmast oder den Ackerbau nutzen zu können. Für ihn macht es aus wirtschaftlicher Sicht mehr Sinn, die Rinder in Bergregionen aufzuziehen und sich im Talgebiet auf Milchwirtschaft zu spezialisieren. «Ausserdem verbessert diese Art der Aufzucht die Robustheit und Langlebigkeit der zukünftigen Kühe», so Caduff. Angesprochen auf die grössten Herausforderungen meint er: «Zu oft werden die Bedingungen zwischen Tal- und Bergbetrieb zu wenig klar formuliert.»
Hinzu komme, dass Tal- und Bergbetriebe oft nicht die gleichen Vorstellungen einer optimalen Aufzucht haben. Wichtig sei, dass die Vertragspartner Wünsche und Bedingungen klar aussprechen und diese schriftlich festhalten. Der Aufzuchtbetrieb muss sich bewusst sein, dass sein Partner der Kunde ist und dessen Wünsche im Zentrum stehen müssen. Schlussendlich funktionieren Aufzuchtverträge am besten, wenn sie auf einer langjährigen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit basieren. 

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