Nutztiere

Frische Luft für die Kleinsten

Iglus ermöglichen es, die Kälber an der frischen Luft zu halten. Bei Hitze oder kalten Temperaturen gilt es aber einige Punkte zu beachten. Ob die Einzelhaltung von Kälbern artgerecht ist, bezweifelt der Schweizer Tierschutz (STS), da Kälber Gruppentiere sind.

Wasser und Heu muss jederzeit zugänglich sein. Der befestigte Boden mit Abfluss in die Güllegrube entspricht den Gewässerschutzvorschriften.

(Bild: Cyril de Poret)

Publiziert am

Kälber im Alter von über zwei Wochen bis vier Monaten dürfen in der Schweiz nicht einzeln gehalten werden. Es gibt aber eine Ausnahme, nämlich bei der Haltung in Hütten (Iglus), sofern das Kalb Sichtkontakt zu Artgenossen hat. Weiter muss jederzeit Zugang zu einem Gehege im Freien (Auslauf) gewährleistet sein, damit das Kalb Aussenklimaund Umweltreizen ausgesetzt ist. Wichtig ist, dass die Iglus nicht in geschlossenen Gebäuden aufgestellt sind und die Kälber im Auslauf immer freie Sicht auf drei Seiten haben. Die Fläche des Auslaufs muss so bemessen sein, dass sich das Kalb darin frei drehen kann.

In den ersten beiden Lebenswochen wird die Einzelhaltung in Iglus aus tierärztlicher Sicht als gut erachtet, da es ist wichtig ist, dass die Kälber nach der Geburt rasch in eine keimarme Umgebung gebracht werden.

Es gibt aber auch gewisse Punkte zu beachten, denn Kälber haben eine noch wenig entwickelte Immunität und sind empfindlich auf Umweltreize. Bei der Haltung in Iglus ist die Jahreszeit ein wichtiger Einflussfaktor. Hitzestress im Sommer, aber auch Kälte-, Wind- und Regenexposition sind zu verhindern.

Vor allem im Winter braucht es möglichst viel Stroh, damit sich das Kalb einnisten kann.

Vorteil Hygiene

Ein grosser Vorteil der Iglus ist die einfache Reinigung. Insbesondere bei erhöhtem Infektionsdruck (z. B. Durchfall) kann nach dem Wechsel das Iglu gewaschen und desinfiziert werden. Da das Sonnenlicht (UV-Strahlen) Viren abtötet, hilft es, das Iglu nach dem Reinigen umzudrehen und an der Sonne zwei bis drei Tage trocknen zu lassen.

Bei Einzeliglus hat man betreffend Tiergesundheit den Vorteil, dass die Kälber untereinander keinen direkten Kontakt haben, was das Übertragen von allfälligen Krankheitserregern verringert. Deshalb muss ein Abstand von einem Meter eingehalten werden. Die Krankheitsübertragung via Mensch, zum Beispiel über die Stiefel und die Kleidung, ist ebenfalls ein nicht zu vernachlässigender Faktor, welcher die Vorteile der Einzelhaltung zunichtemachen könnte.

Weiter zu beachten ist das Thema Gewässerschutz. Gemäss Bundesgerichtsurteil vom 15. Juni 2015 stellen Kälberiglus einen Stallersatz dar und entsprechen einem permanent zugänglichen Laufhof. Eine dichte Bodenplatte mit Entwässerung in ein Güllelager ist erforderlich.

Ist die Einzelhaltung tiergerecht?

Der Schweizer Tierschutz (STS) sieht die Einzelhaltung von Kälbern in Iglus nicht als die ideale Haltungsform an, da die Kälber Gruppentiere sind. Der STS zielt daher darauf ab, die Haltung von Kälbern in Gruppeniglus mit Auslauf für mehrere Kälber zu fördern. Bei der Gruppenhaltung können die Kälber mit Artgenossen spielen und somit ihr Sozialverhalten ausleben. Das Beschränken der Gruppengrösse zum Beispiel auf ein Viereriglu kann sinnvoll sein, denn bei noch grösseren Iglus ist die Hygiene und Erregerübertragung eine Herausforderung. Sobald Tiere mit grossen Altersunterschieden in einer Gruppe sind, kann das für einzelne Kälber Stress bedeuten, was bezüglich Tierwohl auch nachteilig ist.

Auf dem Betrieb von Urs Guggisberg und Nicole Hälg in Derendingen werden die Kälber etwa sechs bis maximal acht Alterswochen in Iglus gehalten. Um das gegenseitige Besaugen zu verhindern, bevorzugen sie vor allem bei den Aufzuchtrindern die Einzelhaltung. Als grössten Vorteil der Iglus nennt Nicole Hälg, die auch Tierärztin ist, den verringerten Krankheitsdruck. «Dieser Vorteil besteht aber natürlich nur, sofern man sämtliche Hygienemassnahmen umsetzt, wie die korrekte Hygiene bei der Geburt, saubere Einzeliglus sowie möglichst viel und qualitativ hochwertige Kolostralmilch», so Hälg.

Auf ihrem Betrieb wird bei den frisch geborenen Kälber eine besondere Vorsichtsmassnahme ergriffen. Wenn das Kalb nach der Geburt in das Iglu gebracht wird, wird ihm während den ersten 24 Stunden der Auslauf noch nicht gewährt, sondern das Iglu zugesperrt. Dies, da bei den ersten Aufstehversuchen die Gefahr besteht, dass es umfällt. Dabei könnte es sich beim Aufprall auf dem Absatz vom Iglu verletzen und im nicht eingestreuten Auslauf liegen bleiben.

Schutz vor Wärme und Kälte

Sind die Iglus unter einem Dach, ist dies vorteilhaft für die Betreuungspersonen, da man bei den täglichen Arbeiten geschützt ist. Ein weiterer Vorteil ist der Schatten im Sommer, wodurch Hitzestress bei den Kälbern vermieden werden kann. Schatten kann anstelle eines Daches beispielsweise auch mit einem Schattennetz gespendet werden, welches im Sommer vorübergehend angebracht wird.

Der STS erachtet den Hitzestress bei Iglus als grosse Herausforderung und empfiehlt daher wärmegedämmte Iglus oder Hütten. Bei nicht wärmegedämmten Iglus wird empfohlen, dass diese im Sommer unter einem Vordach und an einem Standort mit möglichst viel Luftbewegung stehen. Im Winter ist die Sonneneinstrahlung zum Aufwärmen erwünscht. Die Standplätze je nach Jahreszeit zu wechseln, ist eine weitere Möglichkeit und kann betreffend Hygiene vorteilhaft sein. Die Exposition der Iglus ist zu beachten, um die Tiere nicht direkt Wind und Regen auszusetzen. Um im Winter einen Wärmeverlust zu vermeiden, ist ein trockener Boden wichtig, und es muss möglichst viel Stroh eingestreut werden, damit sich das Kalb gut einnisten kann. Um die Wärme im Iglu zu behalten, empfiehlt Nicole Hälg, beispielsweise mit einem Getreidesack am Iglu-Eingang eine Art Vorhang anzubringen. Dies kann insbesondere in den ersten zwei Lebenswochen bei kalten Aussentemperaturen hilfreich sein. Es ist aber auch zu beachten, dass dies möglicherweise zu Einbussen bei der Frischluftzufuhr führen kann.

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Mit einem Getreidesack kann bei Bedarf der Eingang vor dem Kälteeintrag geschützt werden.

(Bild: Nicole Hälg)

Eine weitere Möglichkeit, die Neugeborenen Kälber vor dem Frieren zu schützen, sind Kälberdecken. Die Tierschutzverordnung verlangt, dass Kälber, die in Ställen oder Hütten gehalten werden, jederzeit Zugang zu Wasser haben. Über zwei Wochen alte Kälber müssen zudem freien Zugang zu Heu oder anderem geeigneten Raufutter haben. Der permanent nötige Zugang zu Wasser kann im Winter gemäss STS nicht immer gewährleistet werden, wenn das Wasser einfriert. Die Wasserversorgung sowie die Temperaturen können an Standorten, bei denen die Gefahr für Frost erhöht ist, zur Herausforderung werden, weshalb sich dort Iglus möglicherweise weniger eignen. 

Weitere Informationen:

Korrektes Platzieren der Einzeliglus: www.blv.admin.ch

Verhinderung von Hitzestress: www.blv.admin.ch

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