Pflanzenbau

Bunte Vielfalt auf dem Acker

<b>Nischenkulturen können eine gute Ergänzung zu den gängigen Hauptkulturen sein. Aber nicht alle Kulturen passen auf jeden Betrieb. Neben ackerbaulichen Faktoren sind auch die Absatzmöglichkeiten zu beachten.</b>

Mohn war früher ein wichtiger Öllieferant. Heute ist die PfIanze eine Nischenkultur.

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Aktualisiert am

ehemalige Redaktorin, UFA-Revue

Nischenkulturen

Alternative Kulturen sorgen für Abwechslung auf dem Feld. Sie sind förderlich für die Biodiversität und wirken sich positiv auf die Fruchtfolge aus, indem sie Schäd-lings- und Krankheitszyklen unterbrechen. Meist stellen diese Pflanzen geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung. Die Unkrautregulierung ist jedoch oft eine grosse Herausforderung. Sofern der Absatz gesichert ist, können Nischenkulturen auch aus ökonomischer Sicht vorteilhaft sein.

Bio oder konventionell?

Es ist zu beobachten, dass Nischenkulturen im Bioanbau häufiger anzutreffen sind als im konventionellen Anbau, obwohl die positiven Fruchtfolgewirkungen in beiden Systemen vorhanden sind. Für die meisten Kulturen besteht jedoch eine grössere Nachfrage im Biobereich. Jürg Hiltbrunner von Agroscope arbeitet seit vielen Jahren mit alternativen Kulturen. Der Experte sieht für Nischenprodukte auch im Nicht-Biobereich eine Chance, sofern die Vermarktung stimmt. Hierfür sind Argumente wie Swissness, Glutenfreiheit und Inhaltsstoffe ausschlaggebend. Für Hirse beispielsweise besteht auch im konventionellen Bereich in gewissem Rahmen eine Nachfrage.

Neue Exoten oder traditionelle Kulturen?

Nischenkulturen sind zum einen alte heimische Kulturpflanzen, die in Vergessenheit gerieten oder durch lukrativere Kulturen verdrängt wurden. Zum anderen finden immer mehr exotische Pflanzen den Weg auf die Schweizer Felder. So werden mittlerweile auch Kulturen wie Amaranth und Quinoa, die ihren Ursprung in Südamerika haben, in der Schweiz angebaut. Entsprechende Produkte werden aufgrund von neuen Ernährungstrends vermehrt von Konsumenten nachgefragt. Jürg Hiltbrunner erläutert, dass es zwar in der Schweiz traditionelle, an die hiesigen Bedingungen angepasste Kulturen gibt – wie zum Beispiel Lein und Hirse – die es durchaus von den Inhaltsstoffen her gesehen mit Chia und Quinoa aufnehmen können. Doch letztlich entscheidet auch der Konsument, welche Produkte Absatz finden. Weiter erklärt Hiltbrunner, dass neue Kulturen einerseits eine Herausforderung im Anbau darstellen, da diese nicht unbedingt an die Anbaubedingungen in der Schweiz angepasst sind und wenig über die technischen Anforderungen des Anbaus bekannt sind. Auf der anderen Seite kennen die exotischen Arten hier oftmals keine Krankheiten und Schädlinge, was sie vor allem im Bioanbau interessant macht. Allerdings verschwindet dieser Effekt vermutlich auch wieder, wenn die Anbauflächen steigen und Krankheiten und Schädlinge besser Fuss fassen können. Auch im Zuge des Klimawandels können exotische Kulturen für den Schweizer Anbau in Zukunft interessant werden.

Wie sieht es mit der Vermarktung aus?

Vor dem Anbau von Nischenprodukten sind die möglichen Absatzwege sorgfältig zu prüfen. Spezialitäten können oftmals ab Hof vermarktet werden. Hirse wird zum Teil von den Maxi-Sammelstellen angenommen. Aber auch hier gilt es, im Voraus die Abnahme zu klären. Andreas Rohner, Ressortleiter Bio-Rohprodukte bei fenaco Getreide, Ölsaaten, Futtermittel, betont, dass Anbauverträge zwingend notwendig sind.

Bei entsprechenden Vermarktungsmöglichkeiten können Nischenkulturen ökonomisch interessant sein. Andererseits weist Jürg Hiltbrunner darauf hin, dass die einzelnen Kulturen je nach Anbaubedingungen auch einen hohen Fruchtfolgewert haben können, und somit einen Gewinn mit sich bringen, der sich (noch) nicht mit Zahlen beziffern lässt. 

AutorinVerena Säle, UFA-Revue, 8401 Winterthur

InformationenAusführliche Informationen zu den einzelnen Kulturen sind zu finden unter www.ackerbau-kulturen.agroscope.ch Alternative Kulturen

Öllein

Öllein ( Linum usitatissimum) ist eine alte Kultur pflanze, die aber in den letzten Jahrzehnten kaum mehr Bedeutung fand. Leinöl ist aufgrund seiner ernährungsphysiologischen Eigenschaften interessant, da es einen hohen Gehalt an Linolensäure aufweist, eine ungesättigte Fettsäure. Der Eigengeschmack des Öls ist allerdings sehr intensiv.

Öllein stellt geringe Nährstoffansprüche und ist daher gut geeignet für den extensiven Anbau. Lein benötigt ein feines Saatbett. Während dem Jugendstadium ist die Pflanze wenig konkurrenzfähig. Nach dem Auflaufen ist eine Stickstoffgabe von 40 bis 60 kg N/ha empfehlenswert. Die Stickstoffdüngung sollte nicht zu hoch ausfallen, da sonst die Standfestigkeit un genügend ist. Die Bestimmung des N-min Gehalts des Bodens ist hilfreich für die Ermittlung einer angemessenen Stickstoffdüngung. Lein reagiert empfindlich auf Wassermangel beginnend mit der Blüte bis zur Kornfüllungsphase.

Öllein gibt es als Winter- und als Sommerform. Beim Anbau von Winterlein sind höhere Erträge realisierbar. Zudem kann in sommertrockenen Regionen der Wasserstress vermindert werden. Allerdings ist zu beachten, dass er früher geerntet wird als Sommerlein und somit in die Zeit der Getreideernte fällt.

Versuche haben gezeigt, dass beim Schwaddrusch im Vergleich zum Direktdrusch keine Nachteile bezüglich Ertrag entstehen und die Verluste durch die zusätzlichen Arbeitsschritte gering blieben. Positiv ausgewirkt hat sich der Schaddrusch aber auf den Wassergehalt, der durch die Feldwirkung gesenkt werden konnte, insbesondere in stark verunkrauteten Beständen.

Quinoa und Amaranth – die Exoten

Erst seit kurzem werden in der Schweiz wieder Anbauversuche mit Quinoa und Amaranth gewagt. Anbauempfehlungen, die auf langjährigen Erfahrungen basieren, fehlen daher bislang. Beide Kulturen stammen ursprünglich aus Südamerika und sind sogenanntes Pseudogetreide.

Quinoa ist kältetolerant und daher auch für höhere Lagen geeignet. Die Aussaat erfolgt von März bis Mitte Mai; Bodentemperaturen ab mindestens 10 °C sind zu empfehlen. Geerntet wird von August bis September. Wirtschaftlich bedeutende Schädlinge und Krankheiten wurden bis jetzt noch nicht festgestellt. Staunässe und verdichtete Standorte sind für den Quinoaanbau zu vermeiden. Amaranth reagiert empfindlicher als Quino auf Frost. Die Aussaat erfolgt entsprechend etwas später von Ende April bis Mitte Mai. Optimal für Amaranth sind leichte Böden mit einer guten Wasserführung.

Buchweizen

Der Anbau von Buchweizen (Fagopyrum esculentum)hat eine lange Tradition in der Schweiz. Mitte des 20. Jahrhunderts verschwand die Pflanze von den heimischen Feldern, kehrt aber allmählich wieder zurück. Buchweizen ist recht konkurrenzstark, da er schnell aufläuft und somit Unkräuter unterdrücken kann. Er ist allerdings frostempfindlich und kann daher erst spät im Frühjahr gesät werden. Möglich ist auch der Anbau als Zweitkultur. Die Ansprüche an Boden und Nährstoffe sind gering. Schwierig ist die Ernte: Die Pflanzen reifen ungleichmässig ab; die ersten Körner sind bereits reif, während gleichzeitig noch Blüten gebildet werden. Die Körner müssen direkt nach der Ernte getrocknet werden. Neben der Ernte und Nutzung der Körner kann Buchweizen auch als reine Gründüngung angebaut werden.

Linsen

Nach Ende des zweiten Weltkriegs wurde in der Schweiz der Linsenanbau aufgegeben. Mitte der 90er Jahre importierten Bauern aus der Region Genf Saatgut der Linsensorte «Anicia» aus Le Puy-en-Velay (F), wo die Leguminose grossflächig angebaut wird, und kultivierten sie wieder in der Schweiz.

Linsen ( Lens culinaris) sind Leguminosen und stellen mit ihrer Stickstofffixierungsleistung eine Bereicherung für die Fruchtfolge dar. Saatzeitpunkt ist im April. Die Pflanze gilt als konkurrenzschwach aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung und ihrer eher geringen Wuchshöhe. Erntezeit ist von Ende Juli bis Anfang August. Aufgrund der ungleichmässigen Abreife der Linsen ist es schwierig, den optimalen Erntezeitpunkt zu bestimmen.

Linsen besitzen eine geringe Standfestigkeit. Daher werden sie oft im Gemenge mit einer Stützfrucht angebaut. Nachteilig am Mischanbau ist die notwendige Trennung beider Feldfrüchte nach der Ernte. Für einen Mischanbau eignen sich beispielsweise Hafer oder Leindotter.

Rispenhirse

Die Rispenhirse ( Panicum miliaceum) ist eine traditionelle Ackerkultur der Schweiz. In neuerer Zeit wurde sie allerdings von Weizen und anderen Getreidearten verdrängt. Rispenhirse stellt geringe Ansprüche an die Nährstoffversorgung. Krankheiten und Schädlinge gibt es bisher keine, die von Bedeutung sind. Daher ist Rispenhirse gut geeignet für den biologischen Anbau. In warmen Lagen kann ab Mitte Mai gesät werden. Die Pflanze ist empfindlich gegenüber Spätfrösten. Durch die kurze Vegetationsdauer von etwa 100 Tagen, ist es möglich, vor der Hirse einen Schnitt Kunstfutter zu nutzen sowie nach der Ernte der Hirse Zwischenfutter anzubauen. Rispenhirse hat im Jugendstadium eine geringe Konkurrenzkraft. Somit kommt der Unkrautbekämpfung eine hohe Bedeutung zu. Die Unkrautregulierung mit dem Striegel ist schwierig, da die jungen Pflanzen empfindlich sind. Feldversuche haben gezeigt, dass mit einem Einsatz der Hacke im 3- bis 4-Blattstadium und im 6- bis 8-Blattstadium der Unkrautdruck reduziert werden kann. Eine Herausforderung ist die Ernte. Da die Körner ungleichmässig abreifen, ist es schwierig, den optimalen Erntezeitpunkt zu bestimmen. Die umgehende Trocknung der Körner nach der Ernte muss gesichert sein. Das Hirsestroh ist bei der Ernte noch grün. Es enthält viele Nährstoffe, von denen die Folgekultur profitieren kann.

Mohn

In der Schweiz wurde bis zum zweiten Weltkrieg Mohn als Ölpflanze angebaut. Mittlerweile sind Raps und Sonnenblumen weitaus wichtiger geworden als Mohn. Mohnöl ist reich an ungesättigten Fettsäuren, vor allem an Linolsäure. Mohn ( Papaver somniferum) gedeiht bevorzugt auf humusreichen und kalkhaltigen Böden. Eine Herausforderung ist die Saat, da Mohnsamen mit einer Tausendkornmasse von lediglich 0,5 g extrem klein sind. Die Saat muss sehr flach erfolgen und vorgängiges Walzen wird dringend empfohlen. Bei trockenen Bedingungen kann auch das Walzen nach der Saat empfehlenswert sein, damit ein guter Bodenschluss gewährleistet ist. Die Jugendentwicklung von Mohn verläuft langsam. Aufgrund der empfindlichen Konstitution der jungen Mohnplfanzen sollte nicht gestriegelt werden. Besser ist es, die Unkrautkontrolle mit der Hacke durchzuführen. Mohn benötigt eine gute Stickstoffversorgung; empfohlen sind 80 kg N/ha, die auf mindestens zwei Gaben verteilt werden.

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