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Pflanzenbau

Hilfsstoffe mit Potenzial?

Im biologischen Anbau werden bereits verbreitet Pflanzenstärkungsmittel zur Reduktion von Kupferund Schwefeleinsatz genutzt. Auch im konventionellen Anbau bieten Hilfsstoffe das Potenzial, als präventive Massnahme den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu reduzieren und Kulturpflanzen vor steigenden Umweltrisiken zu schützen.

Alexander Pulfer

Alexander Pulfer

Publiziert am

Aktualisiert am

Praktikant Feldsamen, UFA-Samen

Pflanzenstärkungsmittel

Pflanzenstärkungsmittel sind formulierte Produkte mit unterschiedlichen Zusammensetzungen. Durch komplexe Zusammenhänge sollen Pflanzen gestärkt und damit deren Widerstandskraft gegen Schadorganismen sowie Gesundheit und Wachstum verbessert werden. Pflanzenstärkungsmittel sind keine neue Erfindung: Steinmehle, Algenprodukte und weitere Präparate werden bereits seit Jahrzehnten in der Landwirtschaft eingesetzt. Die Diskussion um Rückstände, Resistenzen und Umweltverträglichkeiten von konventionellen Pflanzenschutzmitteln rücken alternative Hilfsstoffe aber vermehrt in den Fokus. Eine klare Charakterisierung von Pflanzenstärkungsmitteln wird durch verschiedene Zusammensetzungen (Bakterien, Pilze, höhere Pflanzen, Algen, Tiere, Huminsäuren, mineralische Produkte) und Wirkungsweisen erschwert.

Detaillierte Wirkung teilweise unbekannt

Das Pflanzenwachstum wird durch abiotische und biotische Stressfaktoren ( siehe Grafik) limitiert. In Versuchen wurde festgestellt, dass spezifische Hilfsstoffe die Pflanzen in ihrer Stressbewältigung unterstützen können. Weiter wurde erkannt, dass einige dieser Präparate auch ohne Stressfaktoren eine produktionssteigernde Wirkung haben können. Während die genauen Wirkungsmechanismen in vielen Fällen unbekannt sind, konnten in verschiedenen Experimenten deren positiven Auswirkungen festgehalten werden. Verbreitet aufgetreten sind Fälle von gesteigerter Nährstoffmobilisierung im Boden, einer Stimulation der mikrobiellen Aktivität, verbessertem Wurzel- und Pflanzenwachstum und in der Folge eine bessere Stressresistenz und höhere oder sicherere Erträge. Viele Pflanzenstärkungsmittel erzielen ihre Wirkung gleich in mehreren der beschriebenen Punkte.

Bekannte Wirkungsmechanismen

Bereits erforschte Zusammenhänge zeigen auf, dass Pflanzenstärkungsmittel ihre Wirkung grundsätzlich einerseits im Boden und andererseits in der Pflanze erzielen können. Im Boden werden hauptsächlich die Kationenaustauschkapazität erhöht, Komplexe mit bestimmten Nährstoffen oder Schwermetallen gebildet oder direkt der pH-Wert beeinflusst. Alle drei Prozesse können zu einer verbesserten Nährstoffverfügbarkeit sowie einer höheren mikrobiellen Aktivität führen. In der Pflanze wirken die Stärkungsmittel meist einerseits durch eine Imitation von Botenstoffen, die in der Pflanze beispielsweise eine Abwehrreaktion induzieren, oder eine Steigerung der Stoffwechselaktivität auslösen. Andererseits werden wichtige Bausteine wie beispielsweise Aminosäuren zur Verfügung gestellt, die die Produktion von wachstumsrelevanten Phytohormonen oder anderen Stoffwechselprodukten steigern.

Resultat im Feld

Verschiedene Feldversuche zeigen, dass Kulturpflanzen ihr Produktionspotenzial durch eine Applikation von Stärkungsmitteln besser ausschöpfen können. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Produktionsbedingungen nicht ideal sind. In diesen Fällen können die Stärkungsmittel den Ertrag und die Qualität absichern und die schlechten Bedingungen teilweise kompensieren. Unter guten Wachstumsbedingungen sind hingegen von Pflanzenstärkungsmitteln keine Wunder zu erwarten. Deshalb sollen Pflanzenstärkungsmittel in erster Linie als Instrument zur präventiven Risikoreduktion verstanden und eingesetzt werden.

Erfolg abhängig von Produktionsbedingungen

Der Nutzen von Pflanzenstärkungsmitteln ist also stark abhängig von den Produktionsbedingungen. Dies kann am Beispiel des Aminosäuren-haltigen Pflanzenstärkungsmittels Sunred veranschaulicht werden. Sunred liefert sowohl den Ausgangsstoff (Phenylalanin)als auch Verstärker (Oxylipine)für die Biosynthese von Anthocyan und Flavonol, also für die Stoffe, die für die Ausfärbung von Früchten verantwortlich sind. Für die farbliche Ausprägung ist die Belichtungsintensität der Frucht von entscheidender Bedeutung. In einem Jahr mit ausreichender Sonnenscheindauer wird das farbliche Potenzial der Frucht bereits ausgeschöpft und kann mit einem Pflanzenstärkungsmittel nicht signifikant verbessert werden. In einem Jahr mit tieferer Belichtungsintensität oder bei beschatteten Früchten kann die Versorgung mit wichtigen Aminosäuren die Synthese der Farbstoffe fördern und so die Färbung der Früchte verbessern. Diese Mechanismen sind im Grundsatz auf einen grossen Teil der Pflanzenstärkungsmittel übertragbar.

Wirtschaftlichkeit

Durch den Einsatz von Pflanzenstärkungsmitteln können Produktionsrisiken reduziert und die Ernte ertraglich und qualitativ abgesichert werden. Die wirtschaftliche Rentabilität ist stark abhängig von den Produktionsbedingungen und muss im Einzelfall beurteilt werden. Tendenziell kann ein Einsatz insbesondere in wertintensiven Kulturen und wo möglich als Teilersatz von Pflanzenschutzmitteln Sinn machen. Landor hat seine Produktpalette im Bereich der Pflanzenstärkungsmittel erweitert und bietet für verschiedene Ausgangslagen das richtige Produkt (siehe Tabelle und www.landor.ch).

Anwendung

Pflanzenstärkungs mittel werden ab hängig von ihrer Wirkungsweise zu unterschiedlichen Zeitpunkten appliziert. Dabei können sie meist mit Herbiziden, Fungiziden und In sektiziden gemischt werden, um eine zusätzliche Überfahrt zu vermeiden. Vorsicht ist je nach Inhalts stoffen bei einer Mischung mit Kupfer geboten. In allen Fällen empfiehlt es sich, zuerst eine Mischprobe zu machen.

Autor   Alexander Pulfer, Landor, 4127 Birsfelden

Kostenloses Beratungstelefon   0800 80 99 60

UFA-Samen Maistag 2019

Der diesjährige Maistag von UFA-Samen in Wülflingen verzeichnete einen Grossaufmarsch der Maisproduzenten. Stefan Lüthy von UFA-Samen zeigte sich besorgt im Hinblick auf den Maiswurzelbohrer, dessen Larven die Maiswurzeln abfressen und dadurch Schäden verursachen. In betroffenen Gebieten ist ein Verdacht auf einen Befall meldepflichtig. Aus der Kernzone ist der Maistransport bis Ende September verboten, wobei Maissiloballen und Trockenprodukte davon ausgenommen sind. Erntemaschinen müssen beim Verlassen der Kernzone geputzt werden. Eine Bekämpfung ist nur präventiv möglich, da der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verboten ist. «Mais auf Mais ist verboten und die Fruchtfolge Pflicht. Ernterückstände sind zwingend zu mulchen», so Lüthys Botschaft an die Maisproduzenten. Mit der Aussage: «Es gibt nicht das Siliermittel, das alles kann, sondern viele Mittel, um unterschiedliche Ziele zu erreichen», startete Klaus Hünting von der Landwirtschaftskammer Nordrhein-Westfalen ins Referat über Siliermittel. Er machte zugleich deutlich, dass sich erst beim Silieren zeigt, welches das Mittel der Wahl ist. «Siliermittel können aus einer schlechten Silage nicht einfach eine gute Silage machen», rief Hünting in Erinnerung.  RoMü

Tiefe Mykotoxinbelastung

Swiss granum überprüft in Zusammenarbeit mit Agroscope im Rahmen eines Monitorings die Mykotoxin-Belastung bei Körnermais nach der Ernte. Die Ernte 2018 weist ein sehr tiefes Belastungsniveau an Deoxynivalenol (DON) auf. Dies erklärt sich durch die trockenen und warmen Wetterbedingungen des Sommers. Von gesamthaft 42 analysierten Proben wiesen 74 Prozent keine oder eine DON-Belastung unterhalb der Nachweisgrenze auf. 26 Prozent der Proben zeigten einen DON-Gehalt zwischen 0,2 und 0,5 mg / kg, mit einem Höchstgehalt von 0,38 mg / kg. Die Belastung mit Zearalenon (ZEA) wurde nur bei Proben analysiert, die einen DON-Gehalt über 0,3 mg / kg aufwiesen. Aufgrund des tiefen DON-Belastungsniveaus wurden die ZEA-Analysen nur bei sechs Proben durchgeführt. 

Swiss granum

Neue Methode verringert Wildschweinschäden

Der an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften ZHAW entwickelte Wildschweinschreck verwendet Alarm- und Warnrufe von Wildschweinen, um sie von Feldern fernzuhalten. Zusätzliche Geräusche, die von den Tieren mit Gefahr in Verbindung gebracht werden, erhöhen die Variabilität. Die Forschenden haben zudem mit elektrischen Zäunen und jagdlichen Mitteln zwei klassische Präventionsmethoden geprüft. Der Vergleich zeigt, dass keine der Präventionsmethoden einen absoluten Schutz bietet. Auf Feldern mit Präventionsmethoden fallen die Schäden jedoch signifikant kleiner aus als auf Feldern, die nicht geschützt werden. Mit dem akustischen Wildschweinschreck gäbe es nun eine zusätzliche, flexible und intelligente Präventionsmethode.  ZHAW

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